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Richtig zwitschern: Tipps für Twitter-Neulinge

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Twitter
Wer sich etwas in die gängigsten Twitter-Codes eingefuchst hat, wird deutlich mehr Spaß an dem Kurznachrichtendienst haben. (Bild: dpa/tmn)

am 03.11.2009 | Von Florian Oertel, dpa

Hamburg (dpa/tmn) - Mehr als 50 Millionen Mitglieder hat Twitter, wie Statistiker in den USA ermittelt haben - eine stolze Zahl. Aber auch ein anderer Wert ist erstaunlich: Fast 40 Prozent der Mitglieder hat bisher noch keine einzige Nachricht geschrieben.

Das könnte daran liegen, dass die Abkürzungen und Symbole, mit denen viele der Tweets gespickt sind, erstmal verwirren. Deutsche Nutzer schreckt womöglich die englischsprachige Oberfläche ab. «Alles halb so wild», versichern Experten allerdings - und erklären die wichtigsten Twitter-Codes:

Muss ich auf Englisch twittern? «Nein», sagt Nicole Simon, Expertin für Social Media. «In Deutschland ist die Twitter-Sprache Deutsch.» Anders sieht es nur dann aus, wenn ein Nutzer vorrangig Follower aus einem bestimmten anderen Sprachkreis gewinnen will. Dann empfiehlt es sich, durchgängig in dieser Sprache zu schreiben und nicht zwischendurch zum Deutschen zu wechseln, weil das die Follower übelnehmen könnten.

Was bedeutet «RT»? Damit beginnen sehr viele Tweets. Die beiden Buchstaben stehen für «Retweet», also «erneut tweeten». «Es hat sich eingebürgert, dass man retweetet, was man für interessant hält», wie Sven Wiesner, freier Social-Media-Berater aus Hamburg erklärt. Diese Praxis ist wie etliche andere nicht von den Betreibern eingeführt worden, sondern aus der Community heraus entstanden.

Browser oder Client? Wer den Dienst über den Browser nutzt, gibt zuerst «RT» und den Namen des ursprünglichen Posters - mit vorangestelltem «@» - ein und kopiert dahinter die Nachricht ins Eingabefeld. Wer einen Twitter-Client - spezielle Programme mit Zusatzfunktionen - wie «Twhirl», «Seesmic» oder «TweetDeck» verwendet, muss dagegen nur auf einen Button drücken, und fertig ist der Retweet.

Die richtige Länge? Nur 120 statt der insgesamt erlaubten 140 Zeichen lautet Simons Tipp für Nutzer, die wollen, dass ihre Nachrichten retweetet werden: Sonst passen das «RT» und der eigene Nutzername mit dem «@» nicht davor, und die Nachricht wird ohne Bezug auf die eigene Person weiterverbreitet oder schafft es gar nicht erst über den Kreis der persönlichen Follower hinaus.

Direct Messages sind Nachrichten, die nur einen einzigen Follower erreichen sollen. Wer rechts auf der Seite «Direct Message» anklickt, kann aus einer Liste die gewünschte Person auswählen. Oder er beginnt die Nachricht mit «d», einem Leerzeichen und dem Nutzernamen. «Das erkennt Twitter dann als Direct Message», erklärt Wiesner. Nutzer, die nicht in der Follower-Liste stehen, lassen sich nicht direkt anschreiben. «Das ist ein Spamschutz, der bewahrt vor unerwünschten Privatnachrichten», wie Klaus Eck, Web-2.0-Experte und Kommunikationsberater, erklärt.

Was hat es mit dem «@» auf sich? Zum einen kann ein Nutzer einen anderen im öffentlichen Tweet direkt ansprechen, indem er das Zeichen und den Namen voranstellt - wie in Foren. Nicht nur via Clients, auch direkt im Browser geht das händisch oder per Klick auf den halbrunden Pfeil, der beim Bewegen des Mauszeigers über einem Tweet des Nutzers erscheint. Wer dagegen in einem eigenen Tweet an alle Follower einen anderen Nutzer erwähnt, stellt das «@» laut Eck voran, um einen Link zu ihm zu produzieren.

Warum andere Nutzer erwähnen? Wer die Nachrichten eines bestimmten «Twitteraten» interessant findet, kann ihn so seinen Followern ans Herz legen - etwa am «Follow Friday», wie Wiesner erklärt: «Es ist üblich, dass man freitags einen Nutzer empfiehlt, dem man am liebsten folgt.» Weitere Tage wie der «Charity Tuesday» spielen dagegen laut Klaus Eck in der deutschsprachigen Twitter-Gemeinschaft keine Rolle.

Was bedeutet das «#»? Die Raute - auch unter deutschen Nutzern «Hashtag» genannt - dient dem Verschlagworten. Wer etwa von einer Konferenz twittert, versieht seine Tweets mit einem zuvor von den Teilnehmern ausgewählten Kürzel und stellt das «#» voran. Dann sind alle Tweets zur Konferenz über die Suche mit diesem Schlagwort zu finden. «Follow Friday»-Nachrichten zum Beispiel tragen üblicherweise das Schlagwort «#ff».

Wozu diese Zahlen-Buchstaben-Kombination? Dahinter verbergen sich Web-Links, die mit einem Kurz-URL-Dienst geschrumpft wurden, um in die Tweets zu passen. Die Dienste der Wahl unter Twitterern, da als zuverlässig bekannt, sind laut Nicole Simon «bit.ly» und «tinyurl.com».

Was sind Favorites? Wer einen Tweet besonders lustig, spannend oder interessant findet, fährt mit dem Mauszeiger darüber und klickt statt des halbrunden Pfeils den Stern an. Und schon ist die Nachricht in der Favoritenliste gespeichert.

Wie streng muss ich die Twitter-Regeln befolgen? «Es ist wichtig, Mechanismen wie '@' und 'RT' zu kennen», sagt Wiesner - auch Simon und Eck sehen das so. Allerdings warnen alle drei Experten Neulinge vor zu viel Respekt. «Statt 'RT' kann man auch 'via' schreiben», sagt Eck. Und auch wer beim Retweeten mal vergisst, die Quelle zu nennen, muss sich laut Simon keinen Kopf machen: «Es gehört sich, das zu nutzen, aber da herrscht nicht das spanische Hofzeremoniell.»

Literatur: Nicole Simon, Nikolaus Bernhardt, Twitter. Mit 140 Zeichen zum Web 2.0, Open Source Press, ISBN-13: 978-3-9375-1474-1, 19,90 Euro

Infos

«Unfollow» ist kein Drama Twitter-Nutzer können anderen Nutzern folgen, sie können ihnen die Gefolgschaft aber auch kündigen, wenn sie deren Nachrichten dann doch nicht so spannend finden. Den Button «Unfollow» zu drücken, ist laut der Social-Media-Expertin Nicole Simon unproblematisch. «Man twittert, um auf unverbindliche Weise mit interessanten Leuten in Kontakt zu kommen, ohne gleich Freunde zu werden.» Jemanden aus der Follow-Liste zu streichen, heißt deshalb nicht, eine Freundschaft aufzukündigen.

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