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Twittern auf Sächsisch: Wahlkampf mal anders

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Internet Wahlkampf
Im Landtagswahlkampf 2009 versuchen die Politiker in Sachsen auch über Internetplattformen wie Twitter und YouTube mögliche Wähler zu erreichen. (Bild: dpa)

am 20.07.2009 | Von Sophia-Caroline Kosel, dpa

Leipzig (dpa) - Auf YouTube fährt Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) in seiner Dienstlimousine unangeschnallt durchs Land, sein SPD-Kontrahent Thomas Jurk ist im Internet als Comic-Figur unterwegs.

Antje Hermenau (Grüne) twittert fleißig und Holger Zastrow von der FDP hat sich vor einer blauen Wand für das Online-Fotoportal Flickr fotografieren lassen. Die Spitzenkandidaten im sächsischen Landtagswahlkampf sind nicht mehr nur auf großen Plakaten und Kundgebungen zu finden, sondern eben auch im Netz, das laut einer Studie von Google bei Jungwählern eher zur Information genutzt wird als Zeitung und Fernsehen.

Wer sich im Internet über die Ziele der CDU informieren will, muss sich durch eine interaktive «Wahlstraße» klicken. Dort sind markante Gebäude von Dresden und viele Passanten zu sehen. Alles lässt sich anklicken. Wer so «hinter» einen Rollstuhlfahrer schaut, liest: «Wir werden barrierefreie öffentliche Gebäude und Wohnungen fördern.» Beim Klick auf Kanalarbeiter «Horschd» (sächsisch für Horst) gelangt man zu dessen Twitter-Kurznachrichten.

«Unterwegs mit Stanislaw Tillich» heißt ein Video auf YouTube, in dem der Regierungschef durchs Land reist und behauptet: «Kein Mensch weiß gegenwärtig, wann die Krise vorbei sein wird. Aber wir können sicher sein, dass sie ein Ende haben wird.» Zu Hintergrundmusik beschwört er die Sachsen in Landesvater-Manier: «Gemeinsam werden wir das schaffen!» Die Online-Aktivitäten seien nur ein kleines von vielen Elementen im Wahlkampf, heißt es aus der Dresdner Parteizentrale.

Die SPD hat den Leipziger Comic-Zeichner Schwarwel engagiert, der auch für die Band «Die Ärzte» arbeitet. Spitzenkandidat und Wirtschaftsminister Jurk ist im Video eine Figur mit grauem Anzug, rotem Schlips und einer roten Überraschungskiste. Ein Sprecher erläutert dazu wie in der «Sendung mit der Maus»: «Das ist Thomas Jurk. Thomas hat früher als Funkmechaniker gearbeitet. Heute hat er gute Antennen für die Sorgen der Menschen.» Flickr-Fotos, Statements bei Twitter und eine Präsenz bei Facebook komplettieren das Angebot.

Auch die FDP twittert vor der Landtagswahl in Sachsen am 30. August. Die Kurzmeldungen verweisen meist auf Presseberichte in eigener Sache. Der Wahlkampfblog hat die gleiche Funktion. Auf Flickr gibt es ein Album mit den 20 Spitzenkandidaten zur Landtagswahl - allesamt eher bieder mit Anzug und Kostüm vor einer blauen Wand fotografiert. Bei YouTube sind ein Video von einer FDP-Jubelparty nach der Europa- und Kommunalwahl und Reden von Partei- und Fraktionschef Zastrow zu finden.

«Fakt ist, am Internet kommt in diesem Wahlkampf keine Partei vorbei», sagt SPD-Generalsekretär Dirk Panter. «Das ist aber auch wichtig, denn inzwischen haben fast 80 Prozent der sächsischen Haushalte einen Internetanschluss.» FDP-Generalsekretär Torsten Herbst hält den Online-Wahlkampf für unverzichtbar, fügt aber hinzu: «Der klassische Straßenwahlkampf mit flotten Plakaten, großen Parteiveranstaltungen und kämpferischen Reden bleibt das Herzstück der FDP-Kampagne zur Landtagswahl.»

Die Linken haben einen Blog und eine Twitter-Adresse, Spitzenkandidat André Hahn setzt auf seine Homepage. «Das Internet spielt eine Rolle für die Mitglieder und die Wähler, aber man sollte es nicht überbewerten», findet Landesgeschäftsführer Rico Gebhardt. Nur etwa zehn Prozent der Wähler seien auf diesem Wege erreichbar. «Wir befinden uns nicht in Amerika.»

«Vor dem Urlaub nicht vergessen: Die Braunen aussortieren. Mit Briefwahl», empfehlen die Grünen bei YouTube. In dem Clip dreht sich ein verschrumpelter brauner Apfel zu Marschmusik um die eigene Achse, eine Anspielung auf den Fraktionschef der rechtsextremen NPD, Holger Apfel. Die grüne Spitzenkandidatin Hermenau twittert auch auf Sächsisch: «MP Tillich meint, Steuersenkungen seien möglich. Nu glaar - und die Erde ist eine Scheibe... Männer!»

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