IT-News World - tägliche PC-, Internet- und IT-NewsIT-News World:   Home | Hier werben | Impressum |
 

 
 

Anzeige 
 
Startseite Aktuelles Berichte Tipps Spiele Surftipp Netzwelt News-Archiv
 
 
IT-News World » Netzwelt » Netlife: ‚Unlesbarer Mist’ bei Wikipedia?

Netzwelt

Netlife: ‚Unlesbarer Mist’ bei Wikipedia?

Bewertung:
Netlife: ‚Unlesbarer Mist’ bei Wikipedia? IT-News-World.de 3 5 2

am 19.10.2005 | von Alfred Krüger

Kritik an Wikipedia war bislang verpönt – zumindest, wenn sie von außen kam und das Wikipedia-Prinzip der kollaborativen Erstellung und Qualitätskontrolle des Online-Lexikons in Frage stellte. Die eingefleischten Wikipedianer witterten sofort Verrat und schotteten sich gegenüber Kritik zuweilen im Stile einer Sekte ab. Jimmy Wales, Wikipedia-Mitbegründer und erster Geldgeber für dieses Projekt, hat nun offenbar eine (leichte) Kehrtwende vollzogen. Wikipedia habe nicht immer die Qualität, die man von einem Lexikon erwarten könne. Auslöser war ein Artikel, in dem der preisgekrönte Business- und IT-Fachautor Nicholas Carr an zwei willkürlich herausgegriffenen Wikipedia-Artikeln harsche Kritik geübt hat. Es ging um die Schauspielerin Jane Fonda – und um Bill Gates.

Das Nachschlagewerk nur ein „Vorschlagewerk“?
Die PR-Maschine läuft auf Hochtouren. Berichte über Wikipedia gibt es überall. Kein Tag vergeht, an dem nicht in den Medien über dieses Online-Lexikon berichtet wird. Ob es sich um den 300.000. Lexikoneintrag handelt oder ob es um einen von den Wikipedia-Machern veranstalteten Schreibwettbewerb geht, das Thema Wikipedia ist in, und der Tenor der Berichte ist in den allermeisten Fällen positiv. Kritik, wenn sie denn überhaupt je auftaucht, wird nur sehr vorsichtig geübt und geht unter all den Lobeshymnen meistens unter. So erregte ein Artikel auf bildungsclick.de zwar kurzzeitig die Gemüter, weil er Wikipedia als nicht verlässliches „Vorschlagewerk“ abqualifizierte, an dem jeder mitarbeiten und deshalb auch Inhalte nach seinem Gusto verfälschen könne. Jeder Artikel sei deshalb nur eine Momentaufnahme, seine Inhalte könnten sich morgen schon wieder geändert haben. Die „Aufregung“ dauerte nur wenige Tage – „offizielle“ Stellungnahmen gab es dazu nicht.

Theoretisch gut – praktisch unbrauchbar
Bei der jetzt von Nicholas Carr geübten vernichtenden Kritik ist alles etwas anders. Wikipedia-Mitbegründer Jimmy Wales höchstpersönlich hat sich zu Wort gemeldet – und, was noch erstaunlicher ist, er gab Carr Recht. Carr hatte in einem Weblog-Eintrag kaum ein gutes Haar an Wikipedia gelassen. Theoretisch sei die Wikipedia ja eine gute Sache, hatte Carr erklärt. Praktisch aber sei das Online-Lexikon nicht zu gebrauchen. Es sei zwar nützlich, und Carr selbst schlage oft bei Wikipedia nach, um sich über ein Thema grob zu informieren. Wenn es aber um Fakten gehe, dann könne man sich auf Wikipedia-Artikel keinesfalls verlassen. Darüber hinaus hatte Carr auch den Stil kritisiert, in dem die beiden Artikel geschrieben waren. Alles in allem sei Wikipedia als verlässliche Quelle nicht zu empfehlen, brachte Carr seine Kritik auf den Punkt.



Was Sie über Bill Gates und Jane Fonda nie wissen
wollten Carrs Kritik basierte im Wesentlichen auf zwei Wikipedia-Artikeln der englischen Ausgabe über nicht ganz unbedeutende Personen der Zeitgeschichte: die US-Schauspielerin Jane Fonda und den Microsoft-Gründer Bill Gates. Beide Artikel, die mittlerweile von den Wikipedia-Machern als dringend „überarbeitungsbedürftig“ eingestuft werden, wurden von Carr ausführlich zitiert und am Ende mit dem Satz kommentiert, sie seien schlechter als schlecht und symptomatisch für viele andere Wikipedia-Artikel. Ein Lexikon dürfe nicht an seinen guten Einträgen, sondern müsse an seinen schlechten Artikeln gemessen werden. Denn gerade die bestimmen letztlich die Verlässlichkeit. Carr hat Recht – zumindest bei den beiden zitierten Wikipedia-Beiträgen. Wer sich den irrelevanten Blödsinn durchliest, der beispielsweise über Jane Fonda verzapft wurde, muss sich tatsächlich fragen, warum sich ein solcher Unfug überhaupt so lange als Lexikonartikel halten konnte. Entsprechendes gilt für den hanebüchenen Gates-Artikel.

Kollaborativ zur Wahrheit
Wikipedia-Mitbegründer Jimmy Wales ist offenbar ähnlicher Meinung – zumindest bei den beiden von Carr zitierten Artikel. Sie seien „schrecklich peinlich“ und „nahezu unlesbarer Mist“, erklärte Wales. „Warum? Was können wir tun?“ Mit diesem Statement scheint Wales eine Kehrtwende vollzogen zu haben. Bisher schmetterten Wikipedianer fast gebetsmühlenartig jede Kritik stets mit dem Argument ab, wer einen schlechten Artikel finde, könne ihn ja verbessern. Außerdem spiegele jeder Artikel immer nur einen bestimmten Wissensstand wieder und könne deshalb nicht perfekt sein. Das Prinzip der kollaborativen Bearbeitung der Artikel führe aber schließlich doch irgendwann zum sachlich richtigen Artikel. Mit jeder Änderung nähere man sich tendenziell der „Wahrheit“ an.

Ein Hauch von Selbstkritik
Bei den von Carr kritisierten Artikeln scheint das Prinzip nicht funktioniert zu haben. Beide Artikel standen schon länger bei Wikipedia im Netz, und beide beziehen sich auf prominente Personen. Würde das Prinzip der Wikipedia-Wahrheitssuche tatsächlich funktionieren, hätten die beiden Artikel also keine Chance haben dürfen. Wales sieht das wohl ähnlich. Er hätte kein Problem gehabt, schreibt er, wenn es beispielsweise um einen Dichter des 13. Jahrhunderts gegangen wäre. Aber die Artikel über Gates und Fonda seien wichtige Artikel und nicht neu. Deren miserable Qualität ist aber trotzdem bisher keinem Wikipedianer aufgefallen.

IT-News als RSS-Feed lesen

« vorheriger Artikel
Bagatellklausel für Raubkopien?
nächster Artikel »
Mit Gottvertrauen durchs Netz

Weitere News aus Netzwelt

Kasperskys lange Leitung

25.06.2008 | Alfred Krüger | Anfang Juli schlug das Sicherheitsunternehmen Kaspersky Alarm. Die russischen Schadprogrammfahnder hatten gefährliche Trojaner in der freien Wildbahn des Internets aufgespürt: Ransomware - Schadprogramme, die Dateien im Opfer-PC verschlüsseln und ihre Opfer anschließend erpressen. Kaspersky rief daraufhin die Webgemeinde auf, bei der Entschlüsselung mitzuhelfen. Kritiker vermuteten einen PR-Gag. Und tatsächlich zeigt sich jetzt, dass es gar nicht nötig ist, den Schlüssel herauszufinden. Ein simples Recovery-Programm reicht aus, damit man wieder an die Daten kommt.  .  Weiter lesen ...

Piratenjäger und ihre Rechenkünste

16.05.2008 | von Alfred Krüger | Alle Jahre wieder legt die Business Software Alliance (BSA) ihren Pirateriebericht vor. Es geht um raubkopierte Software und die Schäden, die dadurch bei den Softwarefirmen entstehen. In Deutschland, so berichtet die BSA in ihrem jüngsten Pirateriebericht, ist der Anteil raubkopierter Software 2007 auf 27 Prozent zurückgegangen. Weltweit verzeichnet die BSA jedoch einen Anstieg um drei Prozent auf 38 Prozent. Die Zahlen werden vom US-Marktforschungsinstitut IDC ermittelt und sind mit Vorsicht zu genießen.  .  Weiter lesen ...

Mit Microsoft ins Universum

13.05.2008 | von Alfred Krüger | Vom Schreibtisch aus in ferne Galaxien? Microsoft macht’s möglich – mit WorldWide Telescope. Die Software erlaubt einen digitalen Blick durch verschiedene Weltraumteleskope in die unendlichen Weiten des Universums. Wer die technischen Möglichkeiten besitzt, kann sogar ein eigenes Teleskop über die neue Software aus dem Haus Microsoft fernsteuern. Die Daten, die WorldWide Telescope benutzt, stammen von verschiedenen Teleskopen auf der Erde und der Erdumlaufbahn. Wer WorldWide Telescope benutzen möchte, braucht allerdings einen in jeder Hinsicht überdurchschnittlich leistungsfähigen PC. Es gilt das Motto: Mehr ist immer besser.  .  Weiter lesen ...

Microsofts Yahoo-Deal vorerst geplatzt

04.05.2008 | von Alfred Krüger | Das Pokern um die Übernahme von Yahoo durch Microsoft ist vorerst vorbei. Microsoft hat sein Übernahmeangebot offiziell zurückgezogen. Yahoo wird dem Redmonder Softwarekonzern nicht einverleibt. Das gab Microsoft-Chef Steve Ballmer heute in einem Brief an Yahoo-Chef Jerry Chang bekannt. Zwischen beiden hatte es noch in den letzten Tagen Gespräche gegeben – aber offenbar in der Sache keine Annäherung. Obwohl Microsoft den Preis noch einmal um zwei Dollar pro Aktie von 31 auf 33 Dollar angehoben haben soll, zeigte Chang sich offenbar nicht willig. Analysten gehen nun davon aus, dass der Kurs der Yahoo-Aktie kräftig sinken wird.  .  Weiter lesen ...

PayPal-Zwang für schlechte Verkäufer

30.04.2008 | von Alfred Krüger | eBay rüstet auf in Sachen Sicherheit. Nicht nur in Australien, sondern nun auch in Deutschland gilt: In bestimmten Fällen müssen eBay-Verkäufer ihre finanziellen Transaktionen künftig über den Bezahldienst PayPal abwickeln. PayPal ist eine eBay-Tochter und bietet Käufern, die per PayPal zahlen, eine Absicherung bis zu 1000 Euro. Der PayPal-Zwang soll für Verkäufer eingeführt werden, die gewisse Mindestkriterien nicht erfüllen. In Australien wurde der PayPal-Zwang bereits vor rund drei Wochen angekündigt.  .  Weiter lesen ...

Weitere News aus dem Bereich Netzwelt »

 

Sport-Communitys / Auf der Suche nach Trainingspartnern oder einem neuen Klub: Sport-Communitys im Internet können dabei hilfreich sein. (Bild: Schierenbeck/dpa/tmn)
 
     
 

Anzeige