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BerichteAufräumen im Computer: Wie viel Ordnung muss sein?
![]() Wenn der PC immer langsamer läuft, sollte er entstaubt und von Datenmüll befreit werden - natürlich nur bildlich gesprochen. (Bild: Warnecke/dpa/tmn) am 19.04.2011 | Von Tobias Hanraths, dpa München (dpa/tmn) - Frisch gekauft läuft der Rechner noch geschmeidig - doch mit der Zeit häufen sich seltsame Fehlermeldungen und unidentifizierbare Symbole in der Task-Leiste. Wenn der Rechner parallel auch noch immer langsamer wird, ist es Zeit für den Frühjahrsputz. «Jeder normal genutzte Computer produziert automatisch eine gewisse Menge an Datenmüll», sagt Harald Görl. Regelmäßige Aufräumaktionen hält der Professor für Betriebssysteme und Rechnerarchitektur an der Bundeswehr-Universität in München aber für überflüssig: «Das muss nur dann sein, wenn es wirklich spürbare Tempoeinbußen gibt.» Passieren könne das vor allem, wenn häufig Software installiert, ausprobiert und wieder entfernt wird. Denn viele Programme hinterlassen auch nach der Deinstallation Spuren. Der meiste Datenmüll findet sich in der Registrierungsdatei von Windows. In dieser Datenbank werden Informationen über alle installierten Anwendungen gespeichert. Viele Programme «vergessen» bei der Deinstallation aber, den Registrierungseintrag zu entfernen. Damit wächst die Datenbank immer mehr und das Betriebssystem braucht immer länger, um einen bestimmten Eintrag zu finden. «Das können sie mit einem Telefonbuch vergleichen», sagt Görl. «Je dicker das ist, desto länger dauert das Durchblättern.» Abhilfe bei zugemüllten Registrierungsdateien schaffen kostenlos erhältliche Programme wie , oder . Sie durchsuchen die Registrierung automatisch nach nicht mehr benötigten Einträgen und löschen den Datenmüll. Linux- und Apple-Nutzer hätten es in diesem Fall übrigens nicht besser, erklärt Görl: «Reste entfernter Programme gibt es auch bei Linux oder MacOS. Wegen der fehlenden Registrierungsdatenbank wird das Aufräumen hier teilweise sogar noch schwieriger.» Unsauber programmierte Deinstallationen können unter Windows noch ein anderes Problem verursachen: «Manche Programme löschen bei der Deinstallation auch Bibliotheken, die andere Programme eigentlich noch brauchen», erklärt Joachim Geiler, Studiendekan der Fachgruppe Informatik an der Hochschule Mittweida. Bibliotheken sind Dateien mit Informationen, auf die mehrere Programme zugreifen müssen. Werden sie versehentlich gelöscht, funktionieren Anwendungen ganz oder teilweise nicht mehr. Beheben lässt sich dieses Problem meistens durch eine Neuinstallation des betroffenen Programms. Das ganze Betriebssystem neu zu installieren, halten die Experten nur in Ausnahmefällen für nötig. «Das muss eigentlich nur bei wirklich schwerwiegenden Sicherheitsproblemen sein», sagt Harald Görl - also dann, wenn etwa mehrere Dateien von hartnäckigen Viren verseucht sind. Allerdings sollten Nutzer dann auch darauf achten, dass die befallenen Dateien wirklich lückenlos entfernt werden und die Neuinstallation von einem «sauberen» Medium kommt. «Ansonsten können sie sich die Mühe auch schenken», sagt Görl. Die beste Empfehlung für mehr Tempo: Festplatte aufräumen! «Mindestens zehn Prozent der Kapazität einer Festplatte sollten immer frei sein», sagt Joachim Geiler. Ansonsten seien Daten gezwungen, sich aufzuteilen. Dadurch entstehen weit verteilte, fragmentierte Daten, auf die der Rechner nur langsam zugreifen kann. Die Windows-Defragmentierung ordnet die Daten wieder optimal. Wer aber keine ständig randvolle Festplatte hat, muss auch nicht regelmäßig defragmentieren, findet Görl. «Früher war eine regelmäßige Defragmentierung wichtig. Moderne Dateisysteme wie FAT32 legen Dateien eigentlich von sich aus intelligent an, da muss der Nutzer nicht nachhelfen.» Ausnahme seien Nutzer, die oft mit besonders großen Dateien arbeiten, zum Beispiel bei der Videobearbeitung. Eine aufgeräumte Festplatte ist allerdings nicht nur für die Geschwindigkeit des Computer wichtig, sondern auch für entspanntes Arbeiten. «Es geht auch darum, wichtige Dateien im Zweifel schnell wiederfinden zu können», erläutert Jörg Schieb, Autor des Ratgebers «PC konkret - Rechner beschleunigen und aufräumen». Deshalb hält er regelmäßiges Aufräumen, etwa alle drei Monate, durchaus für sinnvoll. Wer diese Aufräumarbeit scheut, kann sie auch speziellen Programmen überlassen. «Vor allem Laien fahren mit solchen Anwendungen vielleicht besser», sagt Schieb. Anwendungen wie «TuneUp Utilities», «Twin 7 2.0» von Data Becker oder «PC Check & Tuning 2011» von Magix kosten zwischen 30 und 40 Euro und bieten gleich eine ganze Reihe von Funktionen. Neben der Festplatte durchsuchen sie auch die Registrierung und die Autostart-Dateien nach Datenmüll. Auf Wunsch laufen die elektronischen Putzkolonnen permanent im Hintergrund und bekämpfen Datenmüll direkt nach der Entstehung. Schieb, Jörg/Müller, Mirko/Coenen, Daniel: PC konkret - Rechner beschleunigen und aufräumen, Stiftung Warentest, ISBN-13: 978-3868512007, 144 Seiten, 12,90 Euro
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