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«Frag Angie»: Merkels neue Schritte im Netz

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Merkel bei studiVZ
Bundeskanzlerin Angela Merkel beantwortet auf der Plattform studiVZ Fragen - allerdings nur die ihrer Sympathisanten. (Bild: dpa)

am 28.07.2009 | Von Alexander Missal, dpa

Berlin (dpa) - Vorsichtig hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel dem Internet genähert. Im wöchentlichen «Video-Podcast» äußert sich die CDU-Vorsitzende seit 2006 staatstragend und wenig interaktiv. Im Wahlkampf zeigt sie sich nun mutiger - aber nur dort, wo es ihr passt.

Im Online-Netzwerk studVZ listet Merkel ihre Lieblingsmusik auf, darunter Richard Wagner, die Beatles und Karat. Bei der Konkurrenz von Facebook verrät sie ihren Traum: «Einmal mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok reisen.» Zusammengerechnet kommt die Kanzlerin auf knapp 70 000 Anhänger in den beiden Netzwerken und lässt damit ihren SPD-Herausforderer Frank-Walter Steinmeier mit 20 000 weit hinter sich.

Demnächst will Merkel bei studiVZ, Facebook und auf der CDU- eigenen Plattform teAM Deutschland auch Fragen von Bürgern beantworten («Frag Angie») - allerdings nur solche ihrer Sympathisanten. Die bei einer Abstimmung ausgesuchten Fragen will sie Ende August per Video beantworten. Dies sei «ein besonderes, exklusives Angebot» an ihre Unterstützer, begründet eine CDU-Sprecherin die Einschränkung. Wer sich nicht als Anhänger Merkels ausgeben möchte, solle eben Seiten wie www.angela-merkel.de und www.cdu.de oder das Nischenangebot www.direktzurkanzlerin.de ansteuern.

Einer anderen großen Plattform, die sich dem direkten Dialog zwischen Bürgern und Politikern verschrieben hat, verweigert sich Merkel seit Jahren konsequent: Bei dem nicht-kommerziellen Angebot www.abgeordnetenwatch.de hat sie in ihrer Funktion als Bundestagsabgeordnete bisher 369 Fragen erhalten - und keine einzige beantwortet. Andere Abgeordnete, darunter inzwischen auch Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU), schreiben fleißig zurück oder teilen wenigstens mit, warum sie nicht ausführlich antworten, erläutert Gregor Hackmack von abgeordnetenwatch - zum Beispiel weil sie keine Zeit haben oder lieber Briefe schreiben.

Von Merkel allerdings kam bisher keine Zeile. «Vielleicht will sie sich einfach nicht festlegen - wir kennen das ja von ihr», meint Hackmack. Die CDU-Sprecherin sieht das anders: Die Plattform abgeordnetenwatch, die unter der Schirmherrschaft der ehemaligen Verfassungsrichterin Jutta Limbach steht, sei ein «selbsternannter Vermittler» zwischen Parlamentariern und Bürgern und biete gar keinen direkten Dialog. Durchsetzen konnte sich Merkel mit dieser Einschätzung in ihrer Partei aber bisher nicht: Mehr als drei von vier Fragen an CDU-Abgeordnete werden bei abgeordnetenwatch zumindest mit einer Höflichkeitsfloskel beantwortet.

«Dialog gibt es nur, wenn alles äußerst kontrolliert ist», kritisiert Markus Beckedahl, der mit netzpolitik.org zu den wichtigsten deutschen Bloggern zählt, die geplante Frage- und Antwortaktion der Kanzlerin. Merkels Profile in den Online-Netzwerken ähnelten bisher «eher animierten Litfasssäulen als einem richtigen Dialog». Immerhin erhält jeder neue Fan bei studiVZ die Nachricht «Angela Merkel hat Dich gegruschelt» - das ist der Szeneausdruck für eine Art freundschaftliche Kontaktaufnahme. Doch solche identischen Gesten, gibt Beckedahl zu bedenken, «kann auch ein Roboter machen».

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