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Datenschützer besorgt über Sammlung von Facebook-Profilen

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Facebook
Wirbel um die Sammlung von Facebook-Daten: Datenschützer blicken besorgt auf massenhafte die Auflistung der Daten. Sie fürchten deren automatisierte Auswertung. (Bild: dpa)

am 29.07.2010

Berlin/New York (dpa) - Schwere Sicherheitslücke oder unkritischer Datenwust? Ein IT-Experte hat Daten aus 100 Millionen öffentlich zugänglichen Profilen beim Sozialen Netzwerk Facebook gesammelt und bietet diese frei zum Herunterladen an. Datenschützer sind besorgt.

Eine riesige Datensammlung mit Angaben zu 100 Millionen Facebook-Mitgliedern hat erneut eine Debatte über die Öffentlichkeit von Internet-Profilen ausgelöst. Ein auf Netzsicherheit spezialisierter Blogger in den USA machte die Sammlung öffentlich verfügbar. Facebook betonte, dass es sich um frei zugängliche Profile handle. Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar sagte jedoch, eine solch massenhafte Zusammenstellung berge «erhebliche Missbrauchspotenziale für alle möglichen Zwecke».

Der Blogger Ron Bowes erklärte, er habe ein «beängstigendes Datenschutz-Problem» gefunden. Die Profile könnten mit einem einfachen «Spider» oder «Crawler» eingesammelt werden, also mit einer Software, die automatisiert das Web durchsucht und die dort gefundenen Daten analysiert. Die so erstellte Datei mit einem Umfang von 2,8 Gigabyte enthält unter anderem die Namen und Internet-Adressen der Facebook-Profile. Dort finden sich das Foto des Nutzers und seine Kontakte. Bowes kündigte an, dass es auch möglich sei, diese «Freunde» der Facebook-Mitglieder zu erfassen.

Die Datei mit den Facebook-Daten kann sich jedermann über Plattformen wie «Pirate Bay» auf den eigenen Computer holen und nach Belieben auswerten. Innerhalb weniger Stunden haben mehrere tausend Nutzer dieses «Facebook directory» heruntergeladen. Das Blog von Bowes, SkullSecurity.com, brach unter dem großen Interesse zusammen. Auf Twitter schrieb Bowes: «Die Reaktion auf meine Facebook-Daten ist unglaublich.»

Eine Sprecherin des Unternehmens sagte zu der Datensammlung: «In diesem Fall hat ein einzelner Rechercheur Informationen gesammelt, bei denen die Leute zugestimmt haben, dass sie öffentlich zugänglich sind.» Die Informationen existierten bereits in Suchmaschinen. Es seien keine persönlichen Daten gefährdet worden, versicherte sie. Die Liste sei wie ein Telefonbuch. Wenn jemand nicht gefunden werden wolle, könne er sein Profil entsprechend einstellen.

Der Facebook-Fall erinnert an die Datenpanne beim SchülerVZ im Oktober vergangenen Jahres. Damals wurden 1,6 Millionen Daten aus diesem vor allem von Minderjährigen genutzten Netzwerk zusammengestellt. Im Mai dieses Jahres wurden erneut massenhaft Daten von SchülerVZ kopiert und dem Blog netzpolitik.org zugespielt.

«Das ist äußerst kritisch zu sehen», sagte der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Caspar zur Datensammlung bei Facebook. Die massenhafte Zusammenstellung solcher Daten ermögliche eine automatisierte Auswertung. Denkbar sei der Missbrauch für Werbezwecke oder durch staatliche Stellen. Die Datenschützer hätten die Netzwerkbetreiber immer wieder darauf hingewiesen, dass es erforderlich sei, eine solche Erhebung von Daten zu verhindern.

Facebook ist in der Vergangenheit wiederholt wegen seines Umgangs mit dem Datenschutz kritisiert worden. Kritiker warfen Facebook vor, das Unternehmen mache es seinen Nutzern unnötig schwer, ihre Privatsphäre zu schützen. Bowes selbst machte sich in seinem Weblog über Facebooks Ratschlag lustig, die persönlichen Daten zu verstecken: «Ich habe sie schon alle.»

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