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Telefonieren ohne Schnickschnack: Handys für Senioren

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Senior mit Handy
Wenn im Alter die Augen schlechter werden, ist zwar einfache Bedienbarkeit wichtig. Senioren wollen aber kein «Rentner-Telefon». (Bild: dpa/tmn)

am 17.12.2009 | Von Irena Güttel, dpa

Stuttgart/Hamburg (dpa/tmn) - Mit dem Alter werden die Augen schlechter, die Hände können kleine Tasten nur schwer bedienen. Spezielle Senioren-Handys mit großem Display und großer Tastatur sollen Abhilfe schaffen.

Was bislang hauptsächlich ein Nischenprodukt war, erobert nun immer mehr den Markt. «Das Angebot hat in den letzten Jahren zugenommen», erklärt der Handy-Experte Markus Eckstein von der Telekommunikationszeitschrift «connect» in Stuttgart.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes leben zurzeit 16,9 Millionen Menschen über 65 Jahre in Deutschland, 2030 könnten es schon 23 Millionen sein. «Das Marktpotenzial ist sehr groß», sagt Britta Ullrich. Sie untersucht als Beraterin beim Hamburger Unternehmen Sirvaluse die Bedienungsfreundlichkeit von Produkten. Allerdings sei die Zielgruppe der 60- bis 80-Jährigen sehr heterogen: «Manche sind noch sehr fit und technischen Neuerungen aufgeschlossen. Die anderen fühlen sich schnell überfordert», sagt Ullrich. «Das eine Senioren-Handy gibt es deshalb nicht. Es muss verschiedene Modelle geben.»

Eckstein zufolge richten sich Senioren-Handys vor allem an Menschen, die entweder Berührungsängste mit Technik haben oder die gesundheitlich beeinträchtigt sind. Neben einem großen Display und großen Tasten bieten sie eine einfache Menüführung und verzichten auf Zusatzfunktionen. Einige Modelle sind speziell für Hörgeräte geeignet oder besitzen eine Notruffunktion.

Der österreichische Hersteller Emporia zum Beispiel setzt auf spezielle Lautsprecher für Hörgeschädigte. Sie haben eine niedrige Resonanzfrequenz. Rückkoppelungen wie Pfeifen oder Rauschen werden reduziert. Außerdem können die Sprachsignale mit Hilfe von magnetischer Induktion direkt aufs Hörgerät übertragen werden. Die Tasten sind nicht nur größer, sondern geben beim Drücken auch ein lautes Klicken von sich. Die Laufstärke des Klingeltons ist höher. Durch Blinken macht das Handy zusätzlich auf einen Anruf aufmerksam.

Über Tasten an der Seite des Handys können wichtige Funktionen direkt ausgewählt werden und müssen nicht erst im Menü gesucht werden. Das Modell emporiaLIFEplus ist zudem mit einer Notfalltaste versehen, über die automatisch eine vorher festgelegte Telefonnummer angewählt wird. Meldet sich dort niemand, wird die nächste der fünf gespeicherten Nummern angerufen. Das Handy wählt solange, bis sich unter einer der Nummern jemand meldet. Der Notfallknopf funktioniert auch, wenn die Tastatur gesperrt ist oder das Guthaben auf der Pre-Paid-Karte erschöpft ist.

Nach Ansicht von Eckstein ergeben viele dieser Funktionen durchaus einen Sinn. Dennoch würden die Geräte optisch und haptisch oft billig wirken. «Die großen Tasten sind häufig wackelig und bieten keinen guten Druckpunkt. Die Displays sind sehr grobpixelig.» Dadurch passten lange Wörter nicht immer auf den Bildschirm. Das mache das SMS schreiben kompliziert und unübersichtlich, da die Anwender viel scrollen müssten. «Generell sind Senioren-Handys besser zum Telefonieren als für SMS geeignet.» Auch Menü-Einträge seien oft nur unvollständig zu sehen.

Emporia geht mit dem Schlagwort «Senioren» im Gegensatz zur Konkurrenz offen um. Einfach zu bedienende Handy mit großem Display und großer Tastatur gibt es auch von anderen Herstellern, auch Modelle mit extralautem Klingelton und optischer Anrufanzeige. Doch das Wort «Senioren» meiden sie. Stattdessen wird etwa, wie beim Hersteller amplicom, von «Mobiltelefonen für besondere Zielgruppen» gesprochen.

Nicht nur das Marketing, sondern auch das Design ist eine Herausforderung für die Hersteller. «Das Gerät muss schick aussehen und gleichzeitig einfach zu bedienen sein», sagt Ullrich. Auf den ersten Blick dürfe nicht zu sehen sein, dass es ein spezielles Telefon ist. «Wenn 'Senioren-Handy' draufsteht, wollen es fitte Ältere gar nicht erst haben.» Gerade weil auch Kranke oder Behinderte zu den Nutzern gehörten, wollten sich rüstige Rentner damit nicht in der Öffentlichkeit zeigen. Das Design müsse also zeitgemäß sein, und das Handy dürfe nicht als anders auffallen.

Laut Markus Eckstein sind Mobiltelefone für Senioren oder «besondere Zielgruppen» verhältnismäßig teuer, was mit den geringen Produktionszahlen zusammenhängt. «Gemessen an dem, was sie können, werden sie tendenziell aber immer ein bisschen teuerer sein.» Deshalb empfiehlt er älteren Menschen, die einfach nur Schwierigkeiten mit der kleinen Schrift normaler Handys haben, sich mit Klappmodellen zu behelfen. Diese hätten ein größeres Display und größere Tasten bei besserer Bildqualität und zusätzlichen Funktionen.

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