Netlife: Mercedes-Benz im „zweiten Leben“
Netlife: Mercedes-Benz im „zweiten Leben“
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am 17.02.2007 | von Alfred Krüger
Immer mehr große Unternehmen gründen Niederlassungen in der virtuellen Welt von Second Life. Nach Dell, Adidas und Amazon hat es auch Mercedes in die animierte 3D-Welt verschlagen. Am 20. Februar wird der Autokonzern dort eine eigene Repräsentanz eröffnen. Zur Eröffnung wird ein exklusives Live-Konzert mit Künstlern aus der von Mercedes gesponserten und zu Werbezwecken eingesetzten Mixed-Tape-Reihe veranstaltet – in der virtuellen Niederlassung des Konzerns. Derweil hat das „zweite Leben“ seinen ersten Beinahe-Börsencrash erlebt. Schuld war eine der vielen technischen Pannen, die im zweiten Leben immer wieder für den totalen Blackout sorgen.
3,6 Millionen Second-Life-Bewohner
Das Second-Life-Projekt wurde vor rund drei Jahren von der US-Firma Linden Lab aus der Taufe gehoben. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten verzeichnet die virtuelle Online-Welt derzeit ein rasantes Wachstum. Seit Oktober letzten Jahres hat sich die Zahl der eingeschriebenen Second-Life-Bewohner mehr als verdoppelt. Derzeit sind rund 3,6 Millionen Nutzer im Paralleluniversum unterwegs. Nicht alle bleiben nach ihrer Anmeldung aktiv. Je nach Tageszeit treffen sich in der schönen, bunten 3D-Welt des zweiten Lebens rund 20 bis 30.000 Nutzer.
Die Wirtschaft boomt
Second Life besitzt eine Währung, die frei konvertierbar ist. Betreiberfirma Linden Lab tauscht reale Dollar gegen Linden-Dollar ein. Das Umtauschverhältnis schwankt. Derzeit bekommt man für einen US-Dollar rund 265 Linden-Dollar. Der Rücktausch ist garantiert. Wer im zweiten Leben Kasse gemacht hat, kann sein Spielgeld in reale Dollar zurücktauschen – was die wenigsten Second-Life-Bewohner offenbar auch wirklich machen. Die meisten geben verdientes Geld gleich wieder aus oder investieren es in virtuelle Unternehmen. Von der Immobilienfirma über Möbel- und Bekleidungsfirmen bis hin zu Bars, Cafés und Restaurants ist so ziemlich jede Branche vertreten. Auch das Rotlichtmilieu macht offenbar gute Geschäfte.
Blackout bei der Börse
Zwei Börsen gibt es derzeit in der virtuellen Welt von Second Life. Die World Stock Exchange (WSE) wurde Mitte Januar eröffnet. Der Virtual Commerce Exchange (VCE) wurde erst kürzlich gegründet. Beide Börsen haben derzeit offenbar Anlaufschwierigkeiten. Die WSE musste kürzlich ihren Dienst einstellen. Technische Probleme seien die Ursache gewesen. Ein Schwarzer Freitag fand zwar nicht statt, doch die Börsianer des zweiten Lebens waren offenbar reichlich verunsichert. Denn sämtliche Kontoinformationen der Anleger schienen zunächst verschwunden. Die Probleme seien jetzt gelöst, versuchten die Börsenbetreiber ihre Kundschaft zu beruhigen. Die WSE blieb zwar auch weiterhin geschlossen. Die Kontodaten konnten aber nach Aussagen der Betreiber wiederhergestellt werden.
Mercedes-Benz zieht ins „zweite Leben“
Dass sich virtuelle und reale Wirtschaft nicht nur über die Währung miteinander verzahnen, zeigt die Tatsache, dass immer mehr reale Unternehmen der Offline-Welt in Second Life Filialen eröffnen. Auch Mercedes-Benz will nun in der virtuellen Welt aktiv werden. Bereits am 20. Februar soll Eröffnung der Second-Life-Filiale sein. „Die digitale Kommunikation hat sich als fester Bestandteil der Marketingaktivitäten von Mercedes-Benz etabliert“, sagt Olaf Göttgens von Mercedes-Benz. „Mit Second Life nutzen wir eine neue Kommunikationsform, um weiterhin konsequent auf unsere bestehenden und potentiellen Kunden zuzugehen.“ Dabei setze man sowohl optisch als auch inhaltlich neue Maßstäbe, kündigte Göttgens an. Autofans werden gespannt sein. Der Rest der Second-Life-Bewohner wird diese Ankündigung gleichmütig hinnehmen – zumal das zweite Leben völlig geruchsfrei abläuft. Staus wie im realen Leben, Smog und Autoabgase gibt es in der schönen neuen Welt (noch) nicht.
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