IT-News World - tägliche PC-, Internet- und IT-NewsIT-News World:   Home | Hier werben | Impressum |
 

 
 

Anzeige 
 
Startseite Aktuelles Berichte Tipps Spiele Surftipp Netzwelt News-Archiv
 
 
IT-News World » Netzwelt » Klagen, nichts als Klagen

Netzwelt

Klagen, nichts als Klagen

Bewertung:
Klagen, nichts als Klagen IT-News-World.de 0 5 1

am 17.10.2006 | von Alfred Krüger

Die deutsche Musikindustrie macht wieder mal mobil. Eltern haften als Anschlussinhaber für illegale Angebote ihrer Kinder in Tauschbörsen, heißt es in einer Presseerklärung, mit der die Deutsche Landesgruppe des internationalen Musikindustrieverbands IFPI das Tauschbörsenproblem und die „gnadenlose“ Haltung der Rechteinhaber erneut ins Licht der Öffentlichkeit hieven möchte – mit Recht. In den Medien war es in den letzten Monaten deutlich stiller geworden, wenn es um Tauschbörsen und Gerichtsverfahren gegen deren Nutzer ging. Das möchte die Musikindustrie nun gerne wieder ändern. Deshalb präsentiert sie in ihrer neuerlichen Presseerklärung ein paar „spektakuläre“ Einzelfälle und nennt Zahlen, die nicht überprüfbar sind.

„Niemand ist anonym“
Die Botschaft, die die Deutsche Landesgruppe der IFPI gern unters noch immer tauschwillige Volk bringen möchte, ist klar: „Niemand, der illegal anbietet, bleibt im Netz anonym.“ Die Rechteinhaber seien entschlossen, „sich mit den verfügbaren rechtlichen Mitteln zu wehren“, heißt es in der neuesten Presseerklärung der Musikindustrielobby. Mit eindrucksvollen Zahlen versucht der Verband, diese Botschaft zu untermauern. Seit Beginn der internationalen Kampagne gegen mutmaßliche Musiktauschbörsennutzer im März 2004 seien in Deutschland rund 11.500 Fälle von Urheberrechtsverletzungen zur Anzeige gebracht worden. Gern zählt die Deutsche Landesgruppe auch die Verfahren gegen eDonkey-Nutzer hinzu, 3.500 an der Zahl, die im Mai dieses Jahres eingeleitet wurden.

Zahlenspiele?
Belege für die genannten Fallzahlen präsentiert die Deutsche Sektion der IFPI nicht. Um so mehr erstaunt die Zahl von angeblich 11.500 Fällen von Urheberrechtsverletzungen. Noch im Mai dieses Jahres hatte Peter Zombik, Geschäftsführer der Deutschen Landesgruppe der IFPI, heise online zufolge ganz andere Zahlen genannt. Im Zusammenhang mit den Massenklagen gegen eDonkey-Nutzer erklärte Zombik, man habe bis Mai 2006 „insgesamt rund 4000 Strafanträge“ gegen Filesharer gestellt. Addiert man die eDonkey-Fälle hinzu, kommt man auf 7.500 Anzeigen. Folglich müssten bis heute noch einmal 4.000 Fälle aktenkundig gemacht worden sein, also etwa 1.000 Verfahren pro Monat – eine sehr unwahrscheinliche Zahl.



4.200.000 Euro für die Musikindustriellen
Von den angeblich 11.500 Fällen wurden laut IFPI bisher 1.400 Verfahren abgeschlossen. Dabei kam es offenbar in aller Regel zu einem Vergleich zwischen den Anwälten der Musikindustrie und den mutmaßlichen Tauschbörsennutzern. Die durchschnittliche Vergleichssumme soll 3.000 Euro betragen haben. In Einzelfällen habe man gar 15.000 Euro verlangt und auch bekommen, heißt es in der Presseerklärung. Die Rechteinhaber haben somit rund 4,2 Millionen Euro an Vergleichsgeldern einkassiert – eine stattliche Summe, die mit CD-Verkäufen erst einmal verdient sein will.

Noch 10.000 anhängige Verfahren?
Die übrigen Verfahren seien noch bei den Staatsanwaltschaften anhängig, erklärt die IFPI und wirft neue Fragen auf. Rund 10.000 derzeit bei den bundesdeutschen Staatsanwaltschaften noch anhängige Verfahren? Ein bisschen präziser hätte es der geneigte Leser dieser Presseerklärung nun aber doch schon gehabt. Keine Antwort gibt der Deutsche Landesverband zudem auf die Frage, wie viele Verfahren von deutschen Staatsanwaltschaften bisher wegen Geringfügigkeit eingestellt worden sind. Darüber schweigt sich der Musikindustrieverband aus. Denn eine solche Aussage würde Wasser auf die Mühlen derjenigen bedeuten, die sich beim zweiten Korb der Urheberrechtsnovelle für die Einführung einer Bagatellklausel stark machen.

Eltern haften für ihre Kinder
Natürlich präsentiert die Deutsche Landesgruppe der IFPI auch einige Einzelfälle, die sie für besonders spektakulär hält. Ein Oberbürgermeister sei als Filesharer „identifiziert“ worden. Er habe 3.500 Euro an die Rechteinhaber überweisen müssen. 10.000 Euro musste ein EDV-Techniker zahlen, der 2.843 Einzeltitel im Angebot hatte. Hinzu kam ein Strafbefehl über 90 Tagessätze zu 30 Euro. Auch eine norddeutsche Grundschule hat offenbar getauscht. Mehrere Hundert Titel sollen über Schulcomputer via Bearshare im Netz angeboten worden sein. Daneben habe man etliche Minderjährige überführen können, heißt es in der IFPI-Presseerklärung. Eltern haften als Anschlussinhaber für ihre Kinder, freut sich der Verband.

IT-News als RSS-Feed lesen

« vorheriger Artikel
Internet Explorer vs. Firefox
nächster Artikel »
Deutsche Unternehmen sparsam in Sachen Sicherheit

Weitere News aus Netzwelt

Kasperskys lange Leitung

25.06.2008 | Alfred Krüger | Anfang Juli schlug das Sicherheitsunternehmen Kaspersky Alarm. Die russischen Schadprogrammfahnder hatten gefährliche Trojaner in der freien Wildbahn des Internets aufgespürt: Ransomware - Schadprogramme, die Dateien im Opfer-PC verschlüsseln und ihre Opfer anschließend erpressen. Kaspersky rief daraufhin die Webgemeinde auf, bei der Entschlüsselung mitzuhelfen. Kritiker vermuteten einen PR-Gag. Und tatsächlich zeigt sich jetzt, dass es gar nicht nötig ist, den Schlüssel herauszufinden. Ein simples Recovery-Programm reicht aus, damit man wieder an die Daten kommt.  .  Weiter lesen ...

Piratenjäger und ihre Rechenkünste

16.05.2008 | von Alfred Krüger | Alle Jahre wieder legt die Business Software Alliance (BSA) ihren Pirateriebericht vor. Es geht um raubkopierte Software und die Schäden, die dadurch bei den Softwarefirmen entstehen. In Deutschland, so berichtet die BSA in ihrem jüngsten Pirateriebericht, ist der Anteil raubkopierter Software 2007 auf 27 Prozent zurückgegangen. Weltweit verzeichnet die BSA jedoch einen Anstieg um drei Prozent auf 38 Prozent. Die Zahlen werden vom US-Marktforschungsinstitut IDC ermittelt und sind mit Vorsicht zu genießen.  .  Weiter lesen ...

Mit Microsoft ins Universum

13.05.2008 | von Alfred Krüger | Vom Schreibtisch aus in ferne Galaxien? Microsoft macht’s möglich – mit WorldWide Telescope. Die Software erlaubt einen digitalen Blick durch verschiedene Weltraumteleskope in die unendlichen Weiten des Universums. Wer die technischen Möglichkeiten besitzt, kann sogar ein eigenes Teleskop über die neue Software aus dem Haus Microsoft fernsteuern. Die Daten, die WorldWide Telescope benutzt, stammen von verschiedenen Teleskopen auf der Erde und der Erdumlaufbahn. Wer WorldWide Telescope benutzen möchte, braucht allerdings einen in jeder Hinsicht überdurchschnittlich leistungsfähigen PC. Es gilt das Motto: Mehr ist immer besser.  .  Weiter lesen ...

Microsofts Yahoo-Deal vorerst geplatzt

04.05.2008 | von Alfred Krüger | Das Pokern um die Übernahme von Yahoo durch Microsoft ist vorerst vorbei. Microsoft hat sein Übernahmeangebot offiziell zurückgezogen. Yahoo wird dem Redmonder Softwarekonzern nicht einverleibt. Das gab Microsoft-Chef Steve Ballmer heute in einem Brief an Yahoo-Chef Jerry Chang bekannt. Zwischen beiden hatte es noch in den letzten Tagen Gespräche gegeben – aber offenbar in der Sache keine Annäherung. Obwohl Microsoft den Preis noch einmal um zwei Dollar pro Aktie von 31 auf 33 Dollar angehoben haben soll, zeigte Chang sich offenbar nicht willig. Analysten gehen nun davon aus, dass der Kurs der Yahoo-Aktie kräftig sinken wird.  .  Weiter lesen ...

PayPal-Zwang für schlechte Verkäufer

30.04.2008 | von Alfred Krüger | eBay rüstet auf in Sachen Sicherheit. Nicht nur in Australien, sondern nun auch in Deutschland gilt: In bestimmten Fällen müssen eBay-Verkäufer ihre finanziellen Transaktionen künftig über den Bezahldienst PayPal abwickeln. PayPal ist eine eBay-Tochter und bietet Käufern, die per PayPal zahlen, eine Absicherung bis zu 1000 Euro. Der PayPal-Zwang soll für Verkäufer eingeführt werden, die gewisse Mindestkriterien nicht erfüllen. In Australien wurde der PayPal-Zwang bereits vor rund drei Wochen angekündigt.  .  Weiter lesen ...

Weitere News aus dem Bereich Netzwelt »

 

Neue Gadgets aus Las Vegas / Die Würfel von Sifteo bieten Computerspiele zum Anfassen. Allerdings muss immer ein Computer in Funkreichweite sein. (Bild: Sifteo/dpa/tmn)
 
     
 

Anzeige