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BerichteBild und Ton ohne Kabel: Vernetzung per Streaming
![]() Mit dem «Fidelio SoundSphere» setzt Philips auf Apples «AirPlay»-Standard. Über die drahtlose Verbindung können die bauchigen Designer-Boxen Musik direkt vom iPhone wiedergeben. (Bild: Philips/dpa/tmn) am 20.04.2011 | Von Christoph Dernbach, dpa Berlin (dpa/tmn) - Kabelsalat im Wohnzimmer ist lästig. Und doch waren die Strippen bisher meist unverzichtbar. Jetzt versprechen neue Systeme mit Funkübertragung eine kabellose Freiheit. Wie so oft gibt es auch hier mehr als einen Standard. «Full HD», «HDMI», «Dolby 7.1». Auf neuen Fernsehern und Hifi-Anlagen in den Läden pappen oft so viele Aufkleber mit mehr oder weniger kryptischen Abkürzungen, dass man leicht den Überblick verlieren kann. In jüngster Zeit findet man auch immer öfter die Logos «DLNA» und «AirPlay» auf den Geräten, die den Anwendern ein möglichst unkompliziertes Streaming von Audio- und Videodateien ermöglichen sollen. In der Digital Living Network Alliance (DLNA) hat sich eine ganze Reihe von Herstellern aus der Unterhaltungselektronik-Branche und der Computerindustrie zusammengeschlossen. Dazu gehören unter anderen Cisco, Hewlett-Packard, Microsoft, Motorola, Nokia, Panasonic, Philips, Samsung, Sharp, Sony und Toshiba. «AirPlay» wurde von Apple entwickelt und wird nun an Hersteller wie Bowers & Wilkins, JBL, Klipsch, Philips oder Pioneer lizenziert. Standards wie DLNA und AirPlay sollen die Verkabelung zwischen einem Musikplayer wie dem iPod und der Stereoanlage oder den Lautsprechern überflüssig machen, da die Musikdaten in CD-Qualität übertragen werden können. Aber nicht nur die drahtlose Übertragung von Audiostreams ist möglich: Künftig werden beispielsweise auch viele Videokameras in der Lage sein, die aufgenommen Filme drahtlos an den Fernseher zu übertragen. Seit Apple seine Settop-Box Apple TV neu aufgelegt hat, übernimmt das kleine Gerät die Funktion einer zentralen Verteilstation im Wohnzimmer. Über die Mini-Box können Filme, Songs oder Fotos von iPad, iPhone oder iPod touch (oder auch vom Computer via iTunes) kabellos auf dem Fernseher oder der Audio-Anlage abgespielt werden. Doch mittlerweile tauchen auch Geräte ohne Apfel-Logo im Handel auf, die AirPlay unterstützen. ![]() Mit dem «Fidelio SoundSphere» setzt Philips auf Apples «AirPlay»-Standard. Über die drahtlose Verbindung können die bauchigen Designer-Boxen Musik direkt vom iPhone wiedergeben. (Bild: Philips/dpa/tmn) So stellte beispielsweise der Lautsprecher-Spezialist Bowers & Wilkins auf der Cebit sein Docking-Flaggschiff «Zeppelin» mit AirPlay-Unterstützung vor. Philips kündigte an, seine Docklautsprecher-Reihe «Fidelio» in Kürze um ein Modell zu erweitern, das ebenfalls Apples Streaming-Technik unterstützt. Aktuell wird darüber spekuliert, ob Apple seine AirPlay-Technologie auch für Video-Übertragungen lizenziert. Damit würde die externe Apple-TV-Box überflüssig und im Fernseher verschwinden. Offener als AirPlay ist der DLNA-Standard. «Er definiert einen kleinsten gemeinsamen Nenner an Audio- und Video-Formaten, um die reibungslose Zusammenarbeit aller Streaming-Komponenten zu garantieren», erläutert Sven Hansen, Redakteur der Fachzeitschrift «c't». Technisch gesehen setzt DLNA auf die Spezifikation «Universal Plug and Play Audio/Video» (UPnP AV) auf, die zumindest mit den drei Kernformaten MPEG-2 für Video, LPCM für Audio und JPEG für Fotos umgehen kann. Die Gremien, die DLNA definieren, sind allerdings auf den ersten Blick nicht ganz auf der Höhe der Zeit. «Viele Anwender sind ja schon mit HD-Videos unterwegs, was sich in der Mindestdefinition von DLNA noch nicht widerspiegelt», sagt Hansen. Allerdings heißt es in der Branche auch, dass die Hürde für Mindestanforderungen bewusst tiefer gelegt wird, um mehr Spielraum in den Lizenzverhandlungen zu haben. Die meisten Geräte beherrschen die aktuellen Formate wie AAC oder H.264, auch wenn dies nicht von der Mindestspezifikation verlangt wird. Die Abstimmung auf die verschiedenen Videocodes ist bei DLNA unter Umständen etwas fummeliger als in dem bedienerfreundlichen Apple-Universum. Allerdings könnte man dann sogar Full-HD-Videos (1080p) anschauen, während AirPlay derzeit auf 720p beschränkt ist. Bei AirPlay werden die Inhalte in der Regel vom iPad, iPhone oder iPod touch auf den Fernseher oder die Audioanlage «gepusht» (geschoben). Hier nimmt also das Mobilgerät die Rolle des Servers ein. Beim dem DLNA-Szenario übernehmen dagegen häufig ein PC oder ein Netzwerk-Speicher die Rolle des Servers, von dem sich dann Fernseher oder Stereoanlage die Inhalte «pullen» (ziehen). Bei beiden Verfahren brauchen sich die Anwender über die Ton- und Bildqualität keine Sorgen zu machen. «Mit einem Audiostream via AirPlay kann man auch eine Tonqualität erreichen, die besser als eine CD klingt», sagt Bernhard Grill, Leiter der Audio-Abteilung am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen. Wichtiger als die Audioformate sei die Qualität der Lautsprecher und die Raumakustik. Bei größeren Musiksammlungen empfiehlt «c't»-Experte Hansen auch einen Blick auf spezielle Audiolösungen, wie sie von Sonos, Raumfeld, Logitec (Squeezebox) oder Philips mit der Streamium-Produktfamilie angeboten werden. «Sie unterstützen zusätzliche Audioformate wie Ogg Vorbis oder FLAC, stellen Metainformationen sauber dar und bieten einen bequemeren Zugriff auf die Mediensammlung.»
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