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Vom Web an die Wahlurne: Parteien kämpfen auch online

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Online-Wahlkampf
Stimmenfang 2.0: Ihren Wahlkampf betreiben die Parteien immer stärker auch online. (Bild: Wenda/dpa/tmn)

am 12.08.2009 | Von Philipp Laage, dpa

Berlin (dpa/tmn) - US-Präsident Barack Obama hat es vorgemacht: Er versuchte über das Internet gezielt junge Erstwähler für sich zu gewinnen, die sich über andere Kanäle nur schwierig für Politik begeistern lassen.

Mit Blick auf die Bundestagswahl am 27. September arbeiten nun auch die deutschen Parteien fleißig an ihren Auftritten im Netz. Sie nutzen dabei zunehmend Plattformen wie Facebook und Twitter.   

Auf klassischen Webseiten machen Parteien und Kandidaten schon länger für sich Werbung: Die Christdemokraten stellen auf «regierungsprogramm.cdu.de» ihr Programm für die kommende Legislaturperiode vor. Die offizielle Online-Kampagne der SPD ist als Gegenstück unter «wahlkampf09.de» abrufbar. Und in sattgrünem Layout präsentiert sich Bündnis 90/Die Grünen auf «gruene.de». Anders als bei den klassischen Volksparteien findet der Nutzer hier keine eigene Seite zur Bundestagswahl. Auf dem Online-Portal kann sich der Wähler aber gezielt über die Partei, ihre wesentlichen Positionen und das Spitzenduo informieren. Das Wahlprogramm ist - wenn auch etwas versteckter - abrufbar.

Die Einbindung des Nutzers steht auch auf «mitmachen.fdp.de» im Mittelpunkt der Online-Kampagne. Der Nutzer kann hier ein «Freund» der Partei werden. Im «Blog House» lassen sich außerdem die verschiedenen Politiker-Blogs erreichen. Auch Die Linke treibt ihren Online-Wahlkampf auf «die-linke.de/wahlen/kampagne» voran. Auch hier werden webspezifische Formate bedient: Auf einer interaktiven Deutschlandkarte findet der Nutzer zum Beispiel die Landeslisten für den Bundestag.

Die beiden Spitzenkandidaten von SPD und Union gehen zur Wahl mit personalisierten Formaten an den Start. So erfährt der Wähler auf «frankwaltersteinmeier.de» alles zur Person Steinmeier. Ähnlich interaktiv präsentiert sich die Unterstützer-Seite «team2009.de» von Angela Merkel. Auch die getwitterten Nachrichten des Merkel-Teams sind direkt auf der Seite eingebunden.

Was auffällt: An allen Stellen weisen die Parteien auf ihre Präsenzen im Social Web hin. Ob Youtube, Facebook, MeinVZ oder Twitter - überall ist der Wähler eingeladen, mitzulesen, zuzuschauen und «Freund» zu werden. Auf «youtube.com/cdutv» etwa schaltet die Union ihren eigenen Online-Kanal. Ähnlich strukturiert ist das Online-Fernsehen der Sozialdemokraten auf «youtube.com/spdvision».

Die Spitzenkandidaten der Parteien trifft der Nutzer natürlich auch auf Facebook und im StudiVZ an, wo es abgespeckte Kandidaten-Infos gibt. Dass dabei vor allem Links auf parteieigene Seiten und Artikel gesetzt werden, macht deutlich, dass es sich meist um alte Infos in einem neuen Medium handelt.

Twitter ist spätestens mit seiner wachsenden Popularität durch die Iran-Wahl für Politiker interessant geworden. Hier wird es für den Außenstehenden aber schwierig zu sagen, ob er es mit dem echten Account eines Politikers zutun hat oder ob es sich um eine Fälschung handelt: Im Namen von Angela Merkel etwa twittern etliche Nutzer auf recht ironische Weise. Wer aber die offiziellen Web-2.0-Auftritte der Politiker besucht, kann dort schnell prüfen, ob die Twitter-Aktivität echt ist oder nicht. Fehlt ein Verweis auf das Gezwitscher, ist der Twitter-Account ein Fake.

Aber auch Twitter selbst hat inzwischen falschen Accounts den Kampf angesagt, zumindest zum Teil. Vor einigen Wochen kündigten die Macher in ihrem Blog an, Nutzerprofile verstärkt zu prüfen. Das sollte bei Firmen, aber eben auch Promis, geschehen. Wer den Echtheitstest besteht, bekommt ein Häkchen und hat einen «verified account» (ein geprüftes Konto). Zunächst bekommen vor allem aber US-Stars das Siegel. US-Präsident Barack Obama («twitter.com/BarackObama») hat das blaue Häkchen natürlich auch schon.

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