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Weg vom Datenträger: Spieleplattformen haben Potenzial

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Spieleplattformen
Aus dem Netz statt aus dem Laden: Viele eingefleischte Spieler holen sich ihren Nachschub bereits von Onlineplattformen. (Bild: Schierenbeck/dpa/tmn)

am 10.03.2010 | Von Florian Oertel, dpa

München/Karlsruhe (dpa/tmn) - Der Silberling im Laufwerk, die Packung im Regal und das beigelegte Poster an der Wand - das ist PC-Spielers Gegenwart. Seine Zukunft könnte so aussehen: eine Spieleplattform im Internet besuchen, Wunsch-Titel herunterladen und losdaddeln.

Schon jetzt gibt es etliche solcher Anbieter - und liegen Experten nicht völlig daneben, werden sie sich durchsetzen. Das würde eine Reihe von Vorteilen bringen, aber auch Fragen aufwerfen.

Das Prinzip solcher Plattformen ist denkbar einfach: Der Spieler richtet sich ein Nutzerkonto ein, wählt einen Titel aus, geht damit zur virtuellen Kasse und lädt ihn auf seine Festplatte. An Auswahl mangelt es nicht: «Inzwischen stehen 90 bis 95 Prozent der aktuellen Titel auch auf Internetplattformen», sagt Christian Schmidt von der Zeitschrift «GameStar».

Die weltweit populärste ist Steam («store.steampowered.com»), hinter der Spieleentwickler Valve («Half-Life») steht. Trotzdem sind Titel von mehr oder weniger allen gängigen Publishern erhältlich. Das bekannteste hiesige Portal - ebenfalls mit herstellerübergreifendem Angebot - ist das von der Deutschen Telekom betriebene Gamesload («gamesload.de»).

Wie Steam aus den USA stammt Gametap («gametap.com»), während Gamers Gate («gamersgate.com») seinen Sitz in Schweden hat. Und auch Microsoft hat mit Games for Windows Live seinen eigenen Dienst zum Downloaden von Spielen verschiedener Publisher. «Es gibt sogar Spezialplattformen wie www.gog.com», sagt Schmidt. Das «gog» steht für «Good old games», der Fokus liegt also auf Klassikern.

Große Hersteller bieten ihre Titel nicht nur über Plattformen wie diese an, sondern auch über die eigenen Portale. «Unsere Top-PC-Titel gibt es auch als digitalen Download», sagt etwa Norman Habakuck von Ubisoft. «In der aktuellen Version des 'Ubi-Shops' erhält man nach dem Erwerb eines Spiels eine E-Mail mit einem Download-Link und einem Aktivierungsschlüssel.»

Electronic Arts (EA) ist ebenfalls mit dabei. Käufer laden zuerst den «EA Download Manager» herunter. Über die Software können sie dann ihre in digitaler Form gekauften Spiele starten und sich etwa auch Handbücher herunterladen.

«Die Publisher wollen, dass der digitale Vertrieb zum Standard wird», ist Patrik Schönfeldt vom Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler in Karlsruhe überzeugt. «Das ist die Zukunft, ganz klar», bestätigt Christian Schmidt. Schon jetzt seien die Dienste für eingefleischte Spieler eine ganz normale Sache.

Das hat gute Gründe: Wer die Plattformen nutzt, muss sich nicht in einen Laden bemühen und hat manche Titel sogar schon vor Freunden auf dem Rechner, die den Datenträger bevorzugen. Letzteres ermöglicht das «Pre-Loading», wie Schmidt erklärt: Der Spieler zieht sich den Titel vor dem Veröffentlichungstag herunter. «Schlag Mitternacht kann er die zum Start noch fehlende Datei runterladen, und los geht es.»

Auch die Tatsache, dass die Nutzer nicht mehr mit CDs oder DVDs hantieren müssen, bedeutet mehr Komfort. Laut Schönfeldt gilt das vor allem für «Zocker», die sich an mehreren Titeln parallel versuchen. Sie öffnen einfach ihr Konto etwa bei Steam und starten den gerade gewünschten Titel. «Steam aktualisiert die Spiele auch automatisch», sagt Schmidt.

Trotzdem ist nicht alles eitel Sonnenschein. So gibt es durchaus Daddler, die sich lieber selbst für oder gegen Updates entscheiden, wie Schmidt betont. Was wohl schwerer wiegt: Download-Spiele sind nicht billiger - im Gegenteil. So kostete das vieldiskutierte «Call of Duty: Modern Warfare 2» bei Steam zuletzt knapp 60 Euro, während es bei Amazon auf DVD schon ab gut 43 Euro zu haben war.

«Und ich kann meine Spiele nicht weiterverkaufen, wenn ich sie durch habe», sagt Schönfeldt - weil sie an das jeweilige Nutzerkonto gebunden sind. Zwar werden immer wieder mit mehr oder weniger Titeln gefüllte Steam-Accounts via eBay verkauft. «Die Nutzungsbedingungen schließen das aber eigentlich aus, und so ein Konto kann deshalb gesperrt werden», warnt Schmidt.

Und was passiert, wenn ein Anbieter den Dienst quittieren muss? «Womöglich sind meine Titel dann nicht mehr spielbar», sagt Patrik Schönfeldt. Zwar würden die Betreiber versprechen, für solche Fälle vorzubeugen - etwa mit einem Patch, der dafür sorgt, dass die Spiele weiterhin funktionieren. «Aber ob ein Anbieter, der in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist, dann dazu kommt, so einen Patch zu programmieren, das ist die Frage.»

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