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«Krieg und Frieden» auf dem E-Book-Reader

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E-Book-Reader
Das iPad zeigt Buchseiten gestochen scharf und in Farbe an. Der LCD-Bildschirm kann bei längerem Lesen allerdings ermüdend wirken. (Bild: Apple/dpa/tmn)

am 21.09.2010 | Von Peter Zschunke, dpa

Berlin (dpa/tmn) - Lesegeräte für digitale Bücher werden bislang nur von einer Minderheit genutzt. Jetzt führt das iPad den E-Books neue Lesergruppen zu. Zusätzliche Impulse erhofft sich die Branche von der Frankfurter Buchmesse (6. bis 10. Oktober).

Alle Jahre wieder wird vor der Frankfurter Buchmesse das Ende des gedruckten Buchs prophezeit. Diesmal hat das der amerikanische Informatik-Professor Nicholas Negroponte übernommen: In fünf Jahren werde es Vergangenheit sein, sagte er auf der Hightech-Konferenz Techonomy in den USA.

Das ist reichlich gewagt. Allerdings sprechen die Zahlen des Online-Händlers Amazon eine deutliche Sprache: Der Shop hat im zweiten Quartal in den USA 43 Prozent mehr E-Books für sein elektronisches Lesegerät Kindle verkauft als gedruckte Bücher mit festem Einband (Hardcover). Bis Sommer 2011 erwartet Amazon-Chef Jeff Bezos, dass E-Books auch die Taschenbücher überholen werden.

Dabei ist der seit knapp einem Jahr auch in Deutschland verfügbare Kindle nur eines von vielen Geräten, die für das Lesen der digitalen Bücher angeboten werden. Weitere E-Book-Reader wurden auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin präsentiert. Die Internationale Buchmesse in Frankfurt rückt vom 6. bis 10. Oktober nun auch den digitalen Lesestoff in den Blickpunkt.

«Bislang sind E-Books hierzulande noch ein Nischenprodukt, eine Ergänzung zum gedruckten Buch», sagt Christina Knecht vom Carl Hanser Verlag in München und fügt hinzu: «Wie das Hörbuch.» Nur wenige Titel hätten es bisher auf vierstellige Absatzzahlen gebracht, darunter Werke der Autoren Henning Mankell und Daniel Glattauer. Das iPad werde weniger als E-Book-Gerät gekauft, sondern eher als Laptop-Ersatz. «Das schönste, was ich dazu sagen kann, hat bereits Umberto Eco gesagt: Er könne sich nicht vorstellen, 'Krieg und Frieden' als E-Book zu lesen.»

E-Book-Reader
Das iPad zeigt Buchseiten gestochen scharf und in Farbe an. Der LCD-Bildschirm kann bei längerem Lesen allerdings ermüdend wirken. (Bild: Apple/dpa/tmn)

Bisher haben die flachen Lesegeräte mit einem E-Ink-Bildschirm das Marktsegment dominiert. Diese Technik der «elektronischen Tinte» verbraucht wenig Strom und zeigt Texte sehr lesefreundlich auf dem Bildschirm an - bislang allerdings nicht in Farbe. Beim Umblättern der Seiten kommt es zu einem kurzen Flackern. Die elektrisch geladenen Teilchen müssen für das geänderte Schriftbild neu sortiert werden. Und wenn ein E-Ink-Display zusätzlich mit einem Touchscreen ausgestattet wird, leidet darunter die kontrastreiche Darstellung.

Das iPad als Lesegerät zeigt die Buchseiten farbig und gestochen scharf an. Der mit Leuchtdioden (LED) ausgestattete LCD-Bildschirm kann bei längerem Lesen allerdings ermüdend wirken und hat einen höheren Strombedarf als ein E-Ink-Display.

«Das iPad hat den Markt der E-Book-Reader ganz neu aufgerollt», sagt Fabian Heinrich vom E-Book-Unternehmen txtr aus Berlin. «Es ist aus unserer Sicht nicht das ideale Lesegerät, hat das E-Reading aber sehr viel bekannter gemacht.»

Der schon lange angekündigte txtr-Reader, ein Gerät mit E-Ink-Display und Mobilfunkanbindung, soll bis Ende des Jahres auf den Markt kommen. Das Startup hat inzwischen sein Geschäftsmodell verändert und legt mehr Gewicht auf seine Online-Plattform, wo man mit einer Vielzahl von Geräten E-Books erwerben kann.

Die meisten Verlage aber sind bislang noch recht zurückhaltend, wenn es darum geht, ins E-Book-Geschäft einzusteigen. Sie haben Angst, dass bei Büchern eine ähnliche Entwicklung einsetzen könnte wie in der Musikbranche - mit MP3 als einem frei kopierbaren Format und dem iTunes Store von Apple, der die Preise bestimmt.

Digitale Bücher werden anders als Songs in der Regel mit Kopierschutz verkauft. In Deutschland kommt dafür meist das EPUB-Format in Verbindung mit einer DRM-Technik von Adobe zum Einsatz - dieses «Digital Rights Management» versieht das E-Book mit einer Nutzerkennung, der Adobe ID. Danach kann das Buch auf maximal sechs Geräte geladen werden.

«Das EPUB-Format ist definitiv das Maß aller Dinge», sagt txtr-Sprecher Heinrich. Es wird von der iPad-Anwendung iBooks ebenso genutzt wie von den Sony-Readern mit E-Ink-Display. Auch für kostenlose Bücher ohne Kopierschutz wird das EPUB-Format verwendet, etwa vom Gutenberg-Projekt. Das bietet Bücher an, deren Urheberschutz abgelaufen ist - dort kann man auch Tolstois «Krieg und Frieden» in der englischen Übersetzung herunterladen. Nur der Kindle geht einen eigenen Weg mit dem kopiergeschützten Format AZW - um diese E-Books zu lesen, benötigt man entweder den Kindle oder eine entsprechende Lese-Software von Amazon.

Für die Verbraucher wäre eine Entwicklung wie in der Musikbranche durchaus attraktiv. Und auch in der Branche selbst gehen einige offen mit dieser Perspektive um. «Ein Kopierschutz hat nur Nachteile, das Übertragen auf zusätzliche Geräte, der Austausch - einfach umständlich und ärgerlich», sagt der Buchhändler und Blogger Bernd Sommerfeld von der Fachbuchhandlung Lehmanns in Berlin.

Längerfristig gibt auch das txtr-Projekt dem DRM-Knebel für Bücher keine Chance. «Wir setzen auf ein digitales Wasserzeichen», sagt Sprecher Heinrich. Damit wird angezeigt, wer ein E-Book gekauft hat und rechtmäßig besitzt - ganz so wie das jahrhundertealte Exlibris-Zeichen in gedruckten Büchern.

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