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Schulhof und Stammtisch: Die deutschen Online-Netzwerke

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Viele Funktionen der VZ-Netzwerke ähneln denen von Facebook - etwa der Buschfunk, über den Nutzer Statusmeldungen absetzen können. (Bild: Koark/dpa/tmn)

am 29.06.2011 | Von Thomas Schörner, dpa

Berlin (dpa/tmn) - Sie machen das Internet zum Audimax, schwelgen in Nostalgie oder laden zum virtuellen Kaffeekränzchen ein: Deutsche soziale Netzwerke wollen kein zweites Facebook sein. Sie suchen ihr Glück eher in den Nischen.

Einen Facebook-Account hat jeder zweite Deutsche. Trotzdem müssen sich die Plattformen deutscher Abstammung nicht vor dem Netzwerkriesen verstecken: Laut einer Studie des IT-Branchenverbandes Bitkom sind bei , und , und jeweils rund ein Viertel der deutschen Internetnutzer aktiv. Das Erfolgsrezept: Die Ansprache von Mitgliedern nach Lebenslage, Interessen oder Region.

Mit insgesamt 12,6 Millionen Besuchern im April 2011 sind die kostenlosen VZ-Netzwerke der Verlagsgruppe Holtzbrinck laut Google Ad Planner der größte Anbieter aus dem deutschsprachigen Raum. Die VZ-Netzwerke zählen 17,3 Millionen Profile, erklärt eine Sprecherin der VZ-Gruppe. Vier von zehn (40 Prozent) loggten sich einmal pro Tag ein, zwei Drittel (65 Prozent) immerhin einmal pro Woche. Kernzielgruppe sind 10- bis 29-Jährige.

«Es geht weniger um oberflächliche Status-Updates, sondern um einen relevanten Austausch unter echten Freunden und Menschen mit den gleichen Interessen», betont die VZ-Sprecherin. Abzulesen sei dies auch an der Beliebtheit der Gruppenfunktion: Mehr als neun Millionen Gruppen gebe es derzeit in den Netzwerken, bei denen das Kürzel VZ bei der Gründung 2005 ursprünglich für Verzeichnis stand. Im SchuelerVZ lösen die Mitglieder zusammen Hausaufgaben, im StudiVZ richten Studenten Lerngruppen ein, und in MeinVZ halten Berufsanfänger alte Kontakte warm. Der Wechsel zu einem Schwesternetzwerk funktioniert ohne Neuanmeldung, mit wenigen Klicks sind alle Daten überführt.

WKW
Viele Funktionen der VZ-Netzwerke ähneln denen von Facebook - etwa der Buschfunk, über den Nutzer Statusmeldungen absetzen können. (Bild: Koark/dpa/tmn)

Kommunizieren, spielen, Standort melden - viele VZ-Features ähneln denen von Facebook. Im «Buschfunk» postet der Nutzer Kurznachrichten oder Fotos, der «Plauderkasten» ermöglicht Chatten und Internettelefonie. Ebenso lassen sich Fotos und Videos hochladen. Mit Apps und Games kann sich der User die Zeit vertreiben.

Der Datenschutz bei den VZ-Netzwerken ist vom TÜV Süd geprüft. Suchmaschinen spucken als Ergebnis keine VZ-Profile aus. Dem Nutzer bleibt überlassen, was er mit wem teilen möchte. Über die Weitergabe von Daten an Drittanbieter, zum Beispiel von Apps, entscheidet der User ebenfalls. Keine Chance sollen Mobber haben. «VZ löscht bei jedem Hinweis konsequent beleidigende Inhalte als auch Nutzerprofile, die solche Inhalte verursacht haben», so die Sprecherin.

Das Wer-kennt-wen-Netzwerk verzeichnet laut Google monatlich 7,5 Millionen Besucher. In der Ausrichtung ist die Community eher offen. «Wer-kennt-wen.de hat - anders als andere soziale Netzwerke - keine bestimmte Zielgruppe definiert», betont Geschäftsführerin Eva-Maria Bauch. Die Seite richte sich auch an Einwohner außerhalb von Ballungsräumen. Mit Gruppen, die sich nach Regionen und Interessen zusammenfinden, ist die Commmunity binnen fünf Jahren auf mehr als 9,3 Millionen Mitglieder angewachsen.

Bei Wer-kennt-wen sollen sich alle vom Otto-Normal-Nutzer bis zum Silver Surfer treffen: Kaffeeklatsch und Stammtisch finden ihr digitales Pendant. «Wer-kennt-wen.de ist einfach und intuitiv zu bedienen, und das Seitenlayout richtet den Fokus bewusst auf die wesentlichen Funktionen, so dass sich auch Internetneulinge schnell darin zurechtfinden», erklärt Geschäftsführerin Bauch. Auf Online-Spiele und Apps werde bewusst verzichtet. Nachrichten, Gästebucheinträge und Foren müssen als Kernfeatures genügen.

In seiner Datenschutzerklärung gibt Wer-kennt-wen an, Mitgliederdaten nicht ohne Einverständnis für Werbezwecke an Dritte weiterzugeben. Suchmaschinen können Nutzerprofile nicht finden. Leben müssen die Mitglieder mit Werbung, die auf Wunsch personalisiert wird. «Der Nutzer kann in seinen Privatsphäre-Einstellungen auswählen, ob er regionale Werbung und Werbung, die zu ihm passt, ausgespielt haben möchte», sagt Bauch.

Der ehemalige Sitznachbar aus der Grundschule oder die frühere Sandkastenfreundin - StayFriends ist ein Netzwerk, das in Erinnerungen schwelgt. «StayFriends will einen Ort bieten, an dem die Nutzer alte Freunde wiederfinden und Erinnerungen von früher teilen können», erklärt Sprecher Daniel Haidn. Zielgruppe sind dabei vor allem Menschen über 30. Schon bei der Registrierung wird über Klassenverbände die Verbindung zu alten Mitschülern hergestellt.

Den nostalgischen Aspekt unterstreichen Funktionen wie das gemeinsame Benennen von früheren Mitschülern auf Klassenfotos oder der Austausch von Erinnerungen - ein wenig ist das wie Klassentreffen. Im eigenen Profil lassen sich wichtige Lebensstationen dokumentieren. In der Basisversion sind aber nicht alle Funktionen freigeschaltet. Erst gegen eine Jahresgebühr ist das Betrachten von Fotos und das Senden von Nachrichten uneingeschränkt möglich. StayFriends gibt Nutzerdaten nach eigenen Angaben nicht an Dritte weiter. Die Angaben zu Alter und Geschlecht werden nur intern anonymisiert genutzt, um zielgruppenspezifische Werbung anzuzeigen.

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