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Kraken-Alarm: Wo Netznutzer Daten preisgeben

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Mann am PC
Vorsicht, Maschine liest mit! Beim Mailen verraten Surfer unter Umständen mehr über sich, als sie sich vorstellen können. (Bild: Remmers/dpa/tmn)

am 13.04.2010 | Von Florian Oertel, dpa

Hannover/Berlin (dpa/tmn) - Der Krake als solcher ist schon kein possierliches Tierchen. Noch bedrohlicher scheint der vielbeschworene Datenkrake zu sein. Mit seinen digitalen Tentakeln reißt er an sich, was er an Informationen über brave Internetnutzer nur erhaschen kann.

Sämtliche Datensammel-Bestrebungen - Zugriffe von Kriminellen auf der einen und gegebenenfalls von staatlichen Organen auf der anderen Seite außer Acht gelassen - haben im Prinzip nur ein Ziel: Netznutzer sollen Werbung eingespielt bekommen, die sie persönlich interessant finden und am besten auch anklicken. Die Werbetreibenden müssen daher über möglichst viele Nutzer so viel wie möglich herausfinden.

Das geht oft denkbar einfach - wenn der Nutzer mithilft. So fragen manche Onlineshop-Betreiber beim Bestellen einfach mal etwas mehr ab, als nötig wäre - und viele sind so freundlich, jede Antwort zu geben. «Hier hat man es ein Stück weit in der Hand, sich zu fragen, ob man die Dienste eines Anbieters in Anspruch nehmen will, der mehr Daten erhebt als nötig», sagt Susanne Dehmel, Bereichsleiterin Datenschutz beim IT-Branchenverband BITKOM in Berlin.

Doch das Sammeln beginnt früher und ohne Zutun des Nutzers: Schon wer den Webshop oder überhaupt jede x-beliebige Webseite auch nur besucht, liefert dem Betreiber seine sogenannte IP-Adresse. Davon allein hat dieser allerdings nichts, erläutert Susanne Dehmel: Die Adressen werden in aller Regel dynamisch, also immer wieder neu, vergeben und lassen sich nicht einzelnen Nutzern zuordnen.

Daher werden oft Cookies genutzt. «Das sind kleine Infokrümel, die mein Browser beim Besuch der Seiten speichert und die die Betreiber auswerten können», erklärt Jo Bager von der Zeitschrift «c't». Häufig übernehmen dabei nicht die Betreiber das Auswerten, sondern Werbevermarkter. Sie können sich mit jedem weiteren gespeicherten Cookie ein genaueres Bild vom Nutzer machen. Die können gegensteuern, indem sie Cookies über Browser-Einstellungen sperren.

Doch Cookies fußen auf immer ausgefeilteren Techniken und lassen sich nicht mehr unbedingt via Browser deaktivieren. Das gilt etwa für das laut Bager besonders weit verbreitete Flash-Cookie. Wer will, kann Flash-Cookies auch deaktivieren.

Einer der großen Online-Werbevermarkter ist Google. Es ist kein Geheimnis, dass das Unternehmen automatisiert die Nachrichten scannt, die die Nutzer seines Gratis-Mail-Dienstes schreiben - auf bestimmte Schlüsselwörter hin. Und die boomenden sozialen Netzwerke sind laut Bager nicht zuletzt Werbeplattformen. «Die Betreiber wollen möglichst viel von Ihnen wissen, um Ihnen gezielt Werbung zutragen zu können.»

Darauf, dass sich manche Netzwerk-Betreiber beim Umgang mit Daten recht viel erlauben, hat gerade Stiftung Warentest nach eingehender Untersuchung hingewiesen: «Facebook, Myspace und LinkedIn schränken die Rechte der Nutzer ein, räumen sich selbst aber weitreichende eigene ein, vor allem Daten an Dritte weiterzugeben», heißt es in der Zeitschrift «test».

Sollte man deshalb auf Angebote wie Googles Mail-Dienst und auf Netzwerke verzichten? Bager mahnt zu Besonnenheit: «Das ist eben der Deal bei Google.» Man nutzt etwas gratis, muss im Gegenzug mit personalisierter Werbung leben - und kann sich nach aktuellem Stand sicher sein, dass beim Mailsscannen ausschließlich eine Maschine und kein Mensch mitliest. Es ist somit zwar wichtig zu wissen, wo der Datenkrake seine Tentakel schwingt. Aber man muss sich beim Kampf gegen ihn nicht unbedingt aufreiben.

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