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Netzwerk-Nutzer entwickeln Bewusstsein für Datenschutz

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Netzwerk-Portale
Ob «Facebook» oder «XING»: Netzwerk-Nutzer entwickeln immer mehr Bewusstsein im Umgang mit Datenschutz. (Bild: dpa)

am 05.05.2010 | Von Britta Schultejans, dpa

München/Kiel (dpa) - Joachim ist der Sportliche, der gerne Fotos von sich beim Klettern in den Alpen oder beim Surfen in Frankreich hochlädt. Carola gibt sich eher als die Intellektuelle, die gern die Feuilletons der Zeitungen nach schönen, Eindruck machenden Gedanken durchstöbert.

Diese teilt sie dann mit ihren Freunden und Kollegen. Und Daniel ist der Lustige, der sich - vor allem wenn es um Fußball geht - gerne mit spaßigen Sprüchen zu Wort meldet. Dass sie nicht alle auf seinem Mist gewachsen sind, das muss ja keiner wissen.

Während Datenschützer und Verbraucherschutz-Ministerin Ilse Aigner vor Online-Netzwerken warnen, wissen viele Nutzer inzwischen ganz genau, was sie von sich mitteilen wollen, wem sie ihre Daten zugänglich machen - und wie sie sich bestmöglich vor Freunden und Kollegen in Szene setzen. Facebook, StudiVZ und Co. sind auch Selbstdarstellungs-Plattformen.

«Es geht in diesen Netzwerken immer auch um Anerkennung - wie im richtigen Leben», sagt der Kommunikations- und Medienwissenschaftler Wolfgang Reißmann von der Universität Erfurt. Die Selbstpräsentation gehört dazu. «Inzwischen gibt es bei vielen aber auch so etwas wie eine Netzwerkkompetenz. Heute 16-Jährige sind ja schon mit SchülerVZ & Co groß geworden», sagt der Forscher. Viele Jugendliche hätten gemerkt, dass ein Problem entstehen kann, wenn Eltern oder Lehrer auf ihre Party-Bilder vom Wochenende stoßen oder Lästereien lesen.

«Jugendliche treffen über ihr Auftreten in sozialen Online- Netzwerken im Allgemeinen und die Sichtbarkeit ihrer Profilseiten im Besonderen eine rationale Entscheidung», schreibt die Medienpädagogin Maren Würfel in dem Buch «(K)Ein Ende der Privatheit». «Sie wägen Für und Wider auf Grundlage ihres Wissens, ihrer Interessen sowie ihrer Werte ab. Jugendliche gehen also nicht völlig unbedarft und unreflektiert mit ihren persönlichen Daten in den Netzwerken um.»

Bei einem Hacker-Angriff - wie der Attacke auf SchülerVZ am Dienstag (4. Mai) - hilft diese rationale Entscheidung im Zweifel zwar wenig. Aber auch hier hatten diejenigen, die ihre Profile nicht für alle Menschen im Netzwerk freigeschaltet hatten, offenbar Glück. Nach Angaben von SchülerVZ wurden nur Daten kopiert, die für andere Nutzer zugänglich waren. Ein junger Wissenschaftler hatte es geschafft, die Informationen mit einer Massenabfrage auszulesen.

Nach Angaben der Macher der VZ-Netzwerke, die hinter StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ stecken, schränken immer mehr Mitglieder die Sichtbarkeit ihrer Profile ein. «Rund 7,0 von 16,6 Millionen VZ- Nutzern haben ihr komplettes Profil ausschließlich für ihre Freunde freigegeben - Tendenz stetig steigend», sagt Sprecher Dirk Hensen. Rund 6,9 Millionen haben ihr Profil seinen Angaben nach für alle anderen Mitglieder des jeweiligen Netzwerks freigegeben. Diese Zahl schrumpfe allerdings stark.

Diese Entwicklung hat auch Thilo Weichert beobachtet. «Es gibt inzwischen ein Bewusstsein für den Datenschutz», sagt der Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein in Kiel. «Aber es gibt natürlich immer noch Jugendliche, denen der Datenschutz am Hintern vorbei geht.»

Mehr als 90 Prozent der Jugendlichen wissen inzwischen, dass sie im Schüler- oder StudiVZ die Sichtbarkeit ihrer Daten einschränken und beispielsweise mit einem Klick dafür sorgen können, dass nur ihre Online-Freunde ihre Fotos und Einträge sehen können. Das geht aus dem «Medienkonvergenz-Monitoring» der Universität Leipzig hervor. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen hat ihre Profile aber immer noch für alle geöffnet - ob Freund oder Feind. «Es ist noch ein langer Weg vom Hören über das Verstehen bis zum Umsetzen», sagt Weichert.

Sorgen macht der Datenschutz-Experte sich inzwischen aber nicht mehr hauptsächlich um die jungen Nutzer. Jetzt ist es die Generation 50+, die ihm Kopfzerbrechen bereitet - die älteren Herrschaften, von denen spätestens seit vergangenem Jahr immer mehr auf die Plattformen drängen. «Bei den Älteren ist das Datenschutzbewusstsein sehr groß - aber das technische absolut unzureichend», sagt Weichert. Will heißen: Die älteren Netzwerker würden ihre Daten gerne schützen, wissen aber nicht, wie. «Da ist es umso wichtiger, dass die Erläuterung für die Nutzer kurz und prägnant ist.»

Links

  • Online-Vorschau des Buches «(K)ein Ende der Privatheit» online: dpaq.de/Buch
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