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Geschäfte mit digitalen Nachlass

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Digitale Nachlassverwaltung
Wenn jemand stirbt, müssen sich die Angehörigen auch um den digitalen Nachlass kümmern. (Bild: dpa)

am 17.11.2009 | Von Britta Schultejans, dpa

Hamburg (dpa) - Ein immer größerer Teil des Lebens spielt sich online ab - und auch der Tod wird digital. Millionen Menschen haben sich in sozialen Netzwerken wie StudiVZ ein Profil angelegt, Fotos hochgeladen, Nachrichten geschickt und digitale Freundschaften geschlossen.

E-Mail-Konten und der Online-Bankverkehr sind mit Passwörtern gesichert, die oft nur der Gestorbene kannte. Im Todesfall müssen sich die Hinterbliebenen also auch um diesen digitalen Nachlass kümmern.

«In Zukunft wird es - so wie es Karteileichen gibt - immer mehr Internetleichen geben», sagt die Theologin Birgit Janetzky, die Bestattern Seminare zum Thema Tod und Internet anbietet. Heute gehören die meisten Internet-Nutzer noch zur jüngeren Generation. In Zukunft werden aber unter den etwa 850 000 Menschen, die pro Jahr in Deutschland sterben, immer mehr Internetnutzer sein, die ihre Spuren auch online hinterlassen haben. «In zehn Jahren wird es dann richtig akut», sagt Janetzky.

«Als ein Bekannter von mir Selbstmord beging, hatte niemand Zugriff auf seine Homepage. Das war ein Problem», sagt sie. Gerade im Bestattungswesen kenne sich mit der Problematik aber kaum jemand aus - viele Angehörige wüssten nicht, was sie machen sollen. Viele hätten dann Angst vor Missbrauch der verwaisten Profile, Homepages und E-Mail-Konten.

Bei sozialen Netzwerken wie Facebook oder StudiVZ und E-Mail-Anbietern ist das Prozedere im Todesfall sehr unterschiedlich. Bei Facebook gibt es ein Standardformular für Angehörige, bei StudiVZ wird nach individuellen Regelungen gesucht. Bei E-Mail-Anbietern kann es zuweilen schwierig sein, Zugang zu den Konten zu bekommen. Hotmail.de verlangt zum Beispiel neben einem Erbschein einen Antrag auf Englisch.

Dieses Problem haben jetzt clevere Geschäftemacher erkannt. Startup-Unternehmen wollen Geld machen mit der Verwaltung des digitalen Nachlasses. Die Website «Legacy Lockers» aus San Francisco zum Beispiel bietet - auf hellblauem Hintergrund mit weißen Wolken - einen «sicheren und verlässlichen Weg, Ihre Accounts an Ihre Freunde und Ihre Lieben weiterzugeben».

Kunden können dort ihre Passwörter für Facebook, Myspace und Co. hinterlegen, die im Todesfall an eine Vertrauensperson weitergeleitet werden - Datenschützer raten von solchen Diensten dringend ab. Außerdem kann man eine Nachricht vorbereiten, die im Fall der Fälle an Freunde und Bekannte geschickt wird - eine E-Mail aus dem Jenseits. Damit unschöne, verfrühte Nachrichten niemanden in Panik versetzen, verlangt «Legacy Lockers» eine Kopie der Todesurkunde, bevor die E-Mail rausgeht.

Pro Jahr kostet der Service rund 30 Dollar. Hat der Kunde vor, noch länger als zehn Jahre zu leben, bietet sich die Einmalzahlung an. Für 300 Dollar hat er den Service bis ans Lebensende. Ähnliche Dienstleister gibt es inzwischen zuhauf: Beim Schweizer Dienst «Datainherit» kann man seine Passwörter auch in deutscher Sprache sichern lassen. In Großbritannien eröffnet der «Last Messages Club» die Möglichkeit, sich elektronisch von den Lieben zu verabschieden.

Die Seite deathswitch.com, die sich selbst als «Informationsversicherung» verstanden wissen will, wirbt: «Sterben Sie nicht mit Geheimnissen, die keine mehr sein sollten.»

Die Theologin Janetzky sieht in der Existenz dieser Firmen einen Beleg für eine neue Trauerkultur. «Die jungen Leute trauern jetzt in ihren Communities», sagt sie. Und das bietet auch neue Möglichkeiten: Wo früher eine Todesanzeige in der Lokalzeitung reichte, um alle wichtigen Leute zu informieren, müssen heute Studien- und Arbeitskollegen oder alte Schulfreunde in aller Welt benachrichtigt werden. Allein in Deutschland gebe es mehr als 50 Anbieter von Gedenkseiten, die auf der ganzen Welt zu sehen sind. «Da verändert sich etwas in der Gedenkkultur.»

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