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Punkten mit Datenschutz: Alternativen zu Facebook & Co

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Safebook
Sicherer Boden für Netzwerker: Projekte wie «Safebook» - hier die Startseite - arbeiten an Alternativen zu Facebook und Co. (Bild: «safebook.us»)

am 01.07.2010 | Von Christof Kerkmann, dpa

Darmstadt (dpa) - Mal schraubt Facebook an den Datenschutz-Regeln herum, mal macht das SchülerVZ Schlagzeilen mit Datenpannen: Die großen sozialen Netzwerke haben viel an Vertrauen verloren. In diese Lücke stoßen kleine, zumeist studentische Projekte.

Die Macher wollen das ermöglichen, was ein Widerspruch zu sein scheint: Netzwerken, aber trotzdem die Privatsphäre wahren. Das Problem liegt im System. Wer sich bei einer der kommerziellen Freundes-Plattformen anmeldet, geht einen unausgesprochenen Deal ein. Die Dienste sind allesamt kostenlos. Im Gegenzug dürfen die Betreiber aber die persönlichen Informationen der Nutzer auf ihren Servern speichern und für Werbung verwenden.

«Die zentrale Datenspeicherung bedeutet für den einzelnen einen Kontrollverlust», sagt Prof. Hendrik Speck von der Fachhochschule Kaiserslautern. Was passiert beispielsweise mit den Daten, wenn ein soziales Netzwerk den Besitzer wechselt? AOL verramschte jüngst das einst hoch gehandelte Bebo an einen amerikanischen Finanzinvestor. Und was ist, wenn Hacker eine Sicherheitslücke finden und Millionen von Datensätzen auslesen? Der virtuelle Schulhof SchülerVZ ist etwa durch mehrere Sicherheitslecks aufgefallen.

Die Alternativ-Netzwerke wollen den Nutzern die volle Kontrolle geben. Die Konzepte ähneln sich: Die Daten lagern nicht bei einem einzigen Anbieter, sondern dezentral - in einer verschlüsselten Datei zum Beispiel auf dem Rechner des Netzwerk-Mitglieds. «Die Idee ist, Angreifern kein Ziel zu bieten», sagt Prof. Thorsten Strufe von der TU Darmstadt. Er arbeitet mit seinen Informatik-Studenten an einem dezentralen Netzwerk, das den Arbeitstitel «Safebook» trägt und 2011 in die offene Testphase gehen soll.

SchülerVZ
Sicherer Boden für Netzwerker: Projekte wie «Safebook» - hier die Startseite - arbeiten an Alternativen zu Facebook und Co. (Bild: «safebook.us»)

Wer das Profil oder die Handynummer sehen darf, können Nutzer bei den dezentralen Netzwerken für jeden Kontakt einzeln einstellen. «Sie gestalten dafür Visitenkarten mit unterschiedlichen Freigaben», sagt Informatik-Professor Speck, der mit seinen Studierenden das Projekt «HelloWorld» entwickelt hat und damit im Jahr 2008 den Zukunftspreis Deutschland Kommunikation gewann. HelloWorld ermögliche im Gegensatz zu Facebook und Co. ein «gestaffeltes Freundschaftsmodell». Nicht jeder Kontakt ist schließlich gleich ein Freund.

Die Software von «HelloWorld» und «Safebook» ist quelloffen. Jeder kann mitmachen, jeder kann sie weiterentwickeln und beispielsweise eigene Programme daraus stricken. «Wir wollen nichts verkaufen, sondern der Gesellschaft eine offene Technologie zur Verfügung stellen», sagt Speck. Klar ist: Wenn persönliche Daten direkt vom Nutzer verwaltet werden, wird auch personalisierte Werbung nur mit Rücksicht auf Verbraucherwünsche angeboten werden können. Was die Investoren von Facebook, StudiVZ und Co wohl davon halten?

Doch eine gute Idee und ein bisschen Open-Source-Software werden wohl nicht reichen, um die Nutzer zu einem Umstieg zu bequemen. Die Netzwerk-Alternativen müssten «die Quadratur des Kreises» schaffen, meint Martin Weigert vom Blog Netzwertig.com: «Einerseits dezentral und sicher aufzutreten, anderseits aber all das zu ermöglichen, was Nutzer von Facebook & Co gewöhnt sind.»

Wer mag schon einen eigenen Server einrichten, wo ein Profil bei Facebook und Co nur ein paar Mausklicks entfernt ist? So etwa ist bei dem amerikanischen Studenten-Projekt Diaspora geplant. Und wer mag auf die vielen Funktionen verzichten, welche die großen Anbieter nahtlos in ihre Oberfläche eingebaut haben, etwa Fotoalben und Chat.

Die Herausforderer müssen beweisen, dass sie Datenschutz können - aber den Rest ebenso. Etliche stehen jedoch noch ganz am Anfang der Entwicklung. Und anders als Facebook können sie nicht Millionen von Euro in die Entwicklung neuer Features stecken. Facebook-Chef Mark Zuckerberg nimmt die Alternativen bislang offenbar nicht sehr ernst: Weil Diaspora eine «coole Idee» sei, habe er dem Projekt Geld gespendet, sagte er dem US-Magazin «Wired». Angst klingt anders.

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