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Jarvis: Deutsche übertreiben mit Datenschutz im Netz

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Blogger-Treffen
Blogger aus 25 Ländern treffen sich in Berlin zum Szenekongress «re:publica» um sich über Neuigkeiten in Online-Foren auszutauschen. (Bild: dpa)

am 14.04.2010 | Von Esteban Engel, dpa

Berlin (dpa) - FKK-Strand ja, Facebook-Einträge dazu aber lieber nicht: Der amerikanische Internet-Experte und Bestseller-Autor Jeff Jarvis hat das seiner Ansicht nach überzogene Bedürfnis der Deutschen nach Datenschutz im Internet kritisiert.

«Hier gehen die Menschen in die gemischte Sauna und lassen zu, dass ihre intimsten Körperteile von wildfremden Menschen gesehen werden - beim Internet hört aber der Spaß auf», sagte Jarvis («Was würde Google tun?») auf dem Blogger-Kongress «republica 2010» (14. bis 16. April) in Berlin. Das Recht auf Öffentlichkeit müsse gegen Bestrebungen von Regierungen und Unternehmen dringend verteidigt werden.

Ein schlechter Präzedenzfall seien die Verbote von Straßenaufnahmen des Google-Dienstes «Street View» in Deutschland. Als nächstes könnten andere Fotos aus der Öffentlichkeit verboten werden. Das Internet sei ein öffentlicher Ort, in dem Wissen mit allen geteilt werden könne. Es gehe dort weniger um den Schutz der Privatsphäre, sondern um die Information, was mit persönlichen Daten angerichtet wird, sagte Jarvis. Diese Kontrolle müssten die Nutzer behalten.

An dem Szenekongress nehmen bis Betreiber von Internet-Foren und Online-Tagebüchern aus 25 Ländern teil. Insgesamt gibt es 160 Stunden Programm rund um den Friedrichstadtpalast.

Auch der deutsche Blogger Peter Glaser («Glaserei») kritisierte die «Angstdebatte» um Google. «Was Google mit seiner ebenso innovativen wie aggressiven Vorgehensweise immer wieder mühelos schafft ist, zu zeigen, wo die Gemeinschaft versagt ­ aus Bequemlichkeit, Geiz oder Unentschlossenheit», sagte Glaser in seinem Eröffnungsvortrag. So habe die «Provokation» durch Google Books die EU dazu veranlasst, endlich mehr als nur eine symbolische Summe für eine eigene Digitalisierungs-Initiative in die Hand zu nehmen. Auch zu Googles «Street View» gebe es Alternativen wie das Open Source-Projekt OpenStreetMap.

«Statt sich in Angstdebatten zu verlieren, wäre es konstruktiver, ein solches Projekt zu fördern und eine digitale Öffentlichkeit zu entwickeln, die es mit der Leistungsfähigkeit von Google aufnehmen kann», sagte Glaser. Am Ende entscheide die Qualität, und ein vielleicht sogar besseres Konzept, weil alle mitmachen.

Jarvis warf den traditionellen Medien vor, mit kostenpflichtigen Angeboten die Nutzer in der Rolle reiner Nachrichtenkonsumenten belassen zu wollen. Das Internet biete die Chance zur aktiven Teilhabe an der Informationsgesellschaft. Als Negativbeispiel nannte Jarvis Apples neues Lesegerät iPad. Dessen Applikationen («Apps») ließen sich weder kommentieren noch verlinken. Er habe deswegen sein iPad in der vergangenen Woche zurückgegeben.

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