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Stalking bei StudiVZ

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Stalking bei StudiVZ IT-News-World.de 0 5 2

am 28.11.2006 | von Alfred Krüger

Communitys sind in – auch für Studenten. StudiVZ, der virtuelle Campus mit – nach Unternehmensangaben mittlerweile rund 200.000 Diskussionsgruppen – gehört dazu. Innerhalb eines Jahres ist das Studentenportal zur größten studentischen Community Europas geworden – offenbar zu schnell. Denn die Moral der Betreiber, der Datenschutz der Mitglieder und die Sicherheit der Plattform waren dem rapiden Wachstum des Webportals offenbar nicht gewachsen. Jetzt folgt ein StudiVZ-Skandal dem nächsten.

Systematisches „Gruscheln“
StudiVZ könnte eine prima Sache sein. Man lernt neue Leute kennen, kann sich mit Freunden und Kommilitonen austauschen, seine eigene Seite einrichten und sich ganz so wie bei MySpace & Co. fühlen. Denn natürlich leben diese Communitys immer von den gleichen Ideen. Nur manchmal unterscheiden sich die Angebote und Möglichkeiten, die ein solches Portal zu bieten hat, von anderen. Bei StudiVZ war es eine Männergruppe, die offenbar systematisch „gegruschelt“ hat.

Hallo sagen und flirten
„Gruscheln“ – das ist eine wenig originelle Wortschöpfung der Betreiber von StudiVZ. Sie klingt nach „kuscheln“, aber auch nach „grapschen“ – und bezeichnet die Kontaktaufnahme zwischen StudiVZ-Mitgliedern auf freiwilliger Ebene: Hallo sagen und ein wenig flirten – warum nicht? Neu ist diese Idee nicht. Aber auf StudiVZ wurde offenbar auch unfreiwillig gegruschelt.

Stalking
Mehr als siebenhundert männliche Mitglieder hatten sich auf StudiVZ zu einer Interessengruppe zusammengeschlossen, die sich in ihrer spätpubertären Not dem unfreiwilligen Gruscheln verschrieben hatte. Spielverderber, die ihr Hirn im Kopf haben, nennen das auch Stalking.



Miss StudiVZ
Ziel des virtuellen Herrenclubs war es, „besonders geile Schnitten“ aus dem umfangreichen StudiVZ-Katalog herauszusuchen und die Damen dann „gemeinschaftlich zu gruscheln“. In ihrem Forum versorgten sich die Not leidenden Herren mit Gruscheltipps und tauschten die Daten besonders hübscher Studentinnen auf StudiVZ aus. Die Bilder der Studentinnen wurden kopiert, in die Gruppenseiten eingestellt und ausführlich „kommentiert“. Anschließend wurde eine unfreiwillige Wahl zur „Miss StudiVZ“ des Monats veranstaltet. Der jeweiligen Siegerin wurde ein spontanes gemeinschaftliches Gruscheln angedroht – und offenbar zumindest in einem Fall auch durchgeführt.

Betreiber als Mitglieder
Natürlich gibt es immer und überall Spielverderber, die sich über solche „lustigen Herrenscherze“ beschweren und von den Betreibern Maßnahmen verlangen. So auch im Fall der sexuelle Not leidenden Männergruppe bei StudiVZ. Tatsächlich reagierten die Betreiber prompt. Sie schickten den Männergrüpplern eine Nachricht, ermahnten sie, ihre Gruppenbeschreibung weniger pornografisch zu verfassen und baten anschließend selbst um Aufnahme in diese Stalking-Gruppe.

Neuer Verhaltenscodex
„StudiVZ duldet kein Stalking“, erklärte ein Sprecher des Community-Portals gegenüber Spiegel online. Im Übrigen gehe man bei Hinweisen auf Missständen diesen auch nach. „Wir haben so schon viele Gruppen und Profile gelöscht.“ Grundsätzlich stehe das Studentenportal für Meinungsfreiheit und Kommunikation auf der Plattform, was aber nicht für Stalking missbraucht werden dürfe. Mittlerweile wird bei StudiVZ öffentlich über einen Verhaltenscodex für Mitglieder diskutiert. Ob es auch einen neuen Verhaltenscodex für die Betreiber und Mitarbeiter gibt, war nicht zu erfahren.

Warnung vor StudiVZ
Die „Gruschel-Gruppe“ ist nicht die einzige Ungereimtheit auf StudiVZ. Einer ihrer Betreiber besitzt die Domain „völkischer-boebachter.de“ und hat dort mit einem manipulierten Exemplar eben jener nationalsozialistischen Zeitung zu seinem Geburtstag eingeladen. Daneben wird von massiven Datenschutz- und Sicherheitsmängeln auf dieser Plattform berichtet. Mittlerweile ziehen auch viele Studenten ihre Konsequenzen. So warnt die Studentenvertretung der Berliner Humboldt-Universität in einer Pressemitteilung vor der Studentenplattform. Ihr Vorwurf: „Sexismus, entgleiste Rhetorik und gravierende Datenschutzmängel“.

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