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BerichteFlugsimulatoren und das fehlende «Hosenbodengefühl»
![]() Ein Besucher testet auf der 7. deutschen Flugsimulator Konferenz einen Flugsimulator auf PC Basis. (Bild: dpa) am 07.10.2009 | Von Marcel Mund, dpa Bielefeld (dpa) - Hongkong, Flughafen Kai Tak. Pilot Martin Jöllenbeck sitzt am Steuer seiner Boeing 747. Das Wetter ist gut, die Sicht ist klar. Doch Jöllenbeck weiß, dass die bevorstehende Landung nicht leicht werden wird. Der Flughafen ist wegen seiner begrenzten Einflugschneise durch Berge, Hochhäuser und das angrenzende Meer für jeden Piloten eine echte Herausforderung. Jetzt bloß nicht hastig werden. Jöllenbeck hat den Steuerknüppel fest im Griff. Doch dann macht er wenige Meter vor dem Aufsetzen den entscheidenden Fehler. Er ist viel zu schnell, reißt das Ruder zu weit nach rechts und knallt mit der rechten Tragfläche auf die Landebahn. Eine Katastrophe. Martin Jöllenbeck atmet einmal tief durch. Die Katastrophe hat glücklicherweise nur auf dem Bildschirm vor ihm stattgefunden. Ein Wettbewerb auf einer Messe für Flugsimulatoren, welche PC-Piloten die beste Landung in Hongkong hinlegen. Jöllenbeck gehört nicht dazu. «Ich habe einfach nicht auf die Geschwindigkeit geachtet», sagt der 35-Jährige, der im Einzelhandel tätig ist. Ein Trost bleibt: Im echten Leben landet auf dem Flughafen Kai Tak kein einziger Pilot mehr - er ist seit 1998 geschlossen. Jörg Handwerg, kein PC-Pilot, sondern echter Flugkapitän und Sprecher der Pilotenvereinigung «Cockpit», kann die Begeisterung für die Unterhaltungssimulatoren nicht so recht teilen. Er nennt sie «ein nettes Spielzeug». Das «Hosenboden-Gefühl», wie er die Beschleunigungskräfte bei einem Flug nennt, könne einfach nicht erzeugt werden. «Fliegen hat sehr viel mit Gefühl zu tun.» Auch die Profi-Flugsimulatoren für die richtigen Piloten kämen an die Realität nur schwer heran. Doch Martin Jöllenbeck dürfte das ziemlich egal sein, ob er nun das «Hosenboden-Gefühl» erlebt oder nicht. Als kleiner Junge wollte er unbedingt Pilot werden. Die Simulatoren sind seine einzige Möglichkeit, den Traum vom Fliegen auf gewisse Weise doch noch zu leben. Ähnlich geht es Peter Siegmann, 26-jähriger Student der Ingenieurwissenschaft. Er setzt auf Realismus pur. Dazu fliegt er schon mal acht Stunden am Computer bis nach New York - inklusive Autopilot, damit er nicht ständig am Computer sein muss. Regelmäßig tummelt sich der Student Siegmann in einem großen Online-Netzwerk, in dem sich PC-Piloten und -Lotsen zusammenfinden. Sie arbeiten dabei am Computer genauso, wie es die echten Piloten und Lotsen tun. Sie geben sich Anweisungen, fliegen Warteschleifen und koordinieren den Flugverkehr. Die zwei großen Netzwerke namens «Virtual Air Traffic Simulation» und «International Virtual Aviation Organization» haben nach eigenen Angaben weltweit zusammen rund 155 000 Mitglieder. Für Leute wie Siegmann gibt es dabei weit komplexere Hardware als die üblichen Joysticks. Hersteller bauen auf Wunsch sogar komplette Cockpit-Imitate nach. Wer in kleinerer Ausführung zu Hause ein paar Schalter verstellen und die Flughöhe seines virtuellen Fliegers ablesen will, muss je nach Ausstattung schon mehrere tausend Euro dafür hinblättern. «Mit dem Funkverkehr der Online-Netzwerke und einem Steuerknüppel für den Computer kommt so schon echtes Fluggefühl auf», erzählt Siegmann begeistert. Auch wenn der echte Kapitän Handwerg da anderer Meinung ist, hat er doch auch ein wenig Lob für die PC-Piloten und ihr Hobby übrig: «Die Grafik dieser Flugsimulatoren wird immer besser. Außerdem ist die Funktionalität der Bedienelemente recht realistisch.» Mit den Simulatoren könnten sich angehende Piloten besser auf die Tests der Flugschulen einstellen. «Die Vorbereitung damit kann nicht schaden. Mein kleiner Neffe will später auch Pilot werden - und spielt täglich mit dem Flugsimulator.»
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