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Schlammschlacht um Windows Vista

am 20.09.2006 | von Alfred Krüger

Die Auseinandersetzungen zwischen der EU-Wettbewerbskommission und der US-Softwarefirma Microsoft um das neue Windows-Vista-Betriebssystem entwickeln sich immer mehr zu einer Schlammschlacht, die insbesondere von Microsoft betrieben wird. Es geht um die geplanten Vista-Sicherheitsfunktionen. In einem offenen Brief, den die Financial Times veröffentlichte, wehrt sich EU-Wettbewerbshüterin Neelie Kroes gegen Unterstellungen, ihre Behörde würde eine Fehde gegen Microsoft führen. Ihrer Meinung nach gebe es eine koordinierte Kampagne, um die EU-Wettbewerbshüter bewusst in ein schlechtes Licht zu rücken.

Vorwürfe gegen die EU-Wettbewerbshüter
In ihrem offenen Brief an die Financial Times findet Neelie Kroes harte Worte gegen Microsoft. Sie antwortet damit auf zahlreiche Vorwürfe, die zuletzt von Damir Tomicic vom Microsoft-Partner Axinom gegen die Kommission erhoben worden waren. Die EU-Wettbewerbsbehörde bewege sich fernab der wirtschaftlichen Realität, hatte Tomicic behauptet, und schade mit ihrer Kampagne gegen Microsoft vor allem kleineren und mittleren europäischen Unternehmen. Diese versprächen sich von Windows Vista erhebliche Verbesserungen in Sachen Sicherheit. Die pauschalen Bedenken der EU-Kommission, die sich gegen das in Vista integrierte Sicherheitscenter richten, würden Windows Vista jedoch unsicherer machen, sollte Microsoft gezwungen sein, das Sicherheitscenter für europäische Vista-Nutzer zu entfernen. Außerdem hatte Tomicic der Kommission vorgeworfen, dass die wettbewerbsrechtlichen EU-Bedenken viel zu pauschal seien und Microsoft keine Richtschnur an die Hand geben würden.



Neelie Kroes wehrt sich
Neelie Kroes mag solche Vorwürfe nicht gelten lassen. Ihre Behörde führe gegen den US-amerikanischen Softwarekonzern keine Fehde, schreibt sie in ihrem offenen Brief. Man wolle nur von vornherein verhindern, dass ein so marktbeherrschendes Unternehmen wie Microsoft ein Produkt auf den Markt bringe, das den europäischen Wettbewerb einschränken könnte. Diese Bedenken habe sie im Übrigen Microsoft-Chef Steve Ballmer bereits persönlich mitgeteilt. Neu dürften diese Vorbehalte den Redmonder Konzernstrategen also nicht sein.

50.000 neue Arbeitsplätze
In einer Studie, die Microsoft Mitte September veröffentlicht hatte, wird behauptet, Windows Vista schaffe allein in Europa 50.000 neue Arbeitsplätze. Der Vista-Start dürfe deshalb nicht verzögert werden. Auch dieses Argument mochte Kroes nicht gelten lassen. Zu einer Belebung des Arbeitsmarktes komme es – wenn überhaupt – dann allenfalls dadurch, dass andere Unternehmen mit ihrer Software gegen Microsoft antreten könnten und wegen der geplanten Softwarebündelung nicht von vornherein chancenlos wären.

Sicherheitsbranche fordert Änderungen
Die Sicherheitsindustrie wird solche Argumente gerne hören, wettert sie doch unisono schon seit Längerem gegen die in Windows Vista integrierten neuen Sicherheitsfunktionen. Symantec, McAfee und andere Sicherheitsunternehmen haben sich längst an Microsoft gewandt und fordern Änderungen im geplanten Sicherheitskonzept. Das Vista-Sicherheitscenter soll so überarbeitet werden, dass es auch für den unbedarften Anwender problemlos durch andere Schutzsoftware zu ersetzen ist.

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