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Vierte Mobilfunkgeneration kommt schneller

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Systemstreit von LTE und WiMAX
Wer wird im Systemstreit für die vierte Mobilfunk-Generation siegen: LTE oder WiMAX? (Bild: dpa)

am 18.02.2011 | Von Christoph Dernbach, dpa

Barcelona (dpa) - Aus dem Labor in den Alltag: Die nächste Mobilfunk-Generation kommt früher als gedacht, weil Netzanbieter und Geräte-Hersteller mit dem Daten-Turbo für das mobile Internet ihr Geschäft ankurbeln wollen.

Die Mobilfunk-Industrie stellt sich immer wieder die «Henne-Ei-Frage»: Was war früher da? Die Henne oder das Ei? Auf die Branche bezogen heißt das für die Provider: Soll man vorab in ein neues Netzwerk investieren, obwohl es noch keine Endgeräte gibt? Und für die Handy-Hersteller lautet die Frage: Soll man Handsets für einen neuen Mobilfunk-Standard auf den Markt bringen, obwohl die Netze noch gar nicht ausgebaut sind?

Die Einführung der dritten Mobilfunkgeneration (UMTS) wäre fast an diesen Fragen gescheitert, weil jede Seite auf die Antwort der anderen wartete. Für die vierte Mobilfunkgeneration belauern sich Netzbetreiber und Endgeräte-Industrie jedoch nicht länger, sondern treiben die Einführung des Datenturbo-Standards entschlossen voran.

Auf dem in Barcelona zeichnete sich dabei ab, dass im Systemstreit für die vierte Mobilfunk-Generation sich die klassische Telko-Technologie LTE (Long Term Evolution) gegen WiMAX aus den USA auf breiter Front durchsetzen wird. WiMAX ähnelt der Technologie von drahtlosen Computer-Netzwerken (WLAN) und war vom Chip-Hersteller Intel aggressiv vorangetrieben worden. In Barcelona verkündete der Messeveranstalter GSM Association den Sieg von LTE über den Neueinsteiger: «WiMAX ist tot oder liegt auf der Intensivstation», sagte GSMA-Technologiechef Dan Warren und verwies auf die deutlich höheren Kundenzahlen von LTE und der damit verwandten Technologie HSPA+.

LTE kann Daten theoretisch mit bis zu 300 Megabit je Sekunde übertragen. «In der Praxis werden diese Werte allerdings nicht erreicht», sagte Dr.-Ing. Thomas Haustein vom Fraunhofer Heinrich Hertz Institut in Berlin. «Gegenüber den bislang eingesetzten Techniken bedeutet LTE aber dennoch ein großer Fortschritt. Es wird sich für den Anwender wie ein schneller DSL-Anschluss anfühlen.»

In den Messehallen der «Fira Barcelona» konnte man den Siegeszug von LTE hautnah erleben. Netzwerk-Ausrüster wie Nokia Siemens Netzworks und Huawai zeigten ihre LTE-Lösungen, die man inzwischen tatsächlich kaufen kann. Damit liegen die Bausteine für die neue Infrastruktur vor, die die Provider in Deutschland am liebsten sofort in den Ballungsgebieten in Betrieb nehmen würden. Allerdings müssen sie auf ein Signal der Bundesnetzagentur warten, die darauf achtet, dass zunächst die «weißen Flecken» ohne Breitband-Internet auf dem Land beseitigt werden.

Der Chef von Telefónica Deutschland, René Schuster, erwartet, dass die Netzagentur möglichst bald die Ampel auf «grün» setzt: «LTE kommt schneller als erwartet. Nach unseren Berechnungen haben nur fünf Prozent der Bevölkerung keinen Breitband-Anschluss an das Internet. Diese "weißen Flecken" können schneller erschlossen werden, so dass auch der Ausbau in den Städten schneller angegangen werden kann.»

Ein möglichst rascher LTE-Start in den Ballungsgebieten wünscht sich auch die Endgeräte-Industrie, die in Barcelona eine Reihe von LTE-Geräten präsentierte. LG zeigte das LTE-Mobiltelefon «Revolution», mit dem Videogespräche in hoher Auflösung (HD) möglich sind. Auch das Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen demonstrierte Videokonferenzen in HD-Auflösung und glasklarer Sprachqualität über LTE. Der Blackberry-Hersteller RIM kündigte für seinen Tablet-Computer «PlayBook» für Herbst 2011 eine LTE-Variante an. Und auch Motorola will seinen Tablet Computer «Xoom» mit LTE austatten. Damit könnten die Tablet Computer nicht nur die PC-Branche umkrempeln, sondern auch der vierten Mobilfunk-Generation zum Durchbruch verhelfen.

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