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Wikileaks kämpft für totale Transparenz

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Wikileaks
Die Macher des Internetportals Wikileaks wollen den Mächtigen auf die Füße treten. (Bild: «wikileaks.org»)

am 27.11.2009 | Von Lars-Marten Nagel und Christof Kerkmann, dpa

Hamburg (dpa) - Wiki- was? Das Internetportal Wikileaks ist in Deutschland bislang weitgehend unbekannt. Das könnte sich ändern: In den vergangenen Tagen hat es mit zwei brisanten Veröffentlichungen für Schlagzeilen gesorgt.

Erst förderte es Hunderttausende SMS und andere Textnachrichten zutage, die in den Wirren der Terroranschläge vom 11. September in New York verschickt wurden; dann tausende Seiten des bislang unter Verschluss gehaltenen Mautvertrags zwischen der Bundesregierung und dem Betreiberkonsortium Toll Collect.

Dass der Name an Wikipedia erinnert, ist kein Zufall. Wie bei dem großen Mitmach-Lexikon kann jeder etwas veröffentlichen. Es geht aber nicht um das Wissen der Welt, sondern um geheime Dokumente - daher das «leaks» im Namen, das für undichte Stellen steht. Die Portal- Betreiber sehen sich als «Ansprechpartner für diejenigen, die unethisches Verhalten in ihren eigenen Regierungen und Unternehmen enthüllen wollen.» Diesen sichern die Macher volle Anonymität zu.

Die Idee dahinter: Kritische Journalisten und Blogger sollen die geheimen Informationen aufgreifen und so Öffentlichkeit herstellen. Wikileaks hat vorrangig die «durch Unterdrückung geprägten Regime» im Blick - etwa China, Russland oder den Nahen Osten. Zahlreiche Dokumente stammen aber aus der westlichen Welt, zum Beispiel wenn sich Behörden geheimniskrämerisch geben wie im Fall «Toll Collect». Journalisten und Bundestagsabgeordnete hatten seit Jahren versucht, Einsicht in den Vertrag zu bekommen. Vergeblich.

Auf der Plattform veröffentlicht wurden auch die Handbücher der Guantánamo-Wachen und Unterlagen, die auf Steuerhinterziehung und Geldwäsche beim Schweizer Bankhaus Julius Bär hinwiesen. Renommierte Medien wie die «New York Times» oder der «Guardian» greifen mittlerweile regelmäßig auf Dokumente von Wikileaks zurück.

Um keinen Fälschungen aufzusitzen, prüfen die Mitarbeiter alle Dokumente vor der Veröffentlichung so gut sie eben können. Bislang seien sie noch nie auf eine Fälschung hereingefallen, beteuern die ehrenamtlichen Enthüller immer wieder.

Allerdings stoßen die weltweit 1200 Mitarbeiter mittlerweile an ihre Grenzen. Mehr als 1,2 Millionen Dokumente von allen Kontinenten und in diversen Sprachen stehen online - zu viele, um alle auf Herz und Nieren zu überprüfen. Sollte einmal ein falsches Dokument durchrutschen, setzen die Betreiber auf den Wikipedia- Effekt: Einem Internetnutzer wird es schon auffallen, und der kann seine Warnung direkt neben das Dokument schreiben.

Kritiker vermissen redaktionelle Kontrolle. Die «Federation of American Scientists» etwa beklagt, Veröffentlichungen könnten «einen Akt der Aggression oder eine Aufwiegelung zur Gewalt darstellen, nicht zu erwähnen das Eindringen in die Privatsphäre oder der Angriff auf den guten Geschmack.» Was etwa, wenn jemand die Anonymität zu Diffamierungen nutzt?

Auch von der Öffentlichkeit akzeptierte Geheimhaltungsgründe - etwa laufenden Ermittlungsverfahren - werden von Wikileaks ignoriert. So steht seit einigen Tagen eine Ermittlungsakte der Polizei in Baden-Württemberg online, in der Fahndungsergebnisse aus einem Korruptionsfall ausführlich dargestellt sind.

Klar ist: Wikileaks macht Arbeit. Die Rechercheure müssen die Dokumente lesen und überprüfen. Bei der Lektüre des 10 000-seitigen Vertragswerkes zur Lkw-Maut hoffen die Macher allerdings - ganz Wiki- mäßig - auf den Fleiß der Massen. Das Blog Netzpolitik.org spricht von einem «kollaborativen Experiment». Das könnte Wikileaks weitere Schlagzeilen einbringen.

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