Novells Appeasement-Politik
Novells Appeasement-Politik
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am 23.11.2006 | von Alfred Krüger
Die Aufregung um das Abkommen zwischen Novell und Microsoft hat sich längst noch nicht gelegt. Nachdem sich in der vergangenen Woche Novell-Chef Hovsepian und Microsoft-Boss Steve Ballmer mit jeweils offenen Briefen bzw. Weblogeinträgen an die Öffentlichkeit gewandt hatten, meldet sich nun Red-Hat-Chefjurist Mark Webbink zu Wort – mit geschickten Worten. Er vergleicht Hovsepians offenen Brief an die Open-Source-Gemeinde mit der Appeasement-Politik des ehemaligen britischen Premierministers Neville Chamberlain, der 1938 nach der Rückkehr von der Unterzeichnung des Münchener Abkommens überzeugt war, gegenüber Nazideutschland die richtige Politik gefahren zu haben: „I believe it’s peace in our time.“ – „Wir wissen alle, wie die Geschichte ausging“, sagt Webbink.
Es kracht im Gebälk
Der Pakt zwischen Microsoft und Novell hat in der Open-Source-Gemeinde für Aufregung gesorgt. Dabei geht es nur am Rande um die zwischen beiden Unternehmen vereinbarte Zusammenarbeit im Bereich der Interoperabilität. Es sind die Patentvereinbarungen, die der Open-Source-Bewegung mehr als sauer aufstoßen. Erst kürzlich hatte sich die Firma Samba zu Wort gemeldet und von einer Spaltung der Open-Source-Bewegung gesprochen. Die Patentvereinbarungen zwischen Microsoft und Novell besagen im Wesentlichen, dass Microsoft keine Novell-Kunden und Novell keine Microsoft-Kunden wegen möglicher Patentverletzungen verklagen werde.
Patente Patentvereinbarung
Für die Nutzung von Novell-Lizenzen zahlt Microsoft 108 Millionen US-Dollar an Novell. Novell zahlt je nach Umsatz mindestens 40 Millionen US-Dollar für die Nutzung von Microsoft-Lizenzen. Hintergrund ist der latente Konflikt, in dem Microsoft behauptet, Linux-Anwendungen würden Patente des Softwarekonzerns verletzten. Die Open-Source-Bewegung wittert Spaltung – und das ist wahrlich nicht aus der Luft gegriffen. Andere Linux-Distributionen, die nicht von Novell vertrieben werden, könnten jetzt ins Patentvisier von Microsoft geraten.
Novell hat seine Prinzipien aufgegeben
Nun also hat sich mit Mark Webbink ein Vertreter eben jener Unternehmen zu Wort gemeldet, die dem Microsoft-Novell-Pakt äußerst kritisch gegenüberstehen. Sein Vergleich mit der Appeasement-Politik (Beschwichtigungspolitik) des ehemaligen britischen Premierministers Chamberlain weist eindeutig darauf hin, für wie naiv er Novells Geschäftspolitik gegenüber Microsoft hält. Er will zwar keinen der Beteiligten mit einer historischen Figur vergleichen. Ihm kommt es nur auf die (falsche) politische Strategie der Beschwichtigung an. Und hier sehe es eben so aus, dass sich Novell auf Kosten der Open-Source-Gemeinde von Microsoft freigekauft und dabei seine Prinzipien aufgegeben habe. Microsoft habe nur jemanden gesucht, der sein riesiges Patentportfolio stillschweigend anerkenne – und in Novell gefunden.
Einer für alle
Der offene Schlagabtausch in der Open-Source-Gemeinde dürfte mit Webbinks Äußerungen noch längst nicht beendet sein. Gerade das Kernstück der Vereinbarungen zwischen Microsoft und Novell, die Patentvereinbarung, wird weiterhin aktuell bleiben. Eben Moglen, Jurist bei der Free Software Foundation hat mittlerweile angekündigt, die Free Software Foundation werde den aktuellen Entwurf der General Public Licence GPLv3 modifizieren. Demzufolge könnte die dritte Version einen Passus enthalten, nach dem ein Nichtangriffspakt wie der zwischen Microsoft und Novell automatisch für alle Unternehmen gelten würde, die unter der GPL arbeiten und sich auf neue Lizenzen einlassen. Umgekehrt würde auch eine von Microsoft angestrengte Patentklage automatisch alle Linux-Anbieter betreffen.
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