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Veröffentlichen ohne Verlag: Portale für Hobbyliteraten

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Portale für Hobbyliteraten
Wenn Hobbyautoren für ihre Geschichten keinen Verlag finden, können sie diese auf Literaturportalen im Internet veröffentlichen. (Bild: Schierenbeck/dpa/tmn)

am 15.10.2009 | Von Florian Oertel, dpa

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Wer eigene Geschichten schreibt, kann versuchen, sie bei einem Verlag unterzubringen - und wird mit einiger Wahrscheinlichkeit ernüchternde Erfahrungen machen.

Denn obwohl es auf der Frankfurter Buchmesse (14. bis 18. Oktober) mit ihren kaum zählbaren Neuheiten scheint, als könne jeder etwas veröffentlichen, ist das ein Trugschluss. Anders sieht es bei Literatur-Portalen oder anderen Internetdiensten aus: Sie stehen allen Hobbyliteraten offen.

Einer von ihnen ist Mehmet Akyazi: «Ich schreibe deutsch-türkische Satire», sagt der 17-jährige Gymnasiast aus Duisburg. An Themen für seine Kurzgeschichten hat er keinen Mangel - der Alltag liefert sie ihm. Seine Texte einem klassischen Verlag schmackhaft zu machen, hat Akyazi gar nicht erst versucht. Stattdessen stellt er sie unter dem Pseudonym Memo52 ins Internet - beim Portal www.bookrix.de.

«Wir bekommen pro Monat im Durchschnitt 2000 Bücher dazu», sagt Gunnar Siewert, Gründer und Co-Geschäftsführer des Portals. Wobei Bücher vor allem Kurzgeschichten bedeutet. Der Schwerpunkt liege bei Humorvollem und Satirischem. «Dann kommt ein großer Anteil Lyrik, zudem Fantasy und Science-Fiction.» Manche Autoren versuchen sich aber auch an Gruselgeschichten, Reiseberichten oder Liebesromanen.

Eine Redaktion, die ähnlich wie bei einem Verlag die Geschichten auf Qualität hin überprüft und Ergüsse offensichtlich talentfreier Autoren herausfiltert, gibt es bei Bookrix nicht. «Das würde der Grundidee widersprechen, aus der heraus wir ebenso wie Netzwerke wie Flickr oder YouTube entstanden sind», erklärt Siewert: Mitmachen darf jeder, solange er niemandem schadet und keine Gesetze bricht. «Unsere Community bildet das echte Leben ab, und das besteht nicht nur aus Talenten.»

Auch mit Hilfe eines anderen Dienstes dürfen nicht nur diejenigen veröffentlichen, die bei klassischen Verlagen als Talente durchgehen würden. Doch Books on Demand (BoD) geht einen anderen Weg als Portale wie Bookrix: Das Unternehmen aus Norderstedt bei Hamburg ermöglicht es jedem, der einen Text verfasst hat, diesen zwischen Buchdeckel zu bringen und auf Wunsch über den Buchhandel verfügbar zu machen.

Je nachdem, für welchen Service sich ein Autor entscheidet, kostet ihn das - ähnlich wie das Veröffentlichen bei Literatur-Portalen - keinen Cent: «Los geht es bei Null Euro: Der Autor layoutet sein Buch mit Tools, die wir ihm zu Verfügung stellen, selbst und stellt es auf unsere Seite», erklärt BoD-Sprecherin Friederike Nielsen. Der Titel ist dann «optimiert für den Druck», und angeboten wird er über den Onlineshop des Unternehmens.

Wer möchte, dass sein Werk über den Buchhandel zu haben ist, muss 39 Euro berappen. Dann bekommt es eine ISBN-Nummer, wird bei allen Großhändlern gelistet und ins Verzeichnis lieferbarer Bücher aufgenommen. Für Satz und Covergestaltung sorgt auch hier der Autor. Gedruckt wird das Buch, sobald es jemand bestellt. «Und wenn das nur einer ist, wird es nur einmal gedruckt», sagt Nielsen. Ein Paket, bei dem sich ein Autor nicht ums Grafische kümmern muss und einen Lektor sowie Marketing bekommt, schlägt mit 849 Euro allerdings deutlich stärker zu Buche.

«Books on Demand nutzen auch arrivierte Schriftsteller - vor allem solche, die mal etwas Experimentelles veröffentlichen wollen», sagt Imre Török, Vorsitzender des Verbands deutscher Schriftsteller (VS) in Berlin. Doch er warnt ambitionierte Autoren, einen BoD-Titel ebenso wie Veröffentlichungen auf Portalen, zu denen etwa auch www.e-stories.de oder www.leselupe.de gehören, oder im eigenen Blog als Sprungbrett zur Literatenkarriere zu sehen.

«Die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu wird, ist nicht sehr groß», sagt Imre Török. Zwar stöberten sicher auch einmal Verlagsleute auf Literatur-Seiten, und diese haben teils Kooperationen mit Verlagen. Aber um sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen, seien die Lektoren nach wie vor viel zu sehr damit beschäftigt, in den Manuskripten zu wühlen, die sie Tag für Tag auf ihre Schreibtische bekommen.

Zumindest Mehmet Aykazi ist sich dem bewusst. Er schreibt seine Satire-Geschichten zum Spaß und freut sich über die Reaktionen darauf. «Da kommt viel Feedback - pro Tag sind das auf jeden Fall zwei Kommentare.» Ob er davon träumt, Schriftsteller zu werden? Fehlanzeige. Mehmet Aykazi weiß noch nicht, womit er später einmal seine Brötchen verdienen will.

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