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«Friend» oder echter Kumpel: Freundschaft 2.0

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Freundschaft 2.0
«Friend» zu werden ist nicht schwer, «Freund» womöglich umso mehr: Mit dem Siegeszug der sozialen Netzwerke ist der Freundschaftsbegriff vielschichtiger geworden. (Bild: dpa/tmn)

am 29.06.2010 | Von Andreas Thieme, dpa

Berlin/Hagen (dpa/tmn) - Online Freunde werden, das ist einfach. In sozialen Netzwerken reichen zwei Klicks: einer für die Anfrage, der zweite zur Bestätigung - schon ist die Sache offiziell, zumindest im Internet.

Nicht jeder «Friend» ist zwar auch ein Freund im engeren Sinne. Aber daraus können trotzdem echte Freundschaften entstehen. «Freundschaft ist immer eine zweiseitige, langfristige Beziehung», sagt Horst Heidbrink, Freundschaftsforscher an der Fern-Uni Hagen. Bloßes «Adden» im Netzwerk mache noch keine Freundschaft aus. Oft sei die Freundesliste eher ein elektronisches Adressbuch.

«Statt Vertiefung erlebt der Freundschaftsbegriff heute eine dramatische Verflachung», glaubt Heiko Ernst, Chefredakteur der Zeitschrift «Psychologie heute». Die «Währung» der Web-Freundschaftsnetze seien Informationspartikel, die hin- und her gesendet werden. Intimität lasse sich so nicht herstellen. Zudem sei es nicht möglich, mit mehr als 50 Freunden auf einmal «eng zu sein».

Darauf hat auch der britische Psychologe Robin Dunbar hingewiesen. Er belegte mit einer Studie, dass kein Mensch mehr als 150 Bekannte auf einmal «verarbeiten» kann. Die Qualität von Freundschaften werde online allzu schnell durch Quantität ersetzt, folgert daraus auch der US-Kulturkritiker William Deresiewicz im Essay «Faux Friendship».

Und trotzdem: Grundsätzlich bietet das Internet einen Mehrwert für Freundschaften, findet Sascha Lobo, Blogger und Web-2.0-Experte aus Berlin. Von Vorteil sei zum Beispiel der nur scheinbar triviale Umstand, dass Freunde ortsunabhängig intensiven Kontakt wahren können. Wichtig ist laut Heidbrink auch die Möglichkeit zum zwanglosen Kontakt: Treffen müssen nicht verabredet werden, Kontakt ist quasi permanent möglich.

Auch das Kennenlernen wird erleichtert, ist Lobos Erfahrung. Im Netzwerk lassen sich Menschen anhand ihrer Profile fürs Erste besser einschätzen als in der Disco. Außerdem falle der Darstellungsdruck gegenüber echten Treffen weg. Was zählt, seien Einstellungen und Meinungen. «Die kann im Profil ja jeder einsehen.» Statusmeldungen festigen das Bild. «Ähnlichkeiten und gemeinsame Interessen werden so schneller oder überhaupt erst erkannt», sagt Heidbrink.

Manchmal führe das Internet sogar Menschen zusammen, die sich auf anderem Weg wohl nie kennengelernt hätten. So kann der Austausch über die letzte Australien-Reise zur Basis für eine Freundschaft werden, erläutert Sascha Lobo. Gemeinsame Interessen und der permanente Austausch sind Heidbrink zufolge dafür ausreichend.

Doch es ist wichtig, Web-Beziehungen richtig einzuordnen, so Lobo. Neben realen Freunden, mit denen man vielleicht auch digital vernetzt ist, sieht er drei Abstufungen. Da sind die Online-Freunde: Zu ihnen hat der Nutzer oft Kontakt, er muss sie aber nicht persönlich kennen. «Das sind richtige Freunde, nur, dass man mit ihnen über das Internet kommuniziert.» Als zweite Gruppe nennt Lobo die «Friends». Das können Mitglieder der eigenen Community sein, mit denen man sich verbunden fühlt. Sie seien mit Bekannten im echten Leben zu vergleichen. «Ihnen würde man aber nicht unbedingt beim Umzug helfen.» Drittens gebe es die reinen Kontakte: «Das sind sehr lose, indirekte Beziehungen.»

Feste Regeln für Online-Freundschaften gebe es nicht. Zu bedenken sei aber, dass eigene Meinungen und Verhaltensweisen online stets für alle Freunde, Friends und Kontakte transparent sind. Wer zu viel über sich preisgibt oder laufend Statusmeldungen postet, nervt schnell. Auf keinen Fall sollte Vertrauliches öffentlich gemacht werden, warnt Heidbrink. «Sonst ist es mit der Freundschaft schnell vorbei.» Das Vertrauen lässt sich dann nicht mit nur zwei Klicks zurückgewinnen.

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