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Falschmeldungen im Netz sind nicht tot zu kriegen

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Kontoauszüge
Pfennigbeträge auf dem Konto und anschließend einfach abgezockt? Die angeblich neue Betrugsmasche war eine Falschmeldung. (Bild: dpa)

am 30.12.2009 | Von Catherine Simon, dpa

Hamburg (dpa) - Die Warnung war gut gemeint, doch leider an der Sache vorbei: Ende November warnte die Polizei in Gotha vor einer neuen Betrugsmasche. Verbrecher würden Kleinstbeträge auf zufällig erzeugte Kontonummern überweisen.

«Erfolgt keine Fehlermeldung, heißt das 'das Konto existiert'», warnen die Ermittler - und dann buchten die Betrüger Geld ab. Viele Verbände und später auch Medien griffen die Warnung auf und verbreiteten sie weiter. Doch tatsächlich handelte es sich bei ihr wohl um eine eine Falschmeldung, die sich mit rasender Geschwindigkeit verbreitet - vor allem im Internet.

Meist werden solche «Hoaxes» - englisch für Schabernack oder Falschmeldung - per E-Mail weitergeleitet. Wenige Klicks und schon haben die nächsten zehn Leute den Kettenbrief im Posteingang. Die Klassiker warnen vor neuen Computerviren oder suchen nach Knochenmarkspendern. Oder es wird gar versprochen, am Vermögen von Microsoft-Gründer Bill Gates beteiligt zu werden - wenn man die Mail an 20 Menschen weiterleitet.

«Das typische Kennzeichen, das sofort die eigene Alarmklingel auslösen sollte, ist die Aufforderung 'Bitte weiterleiten!'», sagt Hoax-Experte Frank Ziemann. Er betreibt seit vielen Jahren die Internetseite «hoax-info.de», auf der er vor den Falschmeldungen warnt.

Der neueste Eintrag des IT-Beraters beschäftigt sich mit den ominösen Kleinst-Überweisungen. «Die ersten Meldungen darüber tauchten im Sommer 2008 in Österreich auf», sagt Ziemann. Mehrere Verbraucher hätten sich über unerlaubte Abbuchungen von ihren Konten beschwert, nachdem sie vorher Mini-Beträge überwiesen bekommen hätten. In den per E-Mail verbreiteten Warnungen wurde die Firma Verimount FZE als Täter genannt. Diese sei Verbraucherschützern schon durch bekannte Abzock-Seiten wie «firstload.de» bekannt.

Verbraucherschützer vermuten aber, dass der Betrug anders läuft: «Ein Nutzer geht auf eine Seite und meldet sich für einen kostenlosen Download an. Im Kleingedruckten steht aber, dass man damit gleichzeitig ein Abo über zwei Jahre abschließt, was dann 96 Euro kostet», erklärt Ziemann. Wenn dann ein Cent auf dem Konto landet, um zu prüfen, ob die Kontodaten stimmen, und kurz später der Betrag abgebucht wird, hätten die meisten Betroffenen schon längst vergessen, dass sie ihre Kontodaten selbst herausgegeben haben.

«Wir haben keine Anhaltspunkte, dass diese Ein-Cent-Überweisungen überhaupt vorkamen», sagt der Sprecher des Bundesverbands deutscher Banken, Lars Hofer. Mit Mini-Überweisungen Kontonummern zu testen, sei zwar theoretisch möglich, aber wenig praktikabel. Für einen Lastschriftenauftrag bräuchten Betrüger mehrere Nachweise und eine Vereinbarung mit der Bank. Der Kontoinhaber könne unrechtmäßige Abbuchungen zudem noch Monate später rückgängig machen lassen. Ein solches Vorgehen lohne sich nur ab einer großen Zahl von Abbuchungen. Dies wiederum falle im System der Bank auf, sagt Hofer.

Hoaxes verunsichern nicht nur, sie können auch handfesten Schaden verursachen. Einige der Kettenbriefe fordern dazu auf, bestimmte Dateien auf dem eigenen Rechner zu löschen. Wenn man dies tut, laufen Programme oder der ganze PC nicht mehr. «Auch die Arbeitszeit, die durch Ketten-E-Mails verloren geht, ist ganz ordentlich», sagt Ziemann. Er rechnet vor: Wenn 1000 Mitarbeiter eine Ketten-Mail drei- bis viermal bekommen und jedes Mal drei Minuten Zeit damit verschwenden, komme man schnell auf mehrere Tausend Euro.

Echte Gefahrenhinweise verlieren dagegen durch die Falschmeldungen an Wert. Virus-Warnungen etwa würden nicht mehr per Mail verbreitet, sagt Ziemann. Oft gebe es beim ständigen Weiterleiten, Übersetzen und Kommentieren noch dazu einen «Stille-Post-Effekt» und die E-Mail klinge nachher viel dramatischer als am Anfang.

Die Urheber eines Hoaxes sind fast nie zu fassen, nach wenigen Weiterleitungen ist ihre Spur verwischt. Auch ihre Motive liegen im Dunkeln. Mittlerweile gibt es die schlechten Scherze auch bei Online-Netzwerken wie Facebook und Chat-Programmen wie ICQ und Skype.

Frank Ziemann warnt davor, Kettenbriefe weiterzuleiten - auch wenn sie von einer seriösen Quelle stammen. Die Gothaer Polizei riet den Bürgern, genauer auf ihre Kontoauszüge zu achten. Man habe zwar bisher keine Straftat feststellen können, aber so eine Warnung «kann ja nicht schaden», sagte ein Sprecher. «Wenn die Polizei solche Warnungen weiterleitet, fördert das die Glaubwürdigkeit, aber nicht den Wahrheitsgehalt», sagt dagegen Ziemann.

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