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Todesstreifen interaktiv: Spiel will Geschichte vermitteln

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Computerspiel «1378 (km)»
Grenzsoldat oder Republikflüchtling: Das Computerspiel «1378 (km)» widmet sich der ehemaligen 1378 Kilometer langen Grenze quer durch Deutschland und ihren Anlagen. (Bild: dpa)

am 28.09.2010

Karlsruhe (dpa) - Grenzsoldat oder Republikflüchtling? Wer das an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung entwickelte Game «1378 (km)» spielen will, hat die Wahl. Das interaktive 3D-Spiel widmet sich der 1378 Kilometer langen ehemaligen Grenze quer durch Deutschland.

Kurz vor dem 20. Jahrestag der Deutschen Einheit stellte Entwickler und HfG-Student Jens M. Stober das Spiel am Dienstag (28. September) vor. Auf neue Art und Weise solle das Interesse der jungen Generation «zur Auseinandersetzung mit der jüngsten deutschen Geschichte» geweckt werden, sagte Stober. «Über ein Computerspiel kann man Jugendliche besser erreichen.»

Der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Axel Klausmeier, nannte die Herangehensweise des Spieles «geschmacklos» und «ungeeignet» für die Vermittlung dieser historischen Tatsachen. «Die Ernsthaftigkeit dessen, was sich damals an der Grenze abspielte, kann man so nicht darstellen.» Er könne es im Namen von Maueropfern und ihren Angehörigen nicht gutheißen, dass in dem Spiel Menschen «abgeballert» würden.

Der Spieler in dem interaktiven Geschehen wird an verschiedene Abschnitte der innerdeutschen Grenzabschnitte im Jahr 1976 versetzt und kann dort wahlweise seine Flucht aus der DDR nachspielen oder sich als Grenzsoldat auf die Jagd nach Republikflüchtlingen machen. Das Spiel versucht möglichst präzise, die damalige Situation und geschichtliche Wirklichkeit zu rekonstruieren.

Zu den Spielsituationen gehören Verhaftung und Gefängnis für den Flüchtling, Auszeichnungen für die Grenzsoldaten, oder aber - wenn der Grenzer zu oft schießt und Flüchtlinge tötet - auch Mauerschützenprozesse im Jahr 2000. Durch ein Punktesystem werden politische und soziale Aspekte berücksichtigt. Gibt es zu viele Tote an der Grenze, steigt der politische Druck auf die DDR, und die Punkte auf dem Konto der Grenzsoldaten verringern sich. Verschont er den Flüchtling, sammelt er Punkte.

Das Spiel gehört zu den sogenannten Serious Games mit einem ernsthaften Vermittlungsanspruch. Sie sollen nicht nur Zeitvertreib bieten und Spaß machen, sondern auch Wissen oder Lernstoff vermitteln und an ernste Themen heranführen. «1378 (km)» soll am kommenden Sonntag, dem Tag der Deutschen Einheit, veröffentlicht werden.

Der 1986 geborene Stober studiert seit 2007 an der HfG Karlsruhe Medienkunst mit Computerspielen als Schwerpunkt. Er hat auch das Spiel «Frontiers - An der Grenze Europas» mitentwickelt, das nach ähnlichen Kriterien aufgebaut ist. Dort können Spieler entweder als Flüchtling oder als Grenzwache dramatische Situationen entlang der Fluchtrouten Europas erleben. «Frontiers» wie auch das neue «1378 (km)» werden als Online-Spiel kostenlos angeboten.

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