IT-News World - tägliche PC-, Internet- und IT-NewsIT-News World:   Home | Hier werben | Impressum |
 

 
 

Anzeige 
 
Startseite Aktuelles Berichte Tipps Spiele Surftipp Netzwelt News-Archiv
 
 
IT-News World » Berichte » Was ist für Wikipedia wirklich wichtig?

Berichte

Was ist für Wikipedia wirklich wichtig?

Bewertung:
Was ist für Wikipedia wirklich wichtig? IT-News-World.de 0 5 3
Löschwahn
«Löschwahn» oder nötiges Ausmisten? Die Wikipedianer diskutieren durchaus mit Humor, was in die Online-Enzyklopädie gehört - und was nicht. (Bild: «wikipedia.org»)

am 03.11.2009 | Von Marco Hadem, dpa

Hamburg/Berlin (dpa) - «Tschunk» ist ein Cocktail mit Club-Mate und Rum. Hinter dem Begriff verbirgt sich aber weit mehr als ein Mixgetränk. Er steht exemplarisch für eine kontroverse Diskussion über die größte Internet-Enzyklopädie der Welt - Wikipedia.

Denn die ehrenamtlichen Mitarbeiter streiten darüber, ob Dinge wie «Tschunk» in das Lexikon gehören. Eine Bestandsaufnahme über einen immer lauter werdenden Streit im Netz.

Schwelte der Streit in der Vergangenheit nur innerhalb der Wikipedia, haben jüngst Fälle auch außerhalb der Community - etwa bei Twitter und in diversen Blogs - große Wellen geschlagen. Dabei ging es neben dem Mischgetränk «Tschunk» vor allem um «MOGIS» - die Vereinigung «Missbrauchsopfer gegen Internetsperren».

Beide Seiten haben eines gemeinsam: Sie wurden nach langen Diskussionen wegen fehlender Relevanz aus der «Wiki» gelöscht - im Falle von «MOGIS» wegen einer umstrittenen Vereinsstruktur und fehlenden Nachweisen über die Mitgliederzahlen, und bei «Tschunk», weil nicht jedes Mixgetränk einen eigenen Eintrag benötige.

Was ist relevant und gehört in die Wikipedia? Über diese Frage streiten die Wikipedianer, wie sich die ehrenamtlichen Autoren nennen, seit langem. Das Ergebnis des Zwists ist eine Spaltung der Mitglieder in zwei Lager. Auf der einen Seite sind da die sogenannten «Inklusionisten»: Sie wollen möglichst viele Artikel ins Lexikon aufnehmen, solange diese gut geschrieben sind. Ihnen gegenüber stehen die «Exklusionisten», die auf die besagte Relevanz achten.

Im Grunde genommen streiten sich die Parteien also um eine Definitionsfrage. Wikipedia selbst erklärt den Begriff übrigens wie folgt: «Relevanz steht für Bedeutsamkeit, ein Maß für die Wichtigkeit einer Sache oder Information in der Realität.» So einfach dies zunächst klingen mag, eine Antwort auf die Diskussionen kann sie nicht liefern.

Dies sieht auch Nina Gerlach so. Sie ist seit Mitte 2004 als Administratorin bei Wikipedia unter anderem für die Löschung von Einträgen verantwortlich und zählt zu den Verfechtern einer strengen Relevanzkontrolle. «Genau wie ein normales Lexikon muss auch Wikipedia eine Auswahl bei den Artikeln treffen.» Das Argument, im Internet gebe es keine Platzprobleme, lässt sie nicht gelten: «Wir wollen hier keine gelben Seiten sein. Qualität und Bedeutung der Artikel müssen immer im Vordergrund stehen.» Unter der willkürlichen Freigabe aller Artikel würde ansonsten die gesamte Wikipedia leiden.

Aus der Sicht von Autoren wie Felix Neumann setzt die Diskussion an der falschen Stelle an: «Die Energie der Beteiligten sollte nicht in endlosen Diskussionen über die Löschungen vergeudet werden, sondern zur Verbesserung der Beiträge.» Ihn störe es sehr, dass Artikel bisweilen nur Minuten nach der Veröffentlichung von anderen Mitgliedern zur Löschung vorgeschlagen würden. «Relevant ist doch, was abgerufen wird und nicht, was irgendwann einmal in Kriterien festgeschrieben wurde.»

Bei Wikipedia stehen derzeit mehr als 854 000 registrierte Nutzer und unzählige anonyme Autoren einer Gruppe von 332 gewählten Administratoren gegenüber. Auch wenn die Standpunkte der Streitenden - sowohl innerhalb der einzelnen Gruppen als auch zwischen den Administratoren und den Autoren - weit auseinanderzuliegen scheinen, sind sie sich in einem einig: Die oft festgefahrenen und polemischen Diskussionen müssen wieder sachlicher und konstruktiver werden.

«Diskussionen wie diese werden nie ein endgültiges Ende haben, sondern müssen kontinuierlich geführt werden», sagt Pavel Richter, Geschäftsführer von Wikimedia-Deutschland. «Wikipedia soll eine Enzyklopädie sein und kein kommentiertes Google. Deshalb können Fragen wie "ist ein Verein wie MOGIS für Wikipedia interessant" immer nur im Einzelfall entschieden werden.»

Mehr Klarheit soll ein Treffen der Wikipedianer am 5. November in Berlin bringen. Erstmals in der Historie der Enzyklopädie wollen die Mitglieder dort an einem Verhandlungstisch diskutieren. Entgleisungen und Beleidigungen sollen danach wieder der Vergangenheit angehören.

Wikipedianer wären übrigens keine Wikipedianer, würden sie nicht auch der laufenden Diskussion um die Löschungen einen - wenn auch internen - Eintrag widmen. So findet sich auf einer Projektseite unter dem Stichwort «Löschwahn» ein humorvoller Eintrag: «Der Löschwahn ist eine sehr milde Form der Manie. Die Krankheit grassiert besonders unter deutschen Wikipedianern.»

Links

IT-News als RSS-Feed lesen

« vorheriger Artikel
Neues Debatten-Portal «The European» am Start
nächster Artikel »
Sony Ericsson bringt Smartphone auf Android-Basis

Weitere News aus Berichte

Online-Netzwerke: Im langen Schatten von Facebook

09.02.2012 | Von Christof Kerkmann, dpa | Berlin (dpa) - Alle reden über Facebook - aber was ist eigentlich mit StudiVZ oder Wer-kennt-wen? Die deutschen Online-Netzwerke suchen sich Nischen, um gegen den schier übermächtigen Konkurrenten zu bestehen. Ihre Zukunft ist allerdings ungewiss.  .  Weiter lesen ...

Duales System: Ein Smartphone beruflich und privat nutzen

09.02.2012 | Von Dirk Averesch, dpa | Berlin (dpa/tmn) - Eins für die Arbeit, eins privat: Viele schleppen sich mit zwei Handys herum und sind genervt. Dabei gibt es Lösungen, wie das Firmengerät sicher privat genutzt werden kann - und umgekehrt.  .  Weiter lesen ...

Duales System: Ein Smartphone beruflich und privat nutzen

09.02.2012 | Von Dirk Averesch, dpa | Berlin (dpa/tmn) - Eins für die Arbeit, eins privat: Viele schleppen sich mit zwei Handys herum und sind genervt. Dabei gibt es Lösungen, wie das Firmengerät sicher privat genutzt werden kann - und umgekehrt.  .  Weiter lesen ...

Von A bis Z: Diese Software-Basics gibt es gratis

08.02.2012 | Von Dirk Averesch, dpa | Berlin (dpa/tmn) - Fürs Ultrabook das letzte Ersparte zusammengekratzt? Einen Kleinkredit für den Gaming-PC aufgenommen? - Dann ist für Software kein Geld mehr übrig. Macht aber nichts. Denn gute Programme müssen nichts kosten. Hier sind sie im Überblick:  .  Weiter lesen ...

Gaming mit alten Rechnern: Hilfreiche Handgriffe

07.02.2012 | Von Tobias Hanraths, dpa | Berlin/Dresden (dpa/tmn) - Fantasieländer, Dschungel oder der Weltraum: Ein Gaming-PC mit Top-Ausstattung ist für seinen Besitzer das Ticket zu Reisen in aufregende Welten. Für Besitzer älterer Rechner sind solche Trips nicht ganz so leicht - aber auch nicht unmöglich.  .  Weiter lesen ...

Weitere News aus dem Bereich Berichte »

 

Online-Shopping / Wer im Netz Kleidung kauft, bekommt die Ware oft günstiger als im Geschäft. (Bild: Segbers/dpa/tmn)
 
     
 

Anzeige