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BerichteOhne Baumwollhandschuhe lesbar: Digitalisierte Bücher
![]() Bücher unter «books.google.de» suchen: Hier sind vor allem viele ältere Titel frei zugänglich. (Bild: Schierenbeck/dpa/tmn) am 02.10.2009 | Von Jan Kluczniok, dpa Heidelberg (dpa/tmn) - Der Abgabetermin der Hausarbeit rückt immer näher, zwei wichtige Bücher dafür sind hartnäckig verliehen, für eine Fernleihe fehlt die Zeit - ein Albtraum für Studenten. Doch er kann durch einen Blick ins Netz schnell an Schrecken verlieren: Immer mehr Bücher lassen sich dort ganz oder zumindest teilweise gratis einsehen - rund um die Uhr. Bibliotheken auf der ganzen Welt digitalisieren ihre Bestände. Insbesondere ältere Bücher, von denen es oft nur noch wenige Exemplare gibt und bei denen das Urheberrecht längst erloschen ist, sollen dadurch für spätere Generationen erhalten werden. Und nicht nur Studenten haben etwas davon. Die Heidelberger Universitätsbibliothek zum Beispiel hat im Juni die Bibliotheca Palatina - deutschsprachige Handschriften aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit - für jedermann im Internet zugänglich gemacht. Wer will, kann die Kostbarkeiten sogar als PDFs herunterladen. Vorher hatten jährlich nur 80 bis 100 Wissenschaftler die Möglichkeit, darin zu blättern - mit Baumwollhandschuhen. Nach der Digitalisierung sind die Schriften nun per Mausklick für Forscher auf der ganzen Welt einsehbar. Bereits während die Mitarbeiter der Bibliothek die Handschriften noch bearbeiteten, gab es laut der Uni monatlich etwa 8500 Zugriffe. Einen Überblick über online frei zugängliche Werke speziell aus Deutschland ermöglicht das Zentrale Verzeichnis Digitalisierter Drucke (zvdd - «zvdd.de»). Betreiber sind die AG Sammlung Deutscher Drucke in Frankfurt/Main, der Gemeinsame Bibliotheksverbund in Göttingen und das Hochschulbibliothekszentrum in Köln. Das Ziel dahinter ist, alle frei zugänglichen digitalisierten Druckwerke, die wissenschaftlichen Standards genügen, auszuweisen. Zuletzt waren 85 historische Sammlungen verzeichnet, darunter das Wörterbuch der Gebrüder Grimm und die satirische Wochenzeitschrift «Simplicissimus». Wer sich nicht durch die zvdd-Sammlung klicken mag, der kann auch Google nutzen («books.google.de»). Das zurzeit - sicher auch mit Blick auf die anstehende Frankfurter Buchmesse (14. bis 18. Oktober) - politisch heftig diskutierte Engagement des Suchmaschinenbetreibers beim Digitalisieren von Büchern mag manche überraschen. Doch für Stefan Keuchel, Sprecher des Unternehmens in Hamburg, ist es eine logische Konsequenz: «Google will die Informationen dieser Welt organisieren und zugänglich machen - und diese stecken nicht nur auf Webseiten, sondern auch in Büchern.» Die Bücher kommen aus den verschiedensten Quellen, eine davon ist das Bibliotheksprogramm. Daran nehmen weltweit 30 Einrichtungen teil, darunter so renommierte Unis wie Harvard oder Oxford. In Deutschland ist die Bayerische Staatsbibliothek in München beteiligt. Zudem wird in Absprache mit Verlagen aktuelle Literatur digitalisiert. Hier ist der Zugang aber beschränkt: «Der Leser erhält nur Zugang zu maximal 20 Prozent des Inhaltes», sagt Stefan Keuchel. Der schiere Umfang macht Googles Anwendung gerade für Bibliotheken interessant. So hat zum Beispiel Ulrich Hahn von der IT-Abteilung der Universität der Bundeswehr in Hamburg eine Erweiterung für den Online-Katalog der Bibliothek entwickelt («ub.hsu-hh.de/GoogleBS»). Sie ermittelt anhand der ISBN-Nummer das Cover und den Link zum Werk in der Google-Buchsuche. Ist ein Volltextauszug verfügbar, kann der Nutzer per Klick aus dem Katalog heraus im Buch lesen. «Die Bibliothekskataloge waren bis vor kurzem Bleiwüsten», sagt Ulrich Hahn. «Unser Ziel ist ein Katalog, der den Benutzer bei der Literatursuche optimal unterstützt.» Speziell die Cover haben hohen Wiedererkennungswert. Ursprünglich nur für den Katalog der eigenen Universität vorgesehen, ist die von Hahn entwickelte Funktionalität nun als Plug-in für den Firefox-Browser frei zugänglich. Doch Googles Buchsuche hat nicht nur Anhänger: Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels warnte jüngst davor, das Digitalisieren von Beständen einem Monopolisten zu überlassen: «Kulturpolitisch ist die Zusammenarbeit mit einem privatwirtschaftlichen Dienstleister nur akzeptabel, wenn dadurch keine Monopolstellung entsteht und alle digitalen Bibliotheken die eingescannten Werke für ihre Plattformen nutzen können», betont Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis. Der Verband wirbt dafür, durch Steuern finanzierte Projekte wie die europäische digitale Bibliothek Europeana («europeana.eu») zu unterstützen. Das EU-Projekt verschafft seinen Nutzern derzeit Zugang zu rund vier Millionen digitalen Objekten aus ganz Europa, darunter Bücher und Gemälde. Die Buchbranche selbst betreibt darüber hinaus das Portal «libreka.de». In der Volltext-Plattform waren zuletzt knapp 110 000 lieferbare deutschsprachige Titel vertreten - fast alle davon können eingesehen werden. Links
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