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Spiele-Soundtracks werden immer aufwendiger

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Spiele-Soundtracks
«Final Fantasy XI» statt Beethovens Neunter: Für Aufnahmen von Videospiel-Soundtracks werden mitunter komplette Orchester engagiert. (Bild: Messe Leipzig/dpa/tmn)

am 04.11.2009 | Von Sebastian Bronst, dpa

Berlin/Mainz (dpa/tmn) - Längst vorbei ist die Zeit von blechern klingender Musik: Soundtracks von Videospielen haben eine Entwicklung durchgemacht, die sie in eine Liga mit aufwendig produzierter Filmmusik katapultiert hat.

Heute erscheinen kaum noch namhafte Titel ohne epische Klangkulisse. Eingespielt von Symphonieorchestern oder bekannten Bands, sind solche Soundtracks heute Eckpfeiler für ein immer realistischeres und mitreißenderes Spielerlebnis.

«Die technischen, vor allem grafischen Möglichkeiten der Spiele sind in den letzten Jahren so immens gewachsen, dass sich bei vielen Spielern und Entwicklerteams ein neuer Anspruch manifestiert hat», sagt Tilman Sillescu von Spielemusik-Schmiede Dynamedion aus Mainz. Die steigende Rechnerleistung ermögliche realistischere Grafiken mit filmreifem Anspruch - der musikalische Unterstützung brauche. Ähnlich sieht es Stephan Krohn. Er befasst sich am «gameslab» der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin mit der Rolle von Musik in Spielen. «Generell wird die Rolle der Soundtracks in Spielen immer bedeutender.»

In Spielerkreisen hochgelobt für ihre Soundtracks werden etwa die Rollenspiele «Bioshock» und «Dead Space», Strategie-Abenteuer wie «Anno 1404» und «Die Siedler: Aufstieg eines Königreiches» oder auch die Sportsimulation «NBA2K9». Letztere hat laut Krohn eine «extrem realistische Stadionatmosphäre» zu bieten.

Ganz vorn auf der Liste gelungener Soundtracks stehen die Arbeiten von Nobuo Uematsu aus Japan. Er hat die Soundtracks zur Reihe «Final Fantasy» geschrieben. Auch die vom Hollywood-Komponisten Harry Gregson-Williams («Armageddon», «Shrek») geschriebene Musik zu «Metal Gear Solid 3» gilt als Paradebeispiel.

Dass sich gerade Film-Komponisten auch bei Spielen hervortun, ist kein Zufall: Neben dem Aufwand bei der Produktion ist die Funktion ähnlich. Bei den auf atmosphärische Wirkung angelegten Spielen gehe es ums Vermitteln von Emotionen. «Die Funktion von Spielemusik hat starke Ähnlichkeiten mit der Funktion von Filmmusik», sagt Krohn. Sie solle Stimmungen unterstützen, «Erlebniseffekte» verstärken und eine Handlung durch Erkennungsmotive und Leitthemen strukturieren.

Zusätzliche Dynamik erhält der Trend hin zu professionelleren Soundtracks durch die Musikindustrie. Sie hat Spiele als Medium für Künstler entdeckt. Entwickler der ersten Games-Generation mussten sich Ohrwürmer meist von Bekannten komponieren lassen. Heute sind große Bands mit von der Partie, sagt Martin Lorber vom Spieleanbieter Electronic Arts in Köln - darunter Franz Ferdinand und Mando Diao.

Experten sehen das Ende der Fahnenstange noch nicht als erreicht an. Vor allem bei Musik für storybasierte Spiele stecke man «noch in den Kinderschuhen», meint Sillescu. So lerne die Branche gerade, dass die Herausforderungen bei Soundtracks für hochkomplexe Spiele größer seien als bei Filmmusik. Während diese in ihrem Ablauf festgelegt sei, müsse sich das Vertonen eines Spiels den Aktionen des Spielers anpassen und dabei trotzdem ein «organisches Grundgefühl» vermitteln.

«Die Stücke müssen in allen Kombinationen funktionieren, denn der Spieler kontrolliert das Geschehen und damit auch Länge und Abfolge der Musikstücke», erläutert der Fachmann. Auch Krohn betont die Besonderheiten, die sich aus dem Aufbau von Spielen für Entwickler von Soundtracks ergeben. Die stünden vor der Aufgabe, trotzdem ein stimmiges Konzept durchzuhalten. Das sei nicht einfach und gelinge nicht immer. «Schlechte Soundtracks brechen mit diesen Regeln.»

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