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Steckdose statt Antenne: Powerline im Heimnetz nutzen

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Powerline
Alternative zum WLAN: Mit Powerline-Adapter lassen sich Heim-Netzwerke über das Stromnetz einrichten. (Bild: devolo/dpa/tmn)

am 05.01.2010 | Von Sven Appel, dpa

Hamburg (dpa/tmn) - Die Idee ist simpel: Um Daten zwischen mehreren Computern und anderen netzwerkfähigen Geräten auszutauschen, wird die Stromleitung genutzt. Powerline heißt die Methode, die sich auch im Heimnetzwerk anwenden lässt.

Ein Powerline-Adapter hat auf der einen Seite einen herkömmlichen Stecker, auf der anderen einen Ethernet-Anschluss, mit dem die kurze Distanz zwischen Adapter und PC überbrückt wird. Powerline gilt als idiotensicher, kann aber auch Probleme mit sich bringen.

Der große Vorteil der Technik: Auf das Verlegen eines meterlangen Ethernetkabels quer durch die Wohnung kann ebenso verzichtet werden wie auf WLAN. Powerline lohnt sich zum Beispiel in Einfamilienhäusern, in denen eine nachträgliche Ethernet-Installation zu aufwendig wäre und WLAN wegen der problematischen Überbrückung mehrerer Geschossdecken nicht infrage kommt. «Wenn ich mit WLAN durch mehrere Wände müsste, ist Powerline eine gute Alternative», sagt Michael Link von der Zeitschrift «Computerbild» in Hamburg.

Die Inbetriebnahme von Powerline-Adaptern ist einfach: Nachdem sie mit dem netzwerkfähigen Gerät, etwa einem PC oder einer Spielkonsole, verbunden und in die Steckdose gestöpselt wurden, erkennen sich die Adapter automatisch. Probleme könne es höchstens geben, wenn das Stromnetz nicht «ganz regelkonform» installiert wurde, sagt Link.

Eine Powerline-Installation muss nicht auf zwei Adapter begrenzt sein: Bis zu 256 lassen sich zu einem Netzwerk verbinden, erklärt Christoph Rösseler vom Hersteller devolo in Aachen. Der Grund: Jeder Adapter muss sich die anderen im Netz merken können. Und der Speicher eines Adapters behält maximal die Daten von 255 anderen Modulen.

Weitere Hersteller von Powerline-Produkten sind Allnet, Belkin, Linksys und MSI. Die Geräte arbeiten in der Regel nach den Standards HomePlug 1.0 oder HomePlug AV. Die wesentlichen Unterschiede liegen im Übertragungstempo und in der Verschlüsselung. HomePlug 1.0 bietet Übertragungsraten von bis zu 85 Megabit pro Sekunde (MBit/s).

HomePlug AV ist bis zu 200 MBit/s schnell. «AV» steht für Audio und Video, was klarmacht, welche Daten über die Leitung transportiert werden sollen: Musik und vor allem Filme. Wer HD-Filme zum Beispiel aus dem Internet streamen und auf dem Fernseher anschauen will, müsse zu HomePlug-AV-Produkten greifen, sagt Michael Link. Für Videos oder Fernsehen in Standardauflösung genüge HomePlug 1.0.

Für den Fall, dass jemand nachmisst: Die Kluft zwischen beworbenen und erreichten Geschwindigkeiten sei bei Powerline noch größer als bei WLAN, berichtete die von der Stiftung Warentest herausgegebene Zeitschrift «test». «Insgesamt sind die Verbindungen aber schneller.» Je nach Tempo kosten Adapter-Paare zwischen 50 und 180 Euro. Einzelne Exemplare können bei Bedarf hinzugekauft werden.

Die Stecker verschiedener Hersteller sind kompatibel miteinander - sofern sie nach dem gleichen Standard arbeiten. Laut Link ist es kein Problem, HomePlug-AV-Adapter beispielsweise von devolo und Netgear zu kombinieren. «Aber sie können keinen HomePlug-AV- mit einem Home-Plug 1.0-Stecker zusammen betreiben.»

Zur Datensicherheit: Zwar dämpfen Stromzähler die auf der Leitung transportierten Signale ab. Eine unüberwindbare Barriere stellen sie aber nicht dar, so dass sich Nachbarn mit Powerline-Adapter durchaus ins Netzwerk schleichen könnten. Deshalb sollte der Nutzer das voreingestellte Passwort auf jeden Fall ändern. Das lässt sich am Computer mit der vom Hersteller mitgelieferten Software erledigen.

Manche Adapter besitzen einen kleinen Knopf. Er dient dazu, frisch eingestöpselte Adapter zu paaren - und das Netzwerk somit sicher zu machen. HomePlug-AV-Stecker arbeiten mit 128-Bit-AES-Verschlüsselung. Der ältere HomePlug 1.0-Standard hat eine schwächere Verschlüsselung, die potenziell unsicher ist, so Michael Link von der «Computerbild». Wer in ein fremdes Powerline-Netz will, benötigt aber physikalischen Zugriff, muss also zumindest im gleichen Haus sein. Es reicht also nicht wie bei WLAN, mit einem Notebook im Auto vor dem Haus zu sitzen, um in ein unverschlüsseltes Netzwerk einzudringen.

Zumindest potenziell problematisch sind HomePlug-Adapter für Funkdienste, die im Kurzwellenspektrum arbeiten. Obwohl Powerline über das Stromkabel läuft, strahlen die transportierten Signale unter bestimmten Umständen etliche Meter ab und können zum Beispiel einen Amateurfunker in der Nachbarschaft stören. In der Praxis habe das bisher selten zu Problemen geführt, so Link, der selbst Amateurfunker ist. Fühlt sich aber ein Amateurfunker durch ein Powerline-Netz gestört, kann er das der Bundesnetzagentur melden. Die Behörde könnte den Besitzer des Netzwerkes auffordern, dessen Betrieb einzustellen.

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