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Mit Apps und Tweets in den Urlaub: Neue mobile Dienste

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Check-in
Handy statt Bordkarte: Auch Fluggesellschaften setzen immer stärker auf mobile Dienstleistungen. (Bild: Air Berlin/dpa/tmn)

am 15.03.2010

Berlin (dpa/tmn) - Abschalten im Urlaub war gestern. Heute ist schon Einschalten angesagt, bevor der Flieger überhaupt abhebt. Denn vor der Buchung recherchieren viele Reisende erst einmal im Internet zu Zielen und Angeboten.

Die Entscheidung für eine Tour fällt dann oft nach Diskussionen in sozialen Netzwerken oder nach einem Besuch auf einem Hotel-Bewertungsportal. Und gebucht wird vielleicht in der Straßenbahn oder auf der Parkbank: Smartphones, anwenderfreundliche Applikationen (Apps) und mobiles Internet machen's möglich.

Dass das alles keine Zukunftsmusik mehr ist, hat jetzt die Reisemesse ITB (10. bis 14. März) in Berlin gezeigt. Dort bekamen die «Mobile Travel Services» in diesem Jahr erstmals einen eigenen Bereich. Dabei geht es nicht mehr nur um Webseiten, die an kleine Displays angepasst sind. Bei denen sei oft mühsames «Durchwurschteln» nötig, sagte der Berater Hagen Sexauer vom Unternehmen Sempora Consulting. Apps dagegen «haben einen viel intuitiveren Zugang.» Außerdem explodiere gerade der Absatz von Smartphones: «Der 'Switch' vom 08/15-Handy auf das Smartphone wird ein Selbstgänger sein», sagt der Experte voraus.

Die Reiseveranstalter reagieren schon darauf. Dertour zum Beispiel will vom Mai an eine Smartphone-App zur mobilen Urlaubsfeinplanung und -buchung anbieten. Wer im Katalog blättert und die dortigen Hotelbilder fotografiert, soll aktuelle Informationen, Fotos, Preise und Verfügbarkeiten zum Vergleichen aufs Handy geschickt bekommen. Feratel, ein Reservierungssystem-Spezialist, kündigte auf der ITB die neue Buchungs-App «iDestination» an. Der Anbieter Pausanio bringt dagegen Audio-Reiseführer für den Wissensdurst unterwegs aufs Handy.

Flugplan, Buchung, Check-in und einen Zugriff aufs Meilenkonto: All das hat die Lufthansa in ihrer neuen App zusammengeführt. Die Air Berlin präsentierte auf der ITB ebenfalls ihre neue mobile Sitzplatzreservierung - und das Angebot, die Bordkarte aufs Handy schicken zu lassen. Lufthansa hat außerdem eine zweite App im Angebot: Über den «MemberScout» sollen Reisende Erfahrungen austauschen und sich Restaurant-, Einkaufs- und Hoteltipps geben. Auch ein standortbezogener Dienst ist vorgesehen: Wer möchte, kann sich seine aktuelle Position oder die der anderen Weltenbummler anzeigen lassen - aus Neugier oder auch für spontane Treffen.

Die Buchungsplattform Hotel Reservation Service (HRS) mischt mit einer Buchungs-App namens «Hotels Now» mit. Geschäftsführer Tobias Ragge geht davon aus, dass sich das mobile Buchen zunächst bei Geschäftsreisenden durchsetzt und bald schon einen Anteil von 30 Prozent an allen Buchungen erreichen könnte. «Das mobile Web führt dazu, dass dieser Anteil erheblich steigen wird», sagt auch Michael Buller, Vorstand des Verbands Internet Reisevertrieb (VIR). Daten von Semporia zufolge gehen in Deutschland inzwischen 18 Millionen Menschen mehrmals täglich mobil ins Netz - und jeder Vierte buche bereits Hotels, ganze Reisen oder Tickets zwischen Tür und Angel.

Die meisten Apps erscheinen derzeit zuerst für das iPhone. Meist folgen dann Versionen für Blackberrys, Android- und Symbian-Geräte. Ein touristisches App-Potpourri auf dem Smartphone werde sich beim Verbraucher aber nicht durchsetzen, glaubt Martin Thyssen vom Blackberry-Hersteller Research in Motion: «Die Schnittstelle zu Social-Media-Anwendungen wird fließend sein. Wir werden nur noch Anwendungen haben, die Funktionen vereinen.»

Vor allem der mobile Erfahrungsaustausch wird für Reisende immer wichtiger. Kaum ein Tourismusunternehmen kommt heute mehr ohne den ständigen Seitenblick in soziale Netzwerke oder auf Videoportale aus. «Die Kunden diskutieren, egal ob die Unternehmen zuhören oder nicht», erklärt Christine Petersen, Marketingchefin bei der Reisecommunity TripAdvisor. Hotels und Fremdenverkehrsämter von der Österreich Werbung bis zu Sri Lanka versuchen daher zunehmend, Informationen, die Diskussion und ihr Marketing mit eigenen Tweets und Fanseiten zu kanalisieren. Viele Unternehmen vergäßen aber, ihren Kunden zu antworten, kritisiert Petersen: «Twitter-Nutzer wollen den Dialog.»

Wie weit dieser in der digitalen Reisewelt gehen darf, ist noch offen. «Wir kommen so nah an den Gast heran wie nie zuvor», sagt zum Beispiel Olivier Harnisch, Vizepräsident der Hilton-Hotelgruppe in Deutschland und der Schweiz. Das Unternehmen bietet bereits die Buchung per App an und denkt über neue Funktionen wie die Steuerung des Lichts im Zimmer per Handy nach, aber auch über standortbezogene Dienste, sagt Harnisch: «Ich kann mir vorstellen, dass ein Kunde ein Angebot für eine Behandlung bekommt, wenn er durchs Spa geht.»

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