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Retortenprodukte: Wie sich Handys innerlich gleichen

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Mobile World Congress in Barcelona
Eine Wand voller Handys auf der Mobilfunk-Messe in Barcelona. Auch wenn sich Optik und Herstellername unterscheiden, steckt oft die gleiche Technik dahinter. (Bild: dpa)

am 18.02.2009 | Von Daniel Schnettler, dpa

Barcelona (dpa) - Was würde wohl ein Autokäufer sagen, wenn sein nagelneuer BMW den gleichen Motor, das gleiche Fahrwerk und die gleiche Bordelektronik besäße wie der Mercedes des Nachbarn?

Wenn sich die beiden Wagen also letztlich nur noch in ihrer Form und ihrer Inneneinrichtung unterschieden? Der Kunde wäre wohl sehr irritiert und vielleicht sogar verärgert. Bei Handys nimmt er den Umstand klaglos hin, auch weil er nicht weiß, dass unter der Schale zumeist immer die gleiche Technik steckt, egal ob nun Nokia, Samsung oder Motorola auf dem Deckel steht.

Eine Handvoll Halbleiter-Konzerne liefert letztlich die Technik, die das Mobiltelefon ausmacht. Einer der Profiteure der Entwicklung ist Infineon. Die Münchener sind besonders bei Billig- und Einsteigergeräten erfolgreich. «In einem Handy für 20 Dollar stecken Infineon-Chips für 5 Dollar», verrät Konzernchef Peter Bauer. Mehr als 100 Millionen der für die Schwellenländer bestimmten Billig-Handys sind bereits mit Infineon-Chips bestückt.

Dass Inder und Chinesen sich ein Mobiltelefon leisten können, verdanken sie Ingenieuren wie denen von Infineon. Diese haben auf einem einzigen Bauteil alle wichtigen Funktionen des Mobiltelefons vereint: Sende- und Empfangseinheit, Stromversorgung, eine simple Grafik und je nach Preisklasse auch einen MP3-Spieler, ein Radio oder eine Kamera. Quasi schlüsselfertig gehen die Chips dann an die Handy- Hersteller, die nur noch das Gehäuse drumherum bauen, ihre Software anpassen und die Endabnahme vornehmen. Das spart Zeit und Geld. «In drei bis vier Monaten Entwicklungszeit entsteht ein neues Telefon», sagt Infineon-Chef Bauer.

Etwas länger dauert es bei den Smartphones, den multifunktionalen großen Brüdern des Handys. Bekannteste Vertreter dieser Spezies sind die BlackBerry-Telefone von RIM und das iPhone von Apple. Die Geräte brauchen zusätzlich zu den Standardchips noch einen sogenannten Applikationsprozessor, der die computerähnlichen Funktionen sowie die aufwendige Grafik steuert. Diesen Part übernimmt zumeist der britische Spezialist ARM. «Unsere Entwicklungen stecken in 90 Prozent aller Mobiltelefone weltweit», sagt Laurence Bryant, der für das Mobilfunk-Geschäft bei ARM zuständig ist.

Die große Verbreitung rührt daher, dass die Briten die Chips nicht selbst produzieren, sondern ihre Entwicklungen an die großen Halbleiter-Konzerne weiterverkaufen. Diese wiederum liefern dann den Handy-Herstellern zu. «Die Plattform-Kompetenz verschiebt sich immer mehr hin zu den Halbleiter-Konzernen», stellt Alain Dutheil fest, Chef des Branchenzweiten ST-Ericsson. Davon bekommen die Verbraucher indes nichts mit. Sie glauben weiterhin, mit einem «echten» Nokia, Samsung oder Motorola zu telefonieren.

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