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BerichteLokalisten und Co.: Online vernetzt mit dem Nachbarn
![]() Online-Plattformen wie Lokalisten.de und Meineleute.de erlauben ihren Nutzern, sich mit Menschen aus der eigenen Stadt auszutauschen. (Bild: Schierenbeck/dpa/tmn) am 29.12.2009 | Von Sebastian Knoppik, dpa München/Bremen (dpa/tmn) - Nutzer von Facebook oder Xing tauschen sich weltweit mit Freunden oder Kollegen aus. Gleichzeitig kennen vor allem viele Großstädter ihre Nachbarn nicht. Lokale Online-Netzwerke wollen eine Brücke zwischen realer und virtueller Welt schlagen: Ihre Nutzer können mit Menschen aus ihrer Stadt Kontakt halten. «Eigentlich ist es ein Umweg», sagt Patrick Schenck vom Hamburger Trendbüro: Die Mitglieder der neuen lokalen Communitys nutzen das weltweite Internet, um sich mit den Menschen in ihrer engen Umgebung auszutauschen. Das passt zu einem Dilemma, in dem heute viele sind, berichtet Schenck aus eigener Erfahrung: «Ich kenne meine Nachbarn nicht, aber ich bin mit Menschen befreundet, die im Ausland leben.» Lokales Netzwerken liegt offenbar im Trend: Laut der Allensbacher Computer- und Technik-Analyse hat etwa die Nutzerzahl des Portals lokalisten.de 2009 um 52 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugelegt. Das von ProSiebenSat.1 betriebene Portal hat laut dem Fernsehkonzern mehr als 3,5 Millionen Mitglieder. Auch bei weiteren Communitys steht das Vernetzen mit Menschen aus der Umgebung im Zentrum: Meineleute.de etwa ist der Ableger des Portals meinestadt.de. Und feierabend.de ist ein Netzwerk für Senioren, bei dem es ebenfalls Regionalgruppen gibt. «Eine Ursache für das Entstehen der lokalen Communitys ist sicher das extrem schnelle Wachstum der globalen Netzwerke, die für viele Nutzerinnen und Nutzer inzwischen kaum noch überschaubar sind», sagt Jutta Croll von der Stiftung Digitale Chancen in Bremen. Das wecke den Wunsch nach Nähe - den lokale Netzwerke besser erfüllen können. Schenck sieht die Lokalisierung sozialer Netzwerke auch als Teil einer allgemeinen Entwicklung. So hätten die Möglichkeiten globalen Wirtschaftens zunächst zu einer Orientierung auf weltweite Vernetzung geführt. «Jetzt besinnt man sich wieder auf die Region.» Nutzer lokaler Netzwerken haben laut Lokalisten-Geschäftsführerin Stefanie Waehlert die Möglichkeit, sich «live» kennenzulernen: «Der persönliche Kontakt ist ein wichtiger Aspekt bei Freundschaften. Deshalb unterstützen wir unsere Nutzer dabei, auch im echten Leben Zeit miteinander zu verbringen.» Die Abbildung der realen Welt im Netz ist in den USA schon weiter vorangeschritten. Nutzer der Seite everyblock.com können Nachrichten aus ihrer Stadt bis auf die Ebene von Häuserblocks heruntergebrochen abrufen. Auch die virtuelle Vernetzung von Nachbarschaften ist in den USA laut Schenck ausgeprägter. In Großstädten ist «Neighborrowing» (Verleihen im Kreis der Nachbarschaft) zum Beispiel von Werkzeug verbreitet. Eine weitere mögliche Anwendung sind die von Supermarkt-Pinnwänden bekannten Angebote wie der Verkauf gebrauchter Gegenstände, die Suche nach einem Babysitter oder die Suche nach entlaufenen Vierbeinern. «Solche Angebote wird es künftig vor allem online geben», ist Patrick Schenck überzeug. Die meisten dieser Gesuche oder Angebote ergeben allerdings eben nur unter einer Voraussetzung einen Sinn: wenn beide Partner nah beieinander wohnen.
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