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Weimarer Elster pickt Plagiate aus dem Web

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Weimarer Elster pickt Plagiate aus dem Web IT-News-World.de 5 5

am 12.10.2009

Weimar (dpa/th) - Bei Spürprogrammen für gefälschte Texte im Internet kämpfen Weimarer Forscher bundesweit um einen Spitzenplatz. Mit Software wie dem Prototyp «Elster» sucht eine Arbeitsgruppe der Bauhaus-Universität nach digitalen Plagiaten.

Ihr Ziel: Ein Programm zu entwickeln, das Ideenklau und Abschreiben aus fremden Texten im Internet aufdeckt. «Dafür stand der Forschung weltweit bisher aber keine Sammlung mit Beispiel-Plagiaten zur Verfügung», sagt der Informatiker Martin Potthast. Die Computerspezialisten aus Weimar haben daher selbst Schriftstücke gefälscht.

«Echte Plagiate, zum Beispiel von Studenten, konnten wir für uns und andere Wissenschaftler nicht ins Internet setzen. Das wäre einem Pranger gleichgekommen», erklärte Potthast. Mit Hilfe des Computers stellten die Weimarer also in lizenzfreien Dokumenten wild Sätze um, ersetzten Wörter, ließen ganze Passagen weg. So entstanden 20 000 verdächtige Texte - kaum noch lesbar, aber geeignet, um die «Elster» und andere Spürprogramme zu testen. Die Weimarer um Professor Benno Stein helfen so immerhin, Urheberrechte von Autoren, Verlagen und Medienhäusern bald besser zu schützen.

Mit den rund 20 Programmen, die für die Fälschungssuche auf dem Markt sind, gibt sich die Arbeitsgruppe nicht zufrieden. «Es wird zwar immer Textstellen geben, die automatische Plagiatsfinder übersehen», räumte der Informatiker ein. Aber die gegenwärtige Trefferquote wollen er und ein halbes Dutzend anderer Forscher aus Weimar erhöhen. Um den Stand der Forschung zu erfassen, schrieb der Lehrstuhl Content Management und Webtechnologien im Frühjahr einen Wettbewerb aus. Dabei hatten Forscher aus der ganzen Welt drei Monate Zeit, um Plagiatsfinder zu entwickeln.

Mit einer Trefferquote von 70 Prozent bei Präzision und Vollständigkeit siegte ein digitales Spürprogramm aus Berlin. «Vergleicht dieser Plagiatfinder einen verdächtigen Text mit zahlreichen Quellen, erkennt es darin in 74 Prozent der Fälle präzise die Fälschungen», erklärte Potthast. «Und zu 65 Prozent zeigt es die Plagiate auch vollständig an.»

Die Latte für die Thüringer liegt hoch, wie sie jetzt wissen. Gerade beim Aufspüren von Fälschungen ohne Vergleichsquellen, müssen «Elster» und Co. dazulernen. Denn dabei kann der Computer Plagiate nur finden, wenn er Brüche im Schreibstil erkennt - eine kniffelige Aufgabe, welche die besten Programme mit einer Trefferquote von nur 20 Prozent lösen.

Mit diesen und weiteren Bewertungskriterien im Hinterkopf bauen die Weimarer Experten ihre Elster nun weiter aus. Einige Monate wird das noch dauern - Potthast will sich nicht festlegen. Eines sei aber klar: «Die Nachfrage nach guten automatischen Plagiatsfindern ist groß.»

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