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Der lange Weg zum barrierefreien Internet

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Barrierefreies Internet
Surfen für Sehbehinderte und Blinde: Geräte wie die Braillezeile oder Lösungen wie der «Screenreader» geben Webseiteninhalte wieder. (Bild: Aktion Mensch/dpa/tmn)

am 12.01.2010 | Von Sebastian Bronst, dpa

Dortmund/Bonn/Stuttgart (dpa/tmn) - Das Internet ist grenzenlos, so heißt es zumindest. Für Menschen mit Behinderungen ist das World Wide Web aber noch immer voller Hürden - trotz erster vorsichtiger Ansätze für eine barrierefreie Online-Kommunikation.

Es sind Kleinigkeiten, über die sich Webdesigner, Programmierer und nicht betroffene Anwender nur selten Gedanken machen. Dabei gibt es Lösungen, die etwa Blinden das Surfen ermöglichen: «Screenreader» lesen Webseiten-Inhalte vor oder drucken sie als Papierstreifen mit Blindenschrift aus. Die dafür nötige, heute bei Webseiten meist übliche Trennung von Layout und Inhalt war ein wichtiger Schritt. Er ist für die Fachleute aber bestenfalls der Anfang der Entwicklung.

Zwar hat der Gesetzgeber Vorschriften erlassen, die durchaus als vorbildlich gelten. Das Behindertengleichstellungsgesetz des Bundes (BGG) und die Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV) verpflichten Behörden, ihre Internetauftritte zugänglich zu machen. Gerade im kommerziellen Bereich aber gebe es noch großen Aufklärungs- und Nachholbedarf, sagt Birgit Scheer vom Aktionsbündnis barrierefreie Informationstechnik (ABI).

«Innovative» Gesetzesvorgaben und darauf aufbauende Initiativen hätten viel bewegt, sagt Christian Schmitz von der Aktion Mensch, die den Barrieren-Abbau mit dem Preis «BIENE» fördert. Aber es sei noch viel zu tun. «Was technisch einfach zu machen ist, hat man gemacht», sagt Klaus Seeberger vom Webentwickler Vitango in Stuttgart. Aber für Komplizierteres fehle es nach wie vor an Interesse und Sensibilität.

Schon das barrierefreie Aufbereiten einer Standard-Seite ist nicht so einfach. Probleme gibt es etwa, wenn vergessen wird, Grafik- und Navigationselementen aussagekräftige Titel oder Beschreibungen zu geben, die Screenreader erfassen können. Ohne diese Angaben unterscheiden die Programme nur «Link 2», «Link 3» oder «Grafik X».

Dieselben Einschränkungen gelten bis heute häufig auch beim Thema Interaktivität. Wer Formulare abschicken, Kontakte Netzwerken knüpfen oder E-Mails an Firmen schicken will, muss aus Sicherheitsgründen oft zufällig erzeugte Buchstabenkombinationen eintippen. Diese Captchas, die den Missbrauch durch automatische Bot-Programme vermeiden sollen, können Screenreader aber oft nicht lesen, erklärt Scheer.

Wirklich zugänglich ist eine Webseite auch bei einer durchdachten Trennung von Layout und Inhalt noch lange nicht. Barrierefreiheit heiße nicht nur, eine abgespeckte Lösung anzubieten, erklärt Schmitz das Ziel der «Aktion Mensch» und anderer Initiativen. Es gehe darum, Online-Angebote mit all ihren Potenzialen so zu gestalten, dass alle sie nutzen können. Es geht nicht um eine «Extrawurst» für Behinderte.

Um Menschen mit geistigen Einschränkungen und Lernbehinderungen das Surfen zu ermöglichen, sind einfache Konzepte und verständliche Texte nötig. Beim Layout stehen Programmierer und Webdesigner vor der Aufgabe, Angebote so zu gestalten, dass sie etwa für Farbenblinde oder ältere Menschen gut zu benutzen sind. Auch sollte die Navigation ohne Maus funktionieren. Gerade in solchen Ansätzen zeige sich das innovative Potenzial der Bemühungen um Barrierefreiheit, betonen die Experten. Denn klares Design und einfache Navigation setzten Standards. Und die sind auch entscheidend für das Entwickeln von Webangeboten für Geräte wie Handys.

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