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BerichteFür Fußgänger ein Abenteuer: Navigieren mit dem Handy
![]() Nächster Baumarkt? Auch Navi-Lösungen für Handys enthalten zusätzliche Informationen - manche zeigen zum Beispiel Einkaufs-Möglichkeiten an. (Bild: Navigon/dpa/tmn) am 29.04.2010 | Von Sven Appel, dpa Stuttgart/Hamburg (dpa/tmn) - Ist sie nur ein Gimmick oder eine echte Hilfe? Navigationssoftware fürs Handy erfährt mit der steigenden Verbreitung von Smartphones gerade ihren Durchbruch. Teilweise sind die Programme gratis erhältlich, andere kosten 70 Euro und mehr. Eines haben sie wohl gemeinsam: Herkömmliche Navis werden sie vorerst nicht ersetzen können, sie dienen vielmehr als Ergänzung. Ein Handy, mit dem der Nutzer navigieren möchte, braucht einen GPS-Empfänger. «Das ist eine zwingende Voraussetzung», erklärt Florian Stein von der Zeitschrift «Connect» in Stuttgart. Längst nicht jedes Mobiltelefon besitzt so einen GPS-Empfänger, mit dem sich die eigene Position bis auf wenige Meter genau feststellen lässt. GPS allein macht aus einem Handy jedoch kein Navi. Dazu braucht es noch ein entsprechendes Programm. Ö-Navi zum Beispiel ist kostenlos. Die Software kann aus dem Internet heruntergeladen werden und bietet unter anderem die Stau-Warn-Funktion TMC. Allerdings gibt es Ö-Navi nicht für alle Handys: Unterstützt werden verschiedene Modelle der Hersteller RIM (Blackberry), Motorola, Nokia, Samsung und Sony Ericsson. Nokia bietet seinen Kunden die Nutzung des Kartendienstes Ovi Maps ebenfalls kostenlos an: für 70 Länder inklusive Updates. Das Angebot kann aber nur mit bestimmten Nokia-Geräten genutzt werden. Bei der Anschaffung einer kostenlosen Navi-Lösung ist zu bedenken, dass sie Folgekosten nach sich ziehen kann: Denn bei den Programmen, die nicht bezahlt werden müssen, handelt es sich oft um Offboard-Lösungen, die keine Karten auf dem Gerät installieren - die muss das Handy für jede Routenführung vom Server des Anbieters nachladen. Das wiederum verursacht Kosten, die sich spätestens mit der nächsten Mobilfunkrechnung beziffern lassen - es sei denn, der Nutzer besitzt eine Flatrate für den mobilen Datentransfer. Wer sein Handy nur gelegentlich nutzt, um sich an einem fremden Ort zu orientieren, kann auf eine spezielle Navigationssoftware verzichten. Hier bietet sich ein kostenloser und auf vielen Smartphones verfügbarer Dienst wie Google Maps als Alternative an. «Das eignet sich allerdings nur für kurze Strecken», so Stein. Mittlerweile bieten fast alle großen Navi-Hersteller auch Programme fürs Handy an - in der Regel setzen sie auf Apps (Applikationen) fürs iPhone. Navigon etwa bietet auch Software für Android-, Windows- und Symbian-Handys an, für Telekomkunden mit iPhone gibt es derzeit sogar eine kostenlose Version. Navi-Lösungen für Handys ähneln oft den Anwendungsoberflächen klassischer Navi-Geräte. Dennoch gibt es Unterschiede: Der Navi-Hersteller TomTom zum Beispiel bietet eine App fürs iPhone an. In ihrem Funktionsumfang unterscheidet sie sich von den Navis unter anderem dadurch, dass den iPhone-Nutzern TomTom Home nicht zur Verfügung steht, wie Tom Murray, Vice President Market Development erklärt. Mit TomTom Home können Navi-Besitzer ihr Gerät mit zusätzlichen Daten versorgen. «Auch TomTom Share für die eigenständige Bearbeitung von Karten fehlt der App», so Murray. Manches lässt sich mit einem Handy jedoch auch einfacher umsetzen. Das gilt beispielsweise für die Versorgung des Anwenders mit dynamischen Informationen, also mit sich häufig ändernden Daten. Dazu zähle zum Beispiel die lokale Suche nach einem Café, so Gerhard Mayr, verantwortlich für Mobilfunk-Navigation bei Navigon. Außerdem lassen sich Informationen zur aktuellen Verkehrsinformation einspielen. Bei den Karten gibt es laut Florian Stein keinen Unterschied zwischen Handys und klassischen Navis. Unterschiede bestehen vor allem in der Hardware: «Die meisten Navis haben ein Display mit 4,3 Zoll Diagonale und mehr. Beim Smartphone sind es in der Regel um die 3 Zoll», erläutert Tom Murray, dem noch ein weiterer Nachteil einfällt: «Gerade im Auto ist die Qualität der Sprachausgabe sehr wichtig, doch da können Smartphones in der Regel noch nicht mit den Navis mithalten.» Auch die Sprachsteuerung der klassischen Navis ist laut Mayr besser als die von Smartphones. Hinzu kommt, dass die Smartphones meist relativ schnell eine neue Akku-Ladung benötigen. Die Batterie des iPhones etwa ist laut Stein nach zwei Stunden leer, wenn es als Navi verwendet wird. Da sei es ratsam, sich ein passendes Ladegerät fürs Auto zuzulegen. Ebenso wichtig ist eine geeignete Halterung, damit das Handy bei einer Bremsung nicht durch den Innenraum fliegt. Doch während portable Navis in der Regel mit einer passenden Kfz-Halterung ausgeliefert werden, sind für die meisten Smartphones nur Universal-Halterungen verfügbar - die eben nicht immer zu 100 Prozent passen. Und eignen sich Handy zumindest für die Fußgängernavigation? Florian Stein ist da skeptisch - für seinen Geschmack befindet sie sich im Experimentierstadium. Sich beim Spazieren in fremder Umgebung allein aufs Handy zu verlassen, kann zum Abenteuer führen. «Als Fußgänger läuft man schon mal 100 Meter in die falsche Richtung, bevor das Handy-Navi weiß, was los ist», so Stein.
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