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Neue Klänge: Wenn Konsolen zu Musikmaschinen werden

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Activision
Rocken statt zocken: Aktuelle Konsolen und ihr Zubehör sind nicht nur zum Daddeln gut, sondern auch zum Musikmachen. (Bild: Activision/dpa/tmn)

am 06.10.2009 | Von Thilo Mischke, dpa

Berlin (dpa/tmn) - Ein Club in den Niederlanden, eine verschwitzte Masse junger Menschen drängt sich vor der Bühne. Das Licht geht aus, der Vorhang teilt sich, und Tim Groeneboom betritt die Bühne.

Vor seinem Bauch hängt eine Gitarre. Erst bei genauerem Hinsehen erkennen die Zuschauer, dass sie aus Plastik ist und der Steg bunte Knöpfe trägt. Tim Groeneboom - Künstlername: WiiJ Timski - entlockt ihr die verschiedensten Klänge, von Elektro bis Rock. Musiker wie er haben erkannt: Die aktuellen Videospielkonsolen und Zubehör wie die Gitarre taugen nicht nur zum Daddeln, sondern auch zum Musikmachen.

Mit dem Marktstart von Nintendos Konsole Wii im Jahr 2007 begann der 24-jährige Niederländer Tim Groeneboom das musikalische Potenzial der Konsole auszuloten. «Ich fand es langweilig, wie Musiker mit ihren Laptops auf der Bühne standen.» Ein Konzert müsse auch eine physische Erfahrung sein - und mit Hilfe der Konsole sollte das doch zu erreichen sein. «Deswegen habe ich mir Gedanken gemacht, wie man die Bewegungsempfindlichkeit der Wii in die Musik integrieren kann.»

Ergebnis der Überlegungen war eine selbstverfasste Software, die er nach wie vor über die Webseite «wiijtimski.com» vertreibt. Damit steuert Groeneboom die Tasten und die Neigung seines Wii-Controllers direkt an. «Ich kann zum Beispiel den Rhythmus von Trommeln auf eine Taste legen. Wenn ich die Fernbedienung dann noch in verschiedene Richtungen halte, beeinflusse ich den Klang des Geräuschs.» Bis zu fünf Sounds kann er so miteinander kombinieren.

Nintendo
Rocken statt zocken: Aktuelle Konsolen und ihr Zubehör sind nicht nur zum Daddeln gut, sondern auch zum Musikmachen. (Bild: Activision/dpa/tmn)

Die Musikhardware-Industrie sei wenig innovativ, sagt der Musiker. Deswegen ist für ihn die aktuelle Konsolen-Generation so interessant - und die Wii erst der Anfang. Da ist etwa Project Natal - Microsofts jüngstes Projekt einer bewegungsempfindlichen Spielesteuerung. Dessen Marktstart werde ihm jede Menge neue Möglichkeiten verschaffen, ist sich Tim Groeneboom sicher.

Doch so erfinderisch wie der Niederländer muss man gar nicht sein, um der eigenen Spielkonsole Sounds zu entlocken. Für den kleinen DS etwa hat Nintendo selbst eine ganz spezielle Software herausgebracht. Sie verwandelt das tragbare Daddelkästchen mit den zwei Bildschirmen in den Synthesizer Korg MS-10.

«Zuerst war das für mich reine Spielerei, aber es wurde immer mehr zu einem musikalischen Vergnügen», sagt Roland Möws, Mathematiker und Musiker aus Berlin. Natürlich könne so ein Mini-Synthie niemals Korgs Original-Musikmaschine ersetzen. «Aber für einfache Loops und Drums eignet sich das.»

Anders als Möws musiziert Andreas Otto aus Hamburg professionell. Für Theaterproduktionen hat er ein Instrument entworfen und sich ebenfalls aus dem Fundus der Konsolenhersteller bedient: Das Fello ist ein Cello, das mit Hilfe der Wii-Fernbedienung gespielt wird. Der Reiz bestehe darin, Töne durch Armbewegungen zu verfremden. «Das zu üben und die interessanten Moves zu finden, ist fast wieder wie ein Videospiel, in dem man langsam gut wird.»

Das Musizieren mit Hilfe von technischem Gerät, das eigentlich gar nicht dafür gedacht ist, ist inzwischen sogar Massenmarkt-kompatibel - ein Blick in den sogenannten App Store für Apple's iPhone beweist es: digitale Flöten, Trommeln, Klaviere und Gitarren gibt es dort zum Herunterladen.

Selbst Paul van Dyk, international erfolgreicher Musikproduzent und DJ aus Berlin, bietet im App Store ein Programm an: Das PvD-DJ-App soll als Beat-Messer für den Discjockey ebenso dienen wie als Taschenlampe für Clubbesucher. Selbst mit Technikspielzeug Musik zu produzieren, liegt Paul von Dyk allerdings fern: «Ich glaube, dass das eher eine Spielerei ist. Konsolen bieten keine echte Freiheit in der Komposition, sondern geben statisch programmierte Wege vor.»

Tim Groeneboom sieht das freilich anders und will als nächstes mit Nintendos jüngster Erweiterung experimentieren: der Wii Motion Plus, die die Fernbedienung noch einen Tick bewegungsempfindlicher machen soll. «Das scheint mir interessant für neue Tonexperimente.» Sein derzeitiges Projekt ist allerdings noch ambitionierter: Wiij Timski stellt gerade eine Band zusammen, die komplett mit Nintendos Konsole musiziert.

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