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Anonym im Netz: Geo-Sperren & Co. austricksen

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Spuren im Internet wirksam verwischen
Durch den Tunnel ins Netz: Wer über eine sogenannte VPN-Verbindung surft, kann seine Herkunft verschleiern. (Foto: Andrea Warnecke)

am 18.01.2012 | Von Christoph Dernbach, dpa

Berlin (dpa/tmn) - Wer im Netz surft, hinterlässt eine breite Datenspur. Die Infos werden von Diensten wie YouTube ausgenutzt, um Inhalte nur in bestimmten Regionen anzubieten. Eine Geo-Sperre ist noch leicht auszutricksen. Echte Anonymität ist nicht so schnell zu haben.

«Leider ist dieses Video in Deutschland nicht verfügbar.» Viele YouTube-Anwender kennen diese Fehlermeldung und ärgern sich, dass sie ein Webvideo hierzulande nicht anschauen können, nur weil sich Google und die Verwertungsgesellschaft Gema noch nicht über eine Vergütung der Musikrechte geeinigt haben. Auch Audio-Streamingdienste wie Pandora und Spotify werden geblockt, wenn das System erkennt, dass die Abfrage von einer Internet-Adresse (IP-Adresse) aus Deutschland kommt.

Um Länderbegrenzungen bei Video-Portalen zu umgehen, kursieren im Netz viele Tricks, wie man die eigentliche Herkunft einer Daten-Abfrage verschleiern kann. Mit der Anonymisierung der eigenen Adresse begehen die Anwender keinen Rechtsbruch. «Für die Nutzer hat der Einsatz von Proxys zur Umgehung von Geo-Sperren keine Relevanz», sagt der IT- und Medienrechtler Thorsten Feldmann von der Berliner Kanzlei JBB Rechtsanwälte. In Deutschland könnten sich die Bürger dabei unter anderem auf eine Wertung im Telemediengesetz (TMG) berufen. Dort heißt es in Paragraph 13, Absatz 6: «Der Diensteanbieter hat die Nutzung von Telemedien und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist.»

Eine Methode zur Verschleierung der Herkunft im Netz sind öffentlich zugängliche Proxy-Server. Für die Übertrag von Video-Streams sind diese Server häufig nicht ausgelegt, weil die Verbindung über die Proxy-Server zu langsam ist. Zum Umgehen der Ländersperre bei YouTube reichen die Proxy-Lösungen aber zumeist aus. Dafür können Nutzer des Browsers Firefox eine Erweiterung wie das Plugin «» installieren.

Als verlässlichere Alternative preisen sich kommerzielle VPN-Anbieter an. VPN steht für «Virtual Private Network» und beschreibt ein Verfahren, wie man im offenen Internet Daten durch einen verschlüsselten Tunnel transportieren kann. Ein VPN hilft dabei, beim Surfen im Netz oder dem Herunterladen von Dateien die eigene IP-Adresse zu verschleiern.

«Wenn man die Medien-Angebote von kommerziellen US-Portalen wie hulu.com oder Pandora nutzen möchte, muss man einen VPN-Anbieter auswählen, der in den USA beheimatet ist oder zumindest dort einen Server betreibt, damit die IP-Adresse US-amerikanisch bleibt», sagt Fachredakteur Lars Sobiraj vom Portal gulli.com.

Die Szene der VPN-Anbieter ist ziemlich unübersichtlich. «Auf diesem Markt findet man mit Leichtigkeit Listen mit rund 140 verschiedenen Anbietern», sagt Johannes Endres, Redakteur der Fachzeitschrift «c't». «Die kosten aber alle Geld - und die Anwender sollten sich gut überlegen, wer von diesen Anbietern vertrauenswürdig ist.»

Das heiße allerdings nicht, dass die User mit einem VPN tatsächlich anonym im Netz unterwegs sind, sagt Endres.

So könnten User über sogenannte Cookies aus der Anonymität geholt werden. Will man im Netz tatsächlich unerkannt unterwegs sein, muss man mehr Aufwand betreiben. Endres empfiehlt die Lösungen und das Tor-Netzwerk.

Tor und JonDonym etablieren zur Verschleierung des Internetverkehrs Kaskaden von Proxy-Servern und leiten den Webtraffic über mehrere «Nodes». Bei dem von der US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) geförderten verstecken sich die Anwender nicht nur hinter mehreren Proxy-Servern, sondern auch in der Masse der anderen Tor-Anwender.

JonDonym ging aus dem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekt «Java Anon Proxy» (JAP) hervor, das an der Technischen Universität Dresden und der Universität Regensburg entwickelt wurde. Nach dem Ende der staatlichen Förderung 2006 haben einige Mitarbeiter das Projekt als Unternehmen, die JonDo GmbH, ausgegründet. Eine kostenfreie Variante drosselt die Durchsatzgeschwindigkeit auf 50 Kilobit pro Sekunde und bietet nur zwei Nodes.

Die Preise der Premium-Accounts richten sich nach dem Transfervolumen. So erhält man für 30 Euro vier Monate lang monatlich ein Datenvolumen von 1,5 Gigabyte. «Bei JonDonym bekommt man zusammen mit dem Firefox-Profil JonDoFox ein besonders einfach einzurichtendes und zu nutzendes System in deutscher Sprache», lautet das Fazit von c't-Experte Endres. Allerdings bezahle der Nutzer nicht nur den Preis für das JonDonym-Abo, sondern auch mit einer deutlichen Verlangsamung beim Aufruf von Webseiten.

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