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Von der Keilschrift zum Web: Erste YouTube-Ausstellung

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«YouTubeTours»: Die Kestnergesellschaft zeigt in Hannover nach eigenen Angaben die weltweit erste Ausstellung über YouTube als ästhetisches Phänomen. (Bild: dpa)

am 15.01.2009

Hannover (dpa) - Die Kestnergesellschaft in Hannover wagt sich nach eigenen Angaben an die weltweit erste Ausstellung über YouTube als ästhetisches Phänomen. «Wir haben nicht den Anspruch, YouTube auszustellen», betonte Kurator Frank-Thorsten Moll.

Vielmehr gehe es darum, in einer Laborsituation über das Internet nachzudenken. So sollen die Besucher beispielsweise selbst virtuelle Führungen durch die Videoplattform zusammenstellen. Einen Kontrast zu den modernen Wissenswelten bilden 42 teils spektakuläre Exponate aus der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek. Aus dem Nachlass des Universalgenies ist unter anderem Leibniz' Rechenmaschine erstmals öffentlich zu sehen.

Die bis zum 15. Februar laufende Schau «Bookmarks» trägt den Untertitel «Wissenswelten von der Keilschrift bis YouTube». «Wir wollten das Thema historisch sehr weit auffächern», sagte Moll. Im ersten Raum, der Schatzkammer, werden wertvolle historische Schriften und Bücher wie in einem begehbaren Tresor hinter Panzerglas präsentiert. Der Bogen spannt sich von Handschriften aus dem 8. Jahrhundert über Briefe berühmter Persönlichkeiten bis zum Brockhaus-Lexikon in einer Sonderedition.

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«YouTubeTours»: Die Kestnergesellschaft zeigt in Hannover nach eigenen Angaben die weltweit erste Ausstellung über YouTube als ästhetisches Phänomen. (Bild: dpa)

«Wir stellen Leibniz aus, der eine Wissenswelt für sich ist», schwärmte Bibliotheksdirektor Georg Ruppelt, den das ungewöhnliche Ausstellungsprojekt nach eigenen Worten «euphorisiert». Sagenhafte 200 000 beidseitig beschriebene Manuskriptblätter hinterließ der Philosoph, Mathematiker, Historiker und Fürstenberater Leibniz (1646-1716). Die UNESCO nahm sie als Gründungsdokumente der europäischen Moderne 2007 ins Welterbe auf. Als ein zentrales Dokument zeigt die Kestnergesellschaft Leibniz' Neujahrsbrief von 1697 an Herzog Rudolf August von Wolfenbüttel, in dem der Gelehrte sein binäres Zahlensystem erläutert.

Ohne den von Leibniz erfundenen binären Code gäbe es keine Computer, was wiederum gut zum Thema YouTube passt. Maximilian Engelmann, der zweite Kurator, bezeichnet die Website als «Trainingslager für neue Rezeptions- und Produktionsweisen». Jugendliche aus aller Welt trainierten hier ihren Umgang mit Wissen und der Welt.

Die Ausstellung sei ein Experiment mit ungewissem Ausgang, betonen die Macher. Was die Besucher an den Computer-Stationen anstellen und welche Erkenntnisse sie gewinnen, ist völlig offen. Um das Experiment theoretisch zu unterfüttern, gibt es eine umfassende Vortragsreihe mit internationalen Referenten - selbstverständlich werden alle Beiträge auch ins Internet gestellt.

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