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Kostenloser Gitarrenunterricht im Netz

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Klampfen wie ein Rockstar
Günstiger als Musikunterricht: Im Netz finden sich zahlreiche Videos und Tutorials für angehende Gitarristen. (Bild: Warnecke/dpa/tmn)

am 07.09.2011 | Von Thomas Schörner, dpa

Münster/Bonn (dpa/tmn) - Die Gitarre ist gestimmt und der Computer ist hochgefahren - mehr braucht es nicht für eine Gitarrenstunde. Wer in die Fußstapfen großer Gitarrenstars treten möchte, muss nicht mehr den Gang zum Unterricht antreten.

Ob klassische Gitarre, Akustik- oder E-Gitarre - im Internet finden Gitarrenneulinge und Fortgeschrittene den «Gitarrenlehrer 2.0»: Websites, Videokanäle oder Foren bieten eine nahezu unüberschaubare Auswahl an Lehrangeboten - oft sogar komplett umsonst. Mit wenigen Suchbegriffen wie «Gitarrenkurs» «Gitarre lernen » oder «Gitarre kostenlos» lassen sich via Google schnell Anbieter von Gitarrenstunden im Netz finden.

Allerdings sind nicht alle Angebote für lau: «Es gibt auf der einen Seite Anbieter, die mit kostenlosen Lockangeboten Werbung für Bezahlangebote wie Abos für Fortgeschrittenenkurse machen», erklärt Carsten Finkenberg, professioneller Gitarrenlehrer aus Münster.

Doch viele Lehrangebote präsentieren sich ohne kommerziellen Hintergedanken, so der langjährige Gitarrenlehrer: «Auf der anderen Seite gibt es auch viele Musiker, die einfach ihr Wissen teilen möchten.» Ob ein Anfänger, der gerade vier Akkorde spielen kann, oder ein Vollprofi, der Heavy-Metal-Soli erklärt: Auf den Youtube-Videos sitzen die Musiker meist unprätentiös - und manchmal etwas steif - mit ihrer Gitarre vor der Webcam. Hier geht es allein um die Musik: Idealistisch erklären die Onlinelehrer dem Zuschauer langsam und detailliert Akkorde, Techniken oder bestimmte Songs. Nahaufnahmen der Hände zeigen dabei oft, welche Töne genau gespielt werden.

Auf Youtube bieten unter anderem die Gitarristen und deutschsprachige Kanäle mit zahlreichen Lehrvideos an. Während Mertens in seinen Videos neben einzelnen Songs vor allem verschiedene Spielweisen wie Boogie Woogie oder spanischen Flamenco dem Zuschauer näher bringt, führt Noack absolute Anfänger durch einen ausführlichen vielteiligen Kurs.

Wer des Englischen mächtig ist, findet bei über 450 Onlinelektionen. Vom Anfänger- und Fortgeschrittenenkurs über Skalen, verschiedene Stilrichtungen bis hin zum Songschreiben bietet der Londoner Gitarrist Justin Sandercoe einen unerschöpflichen Fundus an . Fortgeschrittenen stellt der Gypsy-Jazz-Gitarrist Tim Robinson aus Großbritannien inklusive Notenmaterial und Playbacks gratis zur Verfügung.

Zum Nachspielen besonders von populäreren englischsprachigen Songs finden sich auf Youtube zahlreiche Erklärvideos: einfach «how to play» und den gewünschten Titel eingeben, schon kann der Spielwillige einen entsprechender Clip studieren. Zu nahezu allen bekannteren Titeln finden Nachwuchsgitarristen im Netz Griffschriften, sogenannte Tabulaturen, die andere Gitarristen erstellt und hochgeladen haben. Wer einen bestimmten Tab finden möchte, der kombiniert in der Suchmaschine den Begriff «tab» mit dem Liednamen und dem Interpreten - schon gibt es zahlreiche Websites, die das Gewünschte bereitstellen.

Jedoch ist bei der Nutzung solcher Tabseiten aufgrund des Urheberrechts durchaus Vorsicht geboten: «Die Anzeige von Gitarren-Tabulaturen aus dem Internet auf dem Bildschirm ist nicht abmahnbar», erklärt Prof. Dr. Thomas Hoeren vom Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht an der Universität Münster. «Wer allerdings Tabulaturen von einer nicht-öffentlichen rechtswidrigen Quelle runterlädt, speichert und zum Beispiel per Peer-to-peer weiterverbreitet, macht sich strafbar.»

Wenn beim Nachspielen die Songs nicht wirklich wie das Original klingen, liegt es manchmal gar nicht an den eigenen musikalischen Fähigkeiten: «Infos auf Tabseiten oder Videos sind oft fehlerhaft», sagt der erfahrene Gitarrenlehrer Finkenberg. Auch die Klangqualität bei den Lehrvideos lasse oft zu wünschen übrig.

Den klassischen Gitarrenlehrer werden Internetkurse wohl nicht ersetzen können: «Sobald es über die Vermittlung elementarer Griff- und Spieltechniken hinausgeht und es um das Musizieren geht, ist eine direkte, unmittelbare Kommunikation zwischen Schüler und Lehrkraft erforderlich», betont der Verband deutscher Musikschulen (VdM) in Bonn. «Auch noch so ausgefeilte interaktive Unterrichtsbaukästen im Netz können die methodische und didaktische Kompetenz der Lehrkraft nicht ersetzen». Der einseitigen Lernsituation fehlt das Feedback, mit dem Fehler im Spiel frühzeitig korrigiert und die persönliche Kreativität gefördert werden könnte.

«Auch für Gitarrenlehrer können diese Lernangebote eine Inspirationsquelle und Hilfe sein, sich weiterzubilden - sei es auf der Suche nach neuen angesagten Songs, nach neuen Spieltechniken oder Stilistiken», betont Gitarrist Finkenberg. Ob der Lehrer nun direkt im Raum sitzt oder nur auf dem Bildschirm erscheint - für jeden Schüler gilt am Ende immer noch: Übung macht den Meister. Wie auch schon AC/DC sangen: It's a long way to the top if you wanna Rock'n' Roll.

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