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Ende des Sender-Suchlaufs: DAB+ im Auto

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Verrauschter Empfang ade
Mit DAB+ nicht mehr nötig: der Frequenzwechsel, um einen Sender klarer hören zu können. Verrauschter Empfang gehört mit dem Digitalradio der Vergangenheit an. (Bild: Remmers/dpa/tmn)

am 25.08.2011 | Von Kai Kolwitz, dpa

Rüsselsheim (dpa/tmn) - Der gerade gestartete digitale Übertragungsweg DAB+ verspricht Radioempfang ohne Rauschen - gerade im Auto. Doch nur wenige Hersteller bieten bisher Empfangsgeräte an. Und in modernen Fahrzeugen kann ein Austausch des Werksradios kompliziert werden.

Radio hören auf langen Autobahnstrecken, das bedeutet: Sender wechseln. Denn selten reicht eine UKW-Frequenz weiter als 100 Kilometer. Und auch, wenn moderne Radios automatisch nach alternativen Frequenzen suchen - irgendwann ist die Grenze des Empfangsbereichs eines Senders erreicht. Dann heißt es, einen neuen suchen.

Das könnte sich jetzt langsam ändern: Am 1. August ist in Deutschland der neue Sendestandard DAB+ gestartet. Die Übertragung erfolgt im UKW-Wellenbereich, allerdings digital statt analog. So passen mehrere Sender auf eine Frequenz, durch die zusätzlichen Kapazitäten können Programme bundesweit ausgestrahlt werden. Zum Start sind 14 Kanäle via DAB+ zu hören, hinzu kommen weitere regional unterschiedliche Angebote. Welche das sind, lässt sich im Internet unter nachsehen.

Weiterer Vorteil von DAB+: Durch die digitale Übertragung gehören verrauschte Sender der Vergangenheit an. Ist das Signal empfangbar, dann ist der Sound glasklar. Außerdem können Zusatzinformationen etwa über das Wetter oder die Verkehrslage auf das Autoradio übertragen werden.

Allerdings: Wird die Übertragung zu schlecht, dann bricht der Empfang einfach ab. Und dass das passiert, ist leider nicht so unwahrscheinlich: «Zurzeit werden nur 38 Prozent der Fläche in Deutschland sicher mit DAB+ versorgt», sagt Klaus Schunk, Verantwortlicher für den Bereich Radio beim Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT). «Ein durchgehender Empfang wird absehbar vor allem entlang der Autobahnen möglich sein, jenseits dessen gibt es erhebliche Versorgungslücken.»

Um das zu kompensieren, sind die DAB+-Empfänger auf dem Markt in aller Regel gleichzeitig konventionelle UKW-Radios, sogenannte Tandem-Empfänger. Verlässt der Fahrer mit seinem Wagen das Verbreitungsgebiet des digitalen Radios, kann das Gerät auf analogen Empfang umschalten. Doch viele der DAB+-Stationen sind per analogem UKW gar nicht oder nur in bestimmten Regionen zu empfangen.

Wer trotzdem den digitalen Standard für seinen Neuwagen bestellen will, ist bei der Fahrzeugwahl derzeit eingeschränkt. Denn bisher bieten nur wenige Hersteller, zum Beispiel Mercedes und BMW, DAB+-fähige Radios ab Werk an. Der VPRT hat dafür Aufpreise jenseits der 600 Euro beobachtet. Wer nachrüsten will, wird etwa bei JVC, Dual oder Kenwood fündig, die Preise liegen zwischen 130 und 200 Euro plus Einbau.

Allerdings sollten sich Radiohörer, die das Werksgerät ihres Autos ersetzen wollen, vorher genau erkundigen, wie aufwendig die Umrüstung ist und welche Konsequenzen sie hat. Denn gerade bei neueren Fahrzeugen ist es mit dem einfachen Austausch der Geräte oft nicht mehr getan. «Radios sind immer stärker in die Fahrzeugelektronik integriert», sagt Franz-Peter Bernhard, Projekt-Ingenieur für die Lautsprecher- und Soundsysteme europäischer Opel- und General-Motors-Fahrzeuge. «Sie generieren zum Beispiel Blinkgeräusche und andere Warntöne.»

Auch Freisprecheinrichtungen für Mobiltelefone oder Navigationssysteme sind bei neuen Autos oft eng mit dem Radio verbunden. Außerdem haben viele Hersteller den altbekannten DIN-Standard für die Einbaumaße zugunsten individueller Lösungen verlassen. «Der Klang ist zum Identifikationsmerkmal einer Marke geworden», sagt Bernhard.

Der Aufwand, der getrieben wird, um den Wagen zum Hifi-Vehikel zu machen, hat sich in den vergangenen Jahren stark vergrößert. So arbeitet das meistbestellte Soundsystem im Opel Astra mit sieben einzelnen Lautsprechern, für den Audi A1 hat Zulieferer Bose sogar ein System mit 14 Speakern konzipiert. «Unser Ansatz ist immer die möglichst naturgetreue Reproduktion der Musik. Und der Klang sollte trotz der komplizierten Verhältnisse im Innenraum auf allen Plätzen gleich gut sein», beschreibt Jens Groth, Marketing-Manager bei Bose. Nebeneffekt der ganzen Verfeinerung: Der Austausch eines Radios wird schnell zur größeren Operation.

Wer also auf DAB+ setzen will, der tut wohl gut daran, das schon bei der Bestellung eines neuen Autos zu berücksichtigen. Und generell sollten soundbewusste Gebrauchtwagenkäufer heute stärker als früher prüfen, ob das, was verbaut ist, ihren Ansprüchen genügt oder wie aufwendig der Einbau eines DAB+-fähige Radios wäre.

Aber was den digitalen Radioempfang angeht, gäbe es da für die Zukunft eventuell noch eine andere Option. Denn schon sind die ersten Lösungen für mobiles Internet im Auto verfügbar. Nicht unwahrscheinlich, dass das Radio der Zukunft via Internet ins Auto übertragen wird.

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