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Für Digitalrebellen: Das Revival des Polaroids

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Das Revival des Polaroids
Abdrücken, wedeln, 90 Sekunden warten - und heraus kommt immer ein Unikat. Polaroids waren im Zeitalter der Digitalkamera aber schnell abgeschrieben. (Bild: dpa)

am 17.06.2009 | Von Theresa Münch, dpa

Hamburg/Wien (dpa) - Abdrücken, wedeln, 90 Sekunden warten - und heraus kommt immer ein Unikat. Polaroids, einst für Party- und Kunstfotografie geliebt, waren im Zeitalter der Digitalkamera schnell abgeschrieben.

Die Filme werden nicht mehr produziert, ihre Technik passe nicht mehr in die Zeit. Doch gerade jetzt zieht die analoge Authentizität immer mehr Menschen an. «Pola»-Liebhaber haben tausende der letzten Sofortfilme zu Hause gehortet. Die Gemeinde der Digitalrebellen wächst - und ein Österreicher will die «Filme mit eingebautem Chemie-Labor» jetzt sogar wieder herstellen.

Florian Kaps ist ein Mann für das Unmögliche. «The impossible project» nennt er seine Vision - wohl weil selbst nach einem Jahr noch immer nicht viele an den Erfolg glauben. Als die Polaroid-Fabrik im holländischen Enschede im Juni 2008 schloss, war für Kaps klar: Irgendwie muss es weitergehen mit den Sofortbildern. «Polaroids stehen schließlich für eines der letzten ganz analogen Medien-Produkte», sagt der 39-Jährige begeistert. Kurzerhand kaufte er die alten Polaroid-Maschinen, mietete die Fabrik in Holland. Im kommenden Jahr soll die Produktion starten - mit einer Million Filmen.

Bis dahin müssen Kaps und seine Mitarbeiter den Sofortfilm quasi neu erfinden. Die Chemikalien, die früher das «magische Geheimnis» des Fotopapiers ausmachten, werden nicht mehr hergestellt. «Wir suchen jetzt andere, die den selben Effekt haben», erklärt er. Das gehe nur mit dem Know-How der Menschen, die lange mit Sofortbildern gearbeitet haben. Kaps hat zwölf der einst 180 Polaroid-Mitarbeiter übernommen. Man mag kaum glauben, dass diese Männer ein modernes Start-up bilden: «Durchschnittsalter 55.»

Während die Chemiker in Enschede gerade an einem Latex-Problem tüfteln, hat der erste deutsche Sofortbild-Laden in Berlin schon geöffnet. Auch hier hat der Wiener Kaps seine Finger im Spiel. «Gerade in der kreativen Berliner Szene gibt es viele Pola-Fans», sagt er. Der winzige Shop im Szenestadtteil Prenzlauer Berg soll Treffpunkt für Liebhaber und Künstler sein, erklärt Marlene Kelnreiter, die den Laden betreut. Ausstellungen und Kamera-Verleihaktionen sollen die «Magie des Polaroids» rüberbringen.

«Polaroids sind wirklich absolut magisch», bestätigt Sabine Schnakenberg vom Hamburger Haus der Photographie. Nirgendwo sonst sei man «so extrem nah am Prozess der Fotoentwicklung dran», sagt sie. Mit einfachen Mitteln - Kneten in der Hand, Erwärmen mit dem Feuerzeug - entsteht aus einem Foto ein Kunstwerk. Sofortbilder haben für Schnakenberg «eine ganz andere ästhetische Wirkung als digitale Fotografie». Schon Künstler wie Andy Warhol und Roy Lichtenstein schätzten die «Polas» - für altmodische Ehrlichkeit und den Charme des Unperfekten. «Sofortbilder sind Fotografie für Fortgeschrittene», sagt Schnakenberg. Jedes Bild werde genau geplant, fast zelebriert. «So bekommt es eine ganz andere Wertigkeit.»

«Die Farbe, der Schüttel-Reflex beim Entwickeln», beschreibt Kaps, «bringt eine ganz innige, persönliche Beziehung zum Bild. So was ist selten geworden in der digitalen Welt.» Auch Polaroids neue Erfindung «PoGo» komme an dieses Gefühl nicht heran. Der Mini-Drucker in Handygröße spuckt Bilder von der Digi-Cam quasi als Sofortbild aus. «Aber das sind eben keine Polaroids», meint Kaps. Die Leute sehnten sich nach dem Analogen, Authentischen, nach Dingen zum Anfassen. «Genau wie beim Rauschen einer alten Schallplatte» - und die haben ja auch ein erfolgreiches Comeback gefeiert.

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