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Dem Internet-Wahlkampf fehlt oft der K(l)ick

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Internet-Wahlkampf
Vorbild USA: Auch in Deutschland twittertern und blogten Parteien und Poltiker eifrig. (Bild: dpa)

am 25.09.2009 | Von Christian Fahrenbach, dpa

Stuttgart (dpa) - Das Vorbild stammt einmal mehr aus den USA: Im US-Präsidentschaftswahlkampf zwischen John McCain und Barack Obama beobachteten die aus Deutschland angereisten Parteistrategen ein Phänomen.

Mit seiner Graswurzelkampagne im Internet bringt Obama mehrere Millionen Unterstützer zusammen. Daraufhin bricht auch im Bundestagswahlkampf eine wahre Web-Welle los. Hunderte Videos von Parteikundgebungen werden online gestellt, ein Twitter-Profil gehört etwa auch für viele baden-württembergischen Politiker zum guten Ton. Zum Ende des Wahlkampfs macht sich zumindest bei den großen Parteien im Südwesten Ernüchterung breit: Das Internet sei ein wichtiger Kanal, heißt es. Die große Web-Revolution scheint jedoch vertagt.

«Das Web hat unbestreitbar einen wachsenden Stellenwert, kann aber mit traditionellen Wegen nicht mithalten», erklärt Andreas Reißig, Pressesprecher des SPD-Landesverbandes Baden-Württemberg. Handzettel und Wahlstände seien noch wichtiger. Das zeigten auch die Zugriffszahlen im Internet: Besonders beliebte You-Tube-Videos kämen bei der SPD auf einige zehntausend Abrufe, das Profil beim Kurznachrichtendienst Twitter werde von rund 900 Nutzern verfolgt - verschwindend wenig im Vergleich zu den rund 7,7 Millionen Wahlberechtigten im Land. «Vielleicht sind unsere Angebote noch zu sehr Einbahnstraßen», sagt Reißig. Bei der nächsten Gelegenheit müssten wohl mehr Möglichkeiten zum konkreten Austausch angeboten werden.

Die CDU im Südwesten hält sich im Netz noch zurück. Nur einzelne Kandidaten twittern von ihren Wahlkampfauftritten und lassen wissen, wo sie aktuell um Stimmen kämpfen oder kommentieren die Forderungen politischer Gegner. Auch einige Kinowerbespots finden sich im Internet, darunter ein Comicspot des Stuttgarter Kandidaten Stefan Kaufmann bei You Tube. Dunkelblau auf weißem Grund beklagt sich der Comic-Kaufmann darin über die «Mandatstouristen» Ute Vogt (SPD) und Cem Özdemir (Grüne): Nur er sei ein «Stuttgarter für Stuttgart».

Deutlich besser fällt das Fazit kleinerer Parteien aus. «Vor allem die interne Kommunikation hat sich von Telefonaten oder Postzuschriften fast ausschließlich auf Social Networks und Mailverkehr verlagert», erklärt die Grünen-Landesgeschäftsführerin Annette Schäfer. Hier zeige sich, dass das Netz nicht nur für die Information potenzieller Neuwähler wichtig ist, sondern auch hilft, eigene Unterstützer zu aktivieren.

Noch einen Schritt weiter geht die FDP: Bei der medialen Informationsvermittlung stehe das Web nach dem Fernsehen an zweiter Stelle, sagt ein Sprecher des Landesverbands. Bei kommenden Wahlkämpfen wolle die Partei daher mehr Geld für ihre Netzaktivitäten ausgeben. Er schätzt, dass die Homepage im September rund 200 000 Besucher haben wird. Auch die direkte Ansprache in den sozialen Netzwerke wie Facebook und StudiVz hätte gut geklappt. Einzig ein Plakatwettbewerb hätte nicht so funktioniert wie gewünscht.

Enthusiastisch fällt naturgemäß das Fazit bei der Partei aus, die von vielen ohnehin als «Internetpartei» bezeichnet wird - der Piratenpartei. Die kleine Partei nutzt das Netz nicht nur für einen Plakatwettbewerb oder zum Abstimmen über TV-Spots: Bevor ihr Wahlprogramm auf offiziellen Parteitagen verabschiedet wurde, wurde es offen im Netz - auch von Nichtmitgliedern - diskutiert. «Unsere gesamte Organisation läuft zu großen Teilen über das Netz», erklärt Dennis Laurisch, der Politische Geschäftsführer, der Partei, die für mehr Informationsfreiheit im Netz kämpft.

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