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Handys helfen im Notfall beim Flüchten

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Handy mit Fluchtweg
Mit dem Modellprojekt REPKA erprobt das Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Nürnberg die Abbildung von Rettungswegen auf Mobiltelefonen. (Bild: dpa)

am 06.05.2010 | Von Elke Richter, dpa

Nürnberg (dpa) - Ein Brand beim Altstadtfest, eine Explosion beim Rockkonzert oder ein Bombenfund im Fußballstadion - im Notfall versuchen Menschen instinktiv zu fliehen.

Doch eingepfercht in eine große Menschenmenge ist es gar nicht so einfach, den Überblick über den besten Rettungsweg zu bewahren - ein neues System für Handys soll deshalb Abhilfe schaffen.

«Diesen Fluchtweg solltest du jetzt nehmen zu diesem sicheren Punkt.» So fasst Steffen Meyer vom Nürnberger Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS die Hauptfunktion des neuen Programms zusammen. Im Katastrophenfall zeigt eine Karte auf dem Handydisplay fast auf den Meter genau an, wo man steht - und wohin man laufen sollte.

«Ziel ist nicht: Ich habe ein Gebäude und will die Leute zur Haustür führen - das nützt mir nichts», erläutert Meyer. «Denn dann sind die noch nicht aus dem Gefahrenbereich draußen. Außerdem haben 40 000 Leute da vielleicht gar keinen Platz.»

Das Evakuierungsprojekt REPKA betrachtet deshalb die Umgebung des Gebäudes: Wo führen Straßen entlang, wo gibt es Sammelflächen, welchen Platz brauchen die Rettungskräfte und wo stehen Hindernisse im Weg? Auf dieser Basis sollen die Fluchtwege optimiert und ein Rettungseinsatz im Fall der Fälle effizienter werden.

Erprobt wird das Programm exemplarisch am Betzenbergstadion in Kaiserslautern. «Das Stadion liegt an einer Stelle, die für Flüchtende problematisch ist», erläutert Meyer. «Es steht auf einem Berg mitten in einem Wohngebiet. Es gibt nur drei Straßen, die von dem Berg herunterführen, und keine Freiflächen.» Bei zwei großen Übungen wollen die Forscher deshalb exakt die Zeit stoppen und die Wege beobachten, die die Menschen wählen.

Bislang gab es solche regionalen Evakuierungsübungen für Großveranstaltungen nicht. «Deshalb weiß man sehr wenig, was da passiert», erläutert Projektleiter Horst Hamacher vom Fachbereich Mathematik der Universität Kaiserslautern. «So ist die Frage der Panik wirklich eine sehr kritische.»

«Wir stellen uns die Menschen vor wie einen Fluss», schildert Hamacher. «Wenn der Wasserfluss an eine Verzweigungsstelle kommt, verteilt er sich so, dass er möglichst schnell den Berg hinunterkommt.» Allerdings mindern Engpässe die Fließgeschwindigkeit, Treppen verursachen Strudel.

«Dann muss ich zum Beispiel Zäune entfernen oder eine Frittenbude versetzen», erläutert Hamacher die Konsequenzen. «Denn wenn sie an der falschen Stelle stehen, sind eine ganze Menge Rohre verstopft.» Auch die Rettungskräfte selbst können am falschen Ort positioniert sein, parkende Busse oder feiernde Fans die Fluchtwege blockieren.

Die Flüchtenden selbst brauchen nur ein Smartphone. «Wir versuchen, auf dem Endgerät möglichst autark zu bleiben», erläutert Meyer. Die Forscher nutzen W-Lan, GPS und die Mobilfunklokalisierung GSM, um die Position des Besitzers herauszufinden. «Dabei wird das Endgerät nicht von außen geortet, sondern berechnet seine Position selbst», erklärt der IIS-Experte für Lokalisierung. «Denn es kann sein, dass etwa ein Server im Katastrophenfall gar nicht mehr zur Verfügung steht.»

Die Fachleute nehmen an, dass bereits wenige gut informierte Flüchtende als «Alphatiere» den großen Menschenstrom dirigieren können. «Die Leute orientieren sich gerade in Paniksituationen an anderen», betont IIS-Projektmitarbeiter Stephan Haimerl.

Die Applikation greift noch zwei weitere typische Verhaltensweisen auf. Zum einen gibt es einen Notfallbutton, der der Rettungsstelle automatisch mitteilt, wo genau sich ein Verletzter befindet - viele sind zu dieser Orientierung selbst nicht mehr in der Lage.

Zum anderen kann der Nutzer mit anderen in Kontakt treten und sich zu der gleichen Sammelstelle führen lassen. «Viele suchen ihre Angehörigen und drehen um», schildert Meyer. «Es ist relativ verbreitet, dass Leute, sobald sie aus der unmittelbaren Gefahr heraus sind, zurücklaufen, um anderen zu helfen.» Damit aber gefährden sie sich nicht nur selbst, sondern verstopfen auch die Rettungswege.

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