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Von Angesicht zu Angesicht: Videotelefonie verbindet

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Videotelefonie
Nichts für den Hausgebrauch: Teure Telepräsenzsysteme vermitteln den Gesprächspartnern den Eindruck, sich am selben Tisch gegenüber zu sitzen. (Bild: Polycom/dpa/tmn)

am 03.08.2010 | Von Nadine Hantke, dpa

Hannover (dpa/tmn) - Videokonferenzen schonen die Umwelt und das Reisebudget. Der Unterschied zwischen Gratis-Lösungen und professionellen Systemen ist groß - ein Überblick, was für welchen Zweck sinnvoll ist.

Die Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull brachte den europäischen Flugverkehr im April tagelang zum Erliegen. Nicht nur viele Urlauber blieben an ihrem Ferienort sitzen, auch unzählige private und geschäftliche Treffen platzten. In dieser Situation nutzten viele Privatleute Videotelefonie, Unternehmen beriefen Videokonferenzen ein. Deren Qualität hat sich in den vergangenen Jahren stark verbessert - nicht zuletzt dank schnellerer Internetverbindungen, die die bewegten Bilder ohne Verzögerung übertragen.

Für gelegentliche Konferenzen, Besprechungen in Kleingruppen oder für die private Kommunikation mit Ton und Bild sind kostenlose Messenger die beste Alternative - vor allem, wenn viele Kontakte das gleiche Programm bereits installiert haben. Dienste wie Skype, Windows Live-Messenger, Apple iChat oder Yahoo-Messenger verbinden zwei Rechner miteinander.

Mit iChat für Mac OS-Betriebssysteme können sogar mehrere Gesprächspartner konferieren. Auch Skype rüstet auf. Die neueste Beta-Version 5.0 erlaubt Videofonie mit bis zu fünf Teilnehmern. «Diese Version läuft bisher allerdings recht instabil», urteilt André Kramer, Redakteur bei der in Hannover erscheinenden Computer-Fachzeitschrift «c't».

Bei der Videofonie per Messenger müssen die Gesprächspartner dasselbe Programm benutzen. Bei professionellen Systemen sollten Käufer auf Kompatibilität zum Standard «H323» achten. «Das garantiert, dass die Geräte verschiedener Hersteller untereinander kommunizieren können», erklärt Christian Meyer vom Kompetenzzentrum für Videokonferenzdienste (VCC) der Technischen Universität Dresden.

Videokonferenz-Software zum Nulltarif haben auch Anbieter wie Bravis mit Galaxy4Free, Daviko mit PlaceCam oder Vivicom mit V2cfree im Angebot. Rein browserbasiert sind beispielsweise Connectnow von Adobe oder Mebeam. Um eine akzeptable Bild- und Klangqualität zu erreichen, genügen im privaten Bereich in der Regel einfache Webcams und Mikrofone.

Größere Unternehmen, aber auch Mittelständler nutzen Videokonferenzen längst, um Reisekosten zu senken. «Ein professionelles System lohnt sich dann, wenn man verteilte Arbeitsgruppen oder internationale Partner hat», sagt André Kramer. Sobald mehrere Personen gleichzeitig oder an großen Bildschirmen konferieren wollen, reichten Messenger nicht mehr aus.

«Auch wenn es um die Übermittlung von vertraulichen Inhalten geht, sollten die Konferenzen über einen eigenen Server und nicht einen Hoster wie Skype laufen», rät Kramer. Professionelle Videokonferenz-Systeme haben jedoch ihren Preis. Kleinere Anlagen beginnen bei 2000 Euro, Raumsysteme mit zoomfähigen Full-HD-Kameras und Mikrofonen von Anbietern wie Tandberg, Polycom oder Lifesize kosten 20 000 bis 50 000 Euro.

Diese Preisgrenze lässt sich noch sprengen, wenn ein sogenanntes Telepräsenzsystem installiert wird. Hier sitzt man quasi am virtuell verlängerten Konferenztisch und sieht seine Gesprächspartner in Lebensgröße. «Diese Systeme werden meist in Chefetagen von großen internationalen Unternehmen verwendet», weiß Meyer.

«Mit einem persönlichen Treffen ist eine Videokonferenz jedoch auch mit allen technischen Errungenschaften nicht zu vergleichen», sagt Meyer. Die soziale Komponente fehle. Man könne sich nicht die Hand geben und müsse sich stärker konzentrieren, um dem Gegenüber zu folgen. Zumindest im Geschäftsbereich sollte der Erstkontakt von Menschen grundsätzlich besser ein persönliches Treffen sein.

Dass der Einsatz von Videokonferenz-Systemen auch die Umwelt schont, hat die Umweltstiftung WWF errechnet: Würde nur jede zweite Geschäftsreise in Europa durch eine Videokonferenz ersetzt, könne fast soviel Kohlendioxid eingespart werden, wie alle Pkw in Deutschland in einem Jahr erzeugen.

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