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Spielgefährte: Nintendo greift mit 3D-Konsole an

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Nintendo 3DS
Die neue Nintendo-Spielekonsole liefert dreidimensionale Bilder ohne Brille. (Bild: Nintendo)

am 19.01.2011 | Von Christof Kerkmann, dpa

Amsterdam (dpa) ­ Eine Spielkonsole haben viele Menschen heute immer dabei: das Smartphone. Das tut Videospiel-Herstellern wie Nintendo weh. Mit der mobilen Konsole 3DS, die dreidimensionale Bilder ohne Brille liefert, wollen die Japaner den Abwärtstrend stoppen.

Seit dem Gameboy ist der Name Nintendo ein Synonym für die Spielekonsole im Taschenformat, für digitale Unterhaltung im Zug oder auf der Auto-Rückbank. Doch die mobilen Konsolen der Japaner haben allgegenwärtige Konkurrenz bekommen. Smartphones geben passable Spielgefährten ab ­ und sind ohnehin immer dabei. Nintendo wehrt sich jetzt, indem es die neue Generation seiner mobilen Konsolen aufrüstet. Die 3DS hat einen 3D-Bildschirm, für den Spieler keine spezielle Brille benötigen.

Nintendo hatte mehrere Jahre lang phänomenalen Erfolg als Spiele-Anbieter für Nicht- oder Wenig-Spieler. Den bewegungsempfindlichen Controller der Wii-Konsole schwingen gerne auch Kinder, Frauen und Senioren ­ Zielgruppen, die viele in der Branche lange vernachlässigten. Die mobile Konsole DS lockt ebenfalls viele Gelegenheitsspieler, sie jagen «Super Mario» im Kart über die Rennstrecke oder versorgen die virtuellen Haustiere «Nintendogs».

Doch diese Strategie hat zwei Schwächen. Zum einen kaufen die Wenig-Spieler auch wenig Software. Zum anderen haben die mittlerweile in die Jahre gekommenen DS-Modelle viel Konkurrenz: Erzrivale Sony hat mit seiner Playstation Portable eine ähnliche Käufergruppe im Blick. Und Smartphones bieten ein Spielerlebnis, das vielen als Häppchen für Zwischendurch ausreicht. Zumal immer mehr Nutzer ein Multimedia-Handy haben und die Spiele günstig oder gar kostenlos sind.

Mit der 3DS geht Nintendo beide Probleme an. Einen 3D-Bildschirm, der ohne spezielle Brille einen räumlichen Eindruck erzeugt ­ so etwas haben selbst die Super-Smartphones nicht. Gleichzeitig ist das Gerät so rechenstark, dass auch aufwendige Spiele darauf laufen. So ermöglicht die 3DS ein neues Spielerlebnis. Damit umwirbt das Unternehmen wieder eine Zielgruppe, die es über Jahre weitgehend ignorierte: Kleine und große Jungs, die gerne und viel spielen. Dafür stehen Titel wie «Metal Gear Solid» oder «Final Fantasy», die beide treue Fangemeinden haben. Ein weiterer Pluspunkt: Die neue Generation ist abwärtskompatibel und spielt auch Titel für DS und DSi ab ­ wenn auch nicht in 3D.

Glaubt man Branchenexperten, stehen die Chancen des neuen Taschen-Nintendo gut. Viele, die das Gerät bereits in die Hand bekommen haben, schwärmen. Das deutsche Videospielmagazin GEE schrieb, der 3D-Effekt erfasse den ganzen Körper: «Man möchte in die Welt hinter dem Bildschirm hineingreifen.» Erstmals fühle es sich so an, als sei das auch möglich. Bobby Kotick, Chef des Spielekonzerns Activision Blizzard, sagte gar, die 3DS könne ein «Game changer» werden ­ also ein Gerät, das die Regeln des Marktes verändert.

Auch die Software-Hersteller glauben offenbar an einen Erfolg in 3D. Monate vor dem Start kündigten sie mehr als 50 Titel für so ziemlich alle Zielgruppen an, darunter Adaptionen großer Erfolge wie «Mario Kart», «Metal Gear Solid» oder «Final Fantasy». Zudem plant Nintendo Allianzen mit Hollywood-Studios, um deren Animationsfilme in 3D auch auf die Konsole zu holen. Mit der Vielfalt wachsen die Chancen für einen Kickstart deutlich.

Einen Haken hat die 3D-Begeisterung der Elektronikbranche: Nicht jeder Zuschauer und Spieler verträgt die visuelle Täuschung, die dem Tiefeneffekt zugrunde liegt. Nintendo empfiehlt die Konsole nicht für Kinder unter sechs Jahren ­ aus reiner Vorsicht, wie man betont. Bei Vorab-Präsentationen berichteten auch einige wenige Erwachsene von Schwindelgefühlen. Für den Erfolg der 3DS ist wichtig, dass es bei Einzelfällen bleibt. Sonst wird auch Nintendo schwindelig.

Infos

Wie funktioniert 3D? Damit zweidimensionale Bilder auf der Kinoleinwand oder Mattscheibe eine Tiefenwirkung erhalten, braucht es einen Trick: Die beiden Augen sehen jeweils ein anderes, räumlich versetztes Bild - wie im wirklichen Leben. So entsteht der 3D- Eindruck. Es gibt unterschiedliche Verfahren, um dreidimensionale Bilder zu erschaffen. Die meisten Fernsehhersteller setzen auf das Shutter-Verfahren. Dabei erscheinen auf dem Bildschirm abwechselnd die Bilder für das linke und das rechte Auge. Eine sogenannte Shutter-Brille schließt jeweils ein Glas, so dass jedes Auge die richtigen Bilder erhält. Als Nachteil dieses Verfahrens gelten die Brillen: Sie sind teuer, schwer und müssen regelmäßig aufgeladen werden. Bei der mobilen Konsole Nintendo 3DS soll der räumliche Eindruck ohne Brille entstehen. Die Trennung der Bilder für beide Augen geschieht bereits im Gerät: Ein feines Raster auf dem Display streut das Licht in einem geringfügig veränderten Winkel. Das heißt allerdings auch: Wer sich mit dem Gesicht zu weit von der Bildmitte wegbewegt, sieht nicht mehr in 3D.
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