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Web-Adressen bald auch in Arabisch oder Chinesisch

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Neue Schriftarten
Das Internet wird internationaler. Die Internet-Verwaltung ICANN will Adress-Endungen wie «.com» in Schriftarten wie Chinesisch zulassen. (Bild: dpa)

am 29.10.2009 | Von Christof Kerkmann, dpa

Seoul (dpa) - Koreanisch, Kyrillisch, Arabisch: Das Internet wird internationaler. Die Internet-Verwaltung ICANN will Adress-Endungen wie «.de» - sogenannte Top Level Domains - in nicht-lateinischen Schriftzeichen zulassen.

Die Organisation trifft die Entscheidung voraussichtlich an diesem Freitag (30.10.) bei einem Treffen in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. «Von den 1,6 Milliarden Internetnutzern verwendet mehr als die Hälfte Sprachen, die nicht auf lateinischer Schrift basieren», begründet ICANN-Chef Rod Beckstrom den Schritt. Erste Websites mit den neuen Endungen seien voraussichtlich ab Mitte 2010 online.

Amerikanische Forscher verschickten vor 40 Jahren erstmals eine Nachricht über zwei verbundene Computer, bis heute prägen sie das globale Netz. «Viele Schwellenländer haben das Internet lange nicht beachtet», sagt Thomas Keller, Experte für Domains beim Internet- Dienstleister 1&1. Erst seit ein paar Jahren wächst ihr Interesse - und mit ihm die Forderung nach wahrhaft internationalen Domain-Namen.

Einige Nutzer hätten das Gefühl, das Netz sei eine angelsächsische Gemeinschaft, kritisiert nun etwa Kwon Hyun Joon, Funktionär der koreanischen Internetverwaltung. «Es sollte allen Menschen auf der ganzen Welt zur Verfügung stehen - unabhängig von ihrer Sprache», fordert der Koreaner stellvertretend für viele Menschen in Ländern wie China, Korea, Russland oder Indien.

Nun ist es nicht so, als ob zurzeit jeder Surfer fließend Englisch beherrschen muss, um online zu gehen. Teile der Adresse können auch jetzt schon in der Landesschrift eingegeben werden - nur die Top Level Domain noch nicht. «Das ist eine Sache von Nationalstolz und in manchen Fällen von kultureller Identität», sagt ICANN-Chef Beckstrom.

Einige Länder wie China und Thailand umgehen das Problem bereits jetzt mit einem technischen Trick. Den hat die Internetverwaltung ICANN aber nicht anerkannt, zudem funktioniert er nicht auf allen Computern. Wird die bereits im vergangenen Jahr beschlossene Änderung wie erwartet endgültig verabschiedet, wird das Internet erstmals wirklich international.

Die bisherige Beschränkung hat technische Gründe. Jede Adresse im Internet muss übersetzt werden: von der langen Version in Zahlen und Zeichen, die sich Menschen gut merken können, in eine maschinenlesbare Zahlenkombination - die IP-Adresse. Das Dolmetschen übernehmen Namensserver. Sobald ein Nutzer einen Domain-Namen aufruft, spucken sie die Zahlenkombination aus. Für «www.bundesregierung.de» ist das etwa die Adresse 217.79.215.248.

Das Wörterbuch der Namensserver ist bislang beschränkt auf den ASCII-Schriftsatz. Dieser «American Standard Code for Information Interchange» enthält nur lateinische Zeichen - weder deutsche Umlaute noch chinesische Zeichen sind darin zu finden. Mit anderen Worten: Im Lexikon fehlten die Kapitel, um Adressen mit solchen Top Level Domains zu übersetzen. Der Teil vor dem Punkt darf allerdings schon jetzt aus anderen Zeichen bestehen, darunter «ä», «ö» oder «ü».

Die Internet-Lenker haben nun ein System entwickelt, um genau das auf Top Level Domains auszuweiten. Besteht sie aus einer anderen Schriftart als der lateinischen, wird künftig doppelt gedolmetscht. Alle Zeichen der Welt sind in dem universalen Schriftsatz Unicode festgehalten. Chinesische Symbole werden künftig zunächst von Unicode in ASCII übertragen und anschließend in die IP-Adresse.

Während die neuen Endungen von Russland bis Korea begeistert aufgenommen werden, sind viele internationale Unternehmen skeptisch. «Markenrechtsinhaber befürchten, dass sie großen Aufwand betreiben müssen, um ihre Domains zu registrieren und zu schützen», sagt Experte Keller. Denn das Internet wird nicht nur internationaler, sondern auch unübersichtlicher.

Infos

ICANN: Verkehrsbehörde des Internet ICANN ist so etwas wie die Verkehrsbehörde des Internets. Zu den wichtigsten Aufgaben der nicht-kommerziellen Organisation gehört es, das sogenannte Domain Name System flott zu halten. Dieses Verzeichnis sorgt dafür, dass jeder Rechner, der ans Netz angeschlossen ist, sich innerhalb von Sekundenbruchteilen mit Internet-Servern in der ganzen Welt verbinden kann. Zum anderen wacht die ICANN über die Adress-Endungen wie «.de» oder «.com» - die sogenannten Top Level Domains. Die Kurzform ICANN steht für «Internet Corporation for Assigned Names and Numbers», das heißt in etwa «Firma für zugewiesene Namen und Nummern». Die US-Regierung unter Bill Clinton gründete die Organisation 1998. Die ICANN hat ihren Sitz im kalifornischen Marina del Rey und unterliegt amerikanischem Recht. Erst kürzlich hat die US-Regierung ihren Einfluss auf die Behörde gelockert.

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